Zwiespältiges Gastspiel von Lutz Görner im Forum.

Lutz Görner untermalt seine Interpretation von Werken großer Autoren gerne auch mit großen Gesten.
Lutz Görner untermalt seine Interpretation von Werken großer Autoren gerne auch mit großen Gesten.

Lutz Görner untermalt seine Interpretation von Werken großer Autoren gerne auch mit großen Gesten.

Ingel

Lutz Görner untermalt seine Interpretation von Werken großer Autoren gerne auch mit großen Gesten.

Lank. Zwischen ihnen liegen rund 100 Jahre und ein großes Meer. Dennoch hat Lutz Görner, Deutschlands vielleicht bekanntester Rezitator, zwischen Wilhelm Busch und Charles Bukowski Parallelen erkannt. Nicht in der Literatur, da trennen die beiden, trotz der gerne verwendeten spitzfindigen Ironie, Welten.

Görner hat die Biografien der Autoren verglichen, und siehe da: Beide hatten eine miserable Kindheit, Minderwertigkeitskomplexe, wurden erst spät berühmt. Sie tranken und rauchten zu viel, suchten Zeit ihres Lebens nach dem großen Glück, starben dank gigantischer Auflagen aber zumindest jenseits der 70 als Millionäre.

Busch trifft Bukowski, zumindest auf Görners Bühne. Der Sprachvirtuose teilt sein Programm, behandelt Busch vor und Bukowski nach der Pause. Er beschränkt sich dabei jeweils auf Gedichte und kleine Randerzählungen aus dem Leben der beiden "zähen Knochen".

So verschieden der deutsche Meisterdichter und der deutschstämmige Kritiker des "American way of live" sind, so unterschiedlich fällt auch der Auftritt Görners im Forum Wasserturm aus.

Wenn Görner auswendig aus Busch-Werken rezitiert oder den Meister selbst persifliert, dann ist das ganz große Kunst, wird der vermeintlich nur Vortragende zum Schauspieler, der in die vorgegebenen Rollen schlüpft und die Verse vorlebt. Mit einer ausladenden Gestik untermalt er jede Emotion, strahlt mimisch Lebendigkeit aus, setzt Pausen an genau den richtigen Stellen und verhilft jeder Pointe mit einer kleinen Veränderung der Stimmlage geschickt zu der ihr gebührenden Aufmerksamkeit.

Eine derart grandiose Interpretation gelingt im zweiten Teil nicht. Für Charles Bukowskis autobiografische Gedichte, ohnehin gänzlich ohne Reim und Rhythmus, benötigt Görner sein Manuskript. Dabei versucht er wie zuvor in die Haut des Autors zu schlüpfen, was unglaubwürdig wirkt.

Das Amerikanische, das aus jeder Zeile hervorsticht, nimmt man ihm nicht ab. Görner ist einfach zu sehr der deutschsprachigen Literatur verhaftet. Die kann er wie kein Zweiter vermitteln. Und dabei sollte er auch bleiben.

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