Im Gespräch: Die WBM planen auf lange Sicht, ihr Angebotsspektrum zu erweitern.

wza_1500x997_434828.jpeg
Die Wirtschaftsbetriebe Meerbusch wollen als eigene Marke erkennbar bleiben.

Die Wirtschaftsbetriebe Meerbusch wollen als eigene Marke erkennbar bleiben.

Marc Ingel

Die Wirtschaftsbetriebe Meerbusch wollen als eigene Marke erkennbar bleiben.

Meerbusch. Seit einem halben Jahr kooperieren die Wirtschaftsbetriebe Meerbusch (WBM) mit den Stadtwerken Willich. Etwa 100 Mitarbeiter (60 aus Willich, 40 aus Meerbusch) arbeiten seitdem in der Servicegesellschaft, einer gemeinsamen Tochter, die sich um den Netzbetrieb, Energieabrechnungen und den Kundenservice kümmert. Das heißt für Meerbuscher Kunden beispielsweise, dass sie ihren Ansprechpartner nun unter einer Willicher Vorwahl erreichen. Das führe, gibt Weigand zu, manchmal zu Irritationen.

Arbeitssysteme müssen angeglichen werden

Die seien auch in der Tochtergesellschaft selbst spürbar gewesen. Immerhin sei die Kooperation vollzogen worden, bevor die Arbeitssysteme angeglichen werden konnten. Und obwohl die Unternehmen nach Weigands Einschätzung eine vergleichbare Philosophie haben, knirsche es manchmal im Getriebe.

Ein Beispiel: "In Meerbusch hatten die Kunden immer einen Sachbearbeiter, der über alle Vorgänge informiert war. In Willich sind beispielsweise Rechnungsstellung und Zahlungseingang getrennt."

Während Meerbusch die Kundenbetreuung nach Wohnorten zuteilte ("Das konnten wir uns bei unserer Größe auch leisten"), gab es in Willich einen zentralen Empfang für alle. "Das war wie ein Aufeinanderprallen von Kulturen", sagt der WBM-Geschäftsführer.

Diese Probleme seien erkannt, Lösungen gefunden oder in Sicht. "Wir sind halt sehr ins kalte Wasser gesprungen", meint Weigand. "Wir haben einfach angefangen und dann alle Fragen geregelt, die anfielen." Mittlerweile sei das Handwerkszeug, die EDV, für alle Beschäftigten gleich.

Auf insgesamt dreiKilometern (Kosten: 700000Euro) werden neue Erdgasrohre in die L137 in Büderich gelegt, immer einen Schritt vor der Straßensanierung. 600Meter (Blumenstraße bis Büdericher Allee) sollen 2009 erneuert werden. Kosten: 125000Euro.

Görgesheide, Kanzlei und Hohegrabenweg (eventuell auch Böhler und Ostara) sollen ans Gas- und Wasserrohrnetz angeschlossen werden. Nahwärmeversorgung (Blockheizkraftwerke) und/oder eine Kombination mit Wärmepumpen sollen angeboten werden. Innerhalb von sieben Jahren werden 45Kilometer altersschwache Zementfaser-Wasserrohre ausgetauscht; 6Kilometer (Ilverich, Langst-Kierst, Bösinghoven) sind 2009 geplant. Investitionskosten pro Jahr: 1,8Mio Euro.

Das Angebot WBM-Mehrwärme geht weiter: Kunden können einen alten gegen einen neuen Brennwertkessel auf Grundlage eines Leasing-Modells ersetzen. Die WBM wickelt alles ab. In Büderich soll eine weitere Erdgastankstelle eingerichtet werden. Das WBM-Fördermodell (650Kilogramm Erdgas pro Fahrzeug) geht weiter, 52Kunden nutzten das Angebot seit 2006.

Ab 1.April bieten die WBM im Paket Klima Plus CO2-neutralisiertes Erdgas an; d.h. die Menge CO2, die bei der Gasverbrennung beim Kunden entsteht, wird an anderer Stelle (global) vermieden bzw. reduziert.

Die Arbeitsprozesse anzupassen und für Angestellte und Kunden reibungslos zu gestalten, formuliert Weigand als Ziel für dieses Jahr. Das ist nicht nur in betriebsklimatischer Hinsicht wichtig: "Einsparungen kann man nur erzielen, wenn der Betrieb ordentlich läuft." Und die sind ja das Ziel der Kooperation der beiden Energieversorger. Rund 1,5Millionen Euro pro Jahr will man in etwa zehn Jahren durch Synergieeffekte - und ohne betriebsbedingte Kündigungen - sparen.

WBM wollen bald auch Stromversorger werden

Doch davon unabhängig wollen Stadtwerke wie auch WBM als eigene Marken erkennbar bleiben. Und als solche haben die WBM in Manfred Weigands letztem Amtsjahr noch zukunftsweisende Entscheidungen zu fällen.

Eine davon: "Die WBM wollen auf lange Sicht neben Erdgas- und Wasser- auch Stromversorger werden", betont Weigand. Da Ende des Jahres der Vertrag mit den RWE ausläuft - die WBM haben das Stromnetz gekauft und für 14 Jahre ans RWE verpachtet - denke man intensiv über die Neustrukturierung nach.

Man habe die Option, den Vertrag um vier Jahre zu verlängern, könne alternativ aber auch sofort das Netz übernehmen und Stromhandel betreiben. "Die Tendenz ist, möglichst bald in den Stromhandel einzusteigen", sagt Weigand.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer