Löschzug Strümp und DLRG retten eine Person aus dem eisigen Latumer See.

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Am Ende werden Gerettete und Helfer am Seil vom Eis gezogen.

Am Ende werden Gerettete und Helfer am Seil vom Eis gezogen.

Am Ende werden Gerettete und Helfer am Seil vom Eis gezogen.

Lank-Latum. Es ist das Horrorszenario schlechthin: Ein Spaziergänger betritt eine zugefrorene Eisfläche der Meerbuscher Binnengewässer und bricht ein. "So einen Einsatz hat keiner von uns bisher erlebt.

Und die letzte Übung war in den 1970er Jahren", berichtet Feuerwehr-Sprecher Frank Mohr. So war es ideal, dass aufgrund des andauernden Kältetiefs am Samstagmorgen genau diese praktische Übung auf dem Programm der Feuerwehr stand.

Am süd-östlichen Ende des Latumer Sees schneiden die Einsatzkräfte des Löschzugs Strümp die acht Zentimeter dicke Eisfläche rund 20Meter vom Ufer entfernt mit Kettensägen auf.

Bei Außentemperaturen von frostigen minus acht Grad und einer Wassertemperatur von gerade einmal vier Grad plus, wagt sich Monika Perner von der DLRG des Bezirkskreises Neuss mit Schutzkleidung in das eisige Wasser und schreit demonstrativ um Hilfe.

Bis zu 15 Minuten kann ein Mensch im Eiswasser überleben

"Jetzt muss es schnell gehen", weiß Oberfeuerwehrmann Peter Schramm. "In der Regel kann ein Mensch bis zu 15 Minuten im Wasser überleben und wir haben eine Ausrückzeit von acht Minuten." Wer als Laie vorher helfen wolle, sollte versuchen, den Eingebrochenen mit einem Ast oder Abschleppseil zu erreichen, aber niemals selbst die Eisfläche betreten, empfiehlt Schramm.

Bei der Übung am Samstag schallt die Stimme von Einsatzleiter Tim Söhnchen schon nach wenigen Sekunden über den See. Per Megaphone erkundigt sich der Hauptbrandmeister nach dem Zustand des Unfallopfers und ob es alleine sei.

"Wenn mehrere Personen eingebrochen sind und diese sich sogar schon unter der Wasseroberfläche befinden, fordern wir sofort einen Hubschrauber aus Duisburg an", schildert Unterbrandmeisterin Julia Juchems ein Schreckensszenario.

Wenig später robben Feuerwehrleute mit an Seilen befestigten Steckleitern über die mit Schnee bedeckte Eisfläche zu dem zweimal zwei Meter großen Loch.

"Mit den Steckleitern wird das Gewicht der Helfer auf eine möglichst große Fläche verteilt", erklärt Schramm das Geschehen. "Zudem können die Leitern über das Loch gelegt werden und der Eingebrochene sowie die Feuerwehrleute daran zurück an Land gezogen werden."

Dort keucht der an der ersten Übung beteiligte Feuerwehrmann Daniel Vogel erschöpft: "Alles hat wunderbar geklappt, nur der Schnee auf der Eisfläche hat uns zu schaffen gemacht." Die gerettete Monika Perner kann trotz Eiswasser noch lachen: "Nur meine Hände und Füße sind kalt, ansonsten friere ich nicht. Mit dem Schutzanzug kann ich 20 Minuten im Wasser bleiben."

Bei weiteren Rettungsvarianten mit Schlauch- und Kunststoffbooten sowie einem Surfbrett lässt sich Perner abwechselnd mit ihrem Kollegen Jürgen Ponto noch das eine oder andere Mal retten. Rund um den Übungsplatz stehen dabei Rettungsassistenten der Johanniter und Taucher der DLRG zur Eigensicherung bereit.

Der Schnee verdeckt mögliche Gefahrenstellen

Wie akut die Übung für die Feuerwehrleute ist, zeigt sich auch daran, dass bereits zahlreiche Fußspuren auf der schneebedeckten Eisfläche des Latumer Sees sind. Unterbrandmeisterin Julia Juchems warnt deshalb noch einmal eindringlich davor, die Eisflächen zu betreten.

"Die Eisdecke ist ungleichmäßig dick. Weil Schnee auf der Oberfläche liegt, kann man einbruchsgefährdete Stellen nicht erkennen und oft wirkt das Eis nur so, als ob es einen tragen könnte."

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