Schulgebäude-Nutzer ändern ihr Verhalten, sparen Energie und werden dafür finanziell belohnt. Doch der Referenzwert stimmt diesmal nicht.

Ein Mitarbeiter eines Energiedienstleisters liest die Verbrauchswerte einer Heizung ab.
Ein Mitarbeiter eines Energiedienstleisters liest die Verbrauchswerte einer Heizung ab.

Ein Mitarbeiter eines Energiedienstleisters liest die Verbrauchswerte einer Heizung ab.

dpa

Ein Mitarbeiter eines Energiedienstleisters liest die Verbrauchswerte einer Heizung ab.

Meerbusch. Mit dem Programm zur rationellen Energieverwendung an Meerbuscher Schulen, kurz Rems genannt, hat Meerbusch Anfang der 90er Jahre Neuland betreten. Beim zweiten Anlauf des Wettbewerbs, Rems 2.0 im Jahr 2008, lief der Fachbereich Umwelt bei den Nutzern der öffentlichen Gebäude schon offene Türen ein.

"Der Zugang zu den Schulen war viel einfacher", sagt Fachbereichsleiter Heiko Bechert. Das Thema Energiesparen sei mittlerweile im Alltag verankert. Schwierigkeiten bereiteten diesmal ganz andere Faktoren: Die Basis der Energieverbrauchsdaten musste neu festgelegt werden. Nicht nur das letzte, sondern ein Schnitt aus den vergangenen Jahren sollte den Vergleichswert bilden.

"Energie ist Geld, nicht nur C02"

Den Zahlen nach war das Sparkonzept im vergangenen Jahr erfolgreich: Fast elf Prozent Heizkosten, 0,8 Prozent Strom und 1,3 Prozent Wasser wurden gegenüber dem Vorjahr eingespart - deutlich mehr jedoch, schaut man auf die ermittelten Referenzwerte: 17 Prozent Heizkosten, sieben Prozent Strom und sechs Prozent Wasser.

Referenzwert fürs Energiesparen ist falsch berechnet

Da liegt das Problem. Die Referenzwerte scheinen nicht zutreffend zu sein: Aus den aktuellen Zahlen, so die Verwaltung, würden sich Prämien in Höhe von 64 000 Euro ergeben, doch die tatsächlichen Einsparungen der Stadt bewegten sich nur bei 67 400 Euro.

"Das geänderte Nutzerverhalten soll belohnt werden, aber nicht die Einsparungen, die sich durch bauliche und technische Veränderungen ergeben", so Bechert. Diese Faktoren in der Ermittlung eines Referenzwertes richtig zu gewichten, sei im ersten Anlauf offensichtlich nicht gelungen. Die aktuelle Lösung: Im Verhältnis ihres Spareffekts untereinander wird die im Haushalt bereit gestellte Prämiensumme von 40 000 Euro auf die Schulen verteilt.

also die zweite Ausgabe des Projekts Rationelle Energieverwendung in Meerbuscher Schulen, beschreibt eine Initiative, Energieverschwendern in den (Schul-)Gebäuden auf die Spur zu kommen. Der Anreiz: Über die Hälfte des Betrags, der in der Jahresabrechnung gegenüber dem Vergleichswert eingespart wird, darf die Schule/der Förderverein verfügen.

Nach den Sommerferien will die Stadt nun einen neuen Anlauf machen, den Energieverbrauch nach dem Einbau neuer Fenster und neuer Heizungsanlagen ebenso wie die Nutzung als Ganztagsschule, von Küchen oder Cafeteria in Abstimmung mit den Schulen messen und neu gewichten. Was Technik, was geändertes Verhalten bewirkt - das werden auch die Controlling-Berichte zeigen, in denen die Schulen die Verhaltensänderungen dokumentieren.

"So viel wie jetzt wurde noch nie gebaut, und so massive Nutzungsänderungen hat es in den Schulen nicht gegeben."

Die positive Nachricht: Obwohl das Projekt schon so lange läuft, finden Schüler und Lehrer immer neue Energiefresser. So wird neuerdings nur die Lichtleiste an der Wand angeknipst, weil das natürliche Licht auf der Fensterseite ausreicht. Auch das Wanderprinzip im Meerbusch-Gymnasium hat offenbar positive Auswirkungen: Weil die Lehrer ihre eigenen Klassenzimmern haben, achten sie auf Licht, Heizung und Lüftung.

Bechert und seine Kollegin Dana Frey hoffen weiterhin auf die aktive Mitarbeit der Schulen, auch wenn die Prämienkürzung für einigen Ärger gesorgt hat. "Wir wollen uns wirklich darum bemühen, das System richtig einzustellen. Bis zu einer Gerechtigkeit ist es noch ein weiter Weg."

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