Jan Masa aus Erkrath hat die Plakatwand in Büderich gestaltet. Er will für Toleranz und friedliche Koexistenz werben.

Ist die Taube im Anflug auf den Stacheldraht? Der Künstler Jan Masa setzt bewusst auf die Zweideutigkeit seines Werks.
Ist die Taube im Anflug auf den Stacheldraht? Der Künstler Jan Masa setzt bewusst auf die Zweideutigkeit seines Werks.

Ist die Taube im Anflug auf den Stacheldraht? Der Künstler Jan Masa setzt bewusst auf die Zweideutigkeit seines Werks.

Marc Ingel

Ist die Taube im Anflug auf den Stacheldraht? Der Künstler Jan Masa setzt bewusst auf die Zweideutigkeit seines Werks.

Büderich. Künstler Jan Masa hätte kaum ein eindeutigeres Symbol wählen können als eine schneeweiße Taube, die durch himmelblaue Sphären schwebt.

Doch unter dem Friedensvogel, der die Blicke der Passanten auf dem Dr.Franz-Schütz-Platz in den nächsten Monaten auf sich ziehen soll, ist ein in bedrohlichem Schwarz gemalter Stacheldraht gespannt.

Masa hofft, dass sein Werk so lange wie möglich existiert

"Die Betrachter sollen selbst entscheiden, ob die Taube noch im Anflug ist, bereits wieder wegfliegt oder sich gerade hinsetzt. Aber wenn sie sich hinsetzt, dann entkräftet sie den Stacheldraht."

Der 58-jährige Masa, der die Büdericher Plakatwand zum ersten Mal gestaltet, liefert Betrachtern jedoch nicht nur einen Interpretationsrahmen, sondern ist auch fest von der Botschaft seines Werks überzeugt: "Wenn Weltfrieden herrschen würde, dann gäbe es auch keine Ausländerfeindlichkeit mehr."

Seit 1987 wohnt der in Danzig geborene Masa in Erkrath und hat so auch durch seine Herkunft einen besonderen Bezug zum Problem Toleranz und Koexistenz: "Ich habe natürlich mitbekommen, dass Ausländerfeindlichkeit auch in der deutschen Gesellschaft ein Thema ist. Ich selbst war aber zum Glück nie davon betroffen und fühle mich sehr wohl in Deutschland."

In Polen habe er zunächst als Bildhauer gearbeitet und in Deutschland schließlich als Grafikdesigner und Künstler. Die Plakatwand habe er deshalb gestaltet, weil er ein Gefühl von sozialer Gerechtigkeit habe.

Als Plakatwandbetreuer Winfried Schmitz-Linkweiler ihn vor einigen Monaten gefragt habe, das Mahnmal zu gestalten, habe er sich sofort an ein Bild aus dem Jahr 2001 erinnert und es für passend befunden: "Normalerweise bin ich ein Objektkünstler und 2D- und 3D-Elemente vermischen sich in meinen Werken. Für die Plakatwand habe ich jetzt jedoch eine Ausnahme gemacht und ein Gemälde angefertigt."

Winfried Schmitz-Linkweiler bezeichnet Masas Arbeit als "sehr bodenständig" und träumt davon, die Plakatwand selbst zu gestalten: "Wenn es einmal so sein sollte, dass sich kein Künstler bereit erklärt, die Plakatwand zu gestalten, dann werde ich das selbst machen."

Nachdem die im Dezember 2008 von Hanne Horn gestaltete Plakatwand durch Wetterschäden und Vandalismus beschädigt wurde, hat Masa jetzt nur einen Wunsch: "Ich hoffe, dass mein Werk so lange wie möglich existieren wird."

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