Der französische Reporter Alfons trat im vollbesetzten Forum samt Puschelmikro und Klemmbrett auf.

Kabarettist Alfons hatte im Forum Wasserturm viel zu berichten.
Kabarettist Alfons hatte im Forum Wasserturm viel zu berichten.

Kabarettist Alfons hatte im Forum Wasserturm viel zu berichten.

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Kabarettist Alfons hatte im Forum Wasserturm viel zu berichten.

Lank. Zur Not wird das Publikum auch mal auf eine homogene Masse reduziert. "Was machen Sie so durchschnittlich?" fragt der französische Kabarettist Alfons mit einem Puschelmikro im Arm und schlägt vor: "Bei drei sagen Sie alle gleichzeitig laut Ihren Beruf, alors!"

Es sind kurzweilige Späße wie dieser, mit denen der vermeintliche TV-Reporter eine falsche Fährte legt. Denn sein Programm "Die Rückkehr der Kampfgiraffen", mit dem er im Forum Wasserturm gemeinsam mit Partnerin Madame Natalie an Flügel und Akkordeon zu erleben war, hält Tiefsinniges bereit, bei dem es sich lohnt, genau zuzuhören.

Über Eva Herrmann etwa, die Alfons aufs Korn nimmt: "Hat sie schon durch ihre ersten beiden Bücher genug Geld verdient? Oder wurde sie erst durch ihr drittes reich?" Nur langsam setzt Gelächter ein, worauf sich Alfons an einen Tisch setzt und in eine Kladde notiert: "Für Meerbusch zu raffiniert."

Kampfgiraffen kommen im Forum nicht vor

Einen roten Faden scheint es nicht zu geben. Und auch keine Giraffen, wie der Programmtitel eigentlich verspricht. So bleibt die Frage, ob damit vielleicht das Mikrofon gemeint ist. Alfons plaudert mit seinem unverwechselbaren Akzent einfach drauflos, wie ihm der Schnabel gewachsen scheint, fragt sich, ob Muslime Schweinegrippe bekommen dürfen und hält auch Rückschau auf die Bundestagswahlen: "Sie haben eine Koalition zwischen Angela Merkel und Guido Westerwelle gewählt. Weibliche Eleganz auf der einen Seite, auf der anderen Angela Merkel."

Überhaupt, die Deutschen und die Franzosen: "Sie haben ein Problem! Sie machen zu wenig Kinder. Die Franzosen sind darin Europameister! Ich glaube, die Deutschen würden mehr Kinder machen, wenn sie dazu ein Formular ausfüllen müssten."

In der Pause bekommen die Zuhörer, die auf den Sitzen bleiben, einen besonderen Genuss geboten: Madame Natalie spielt am Flügel schöne Interpretationen von Jazzstandards wie "As time goes by" und "Autumn leaves".

Eigentlicher Star des Abends aber ist Heinz, der stets in den auf Leinwand zu sehenden Befragungen erscheint. Und dessen Auftreten am Ende für melancholische Augenblicke im Forum sorgt. Heinz ist einer der Senioren, die Alfons auf einem Marktplatz in Hamburg, mit Klemmbrett und Mikro in der Hand, in schriller Windjacke, altmodischer Gabardinehose und Turnschuhen gekleidet, befragt.

Und Heinz ist der einzige, der dort tiefe Weisheiten des Lebens vermittelt. Etwa über die Definition des Kreises. "Seine Frau heißt Dicke", staunt der Franzose. "Aber ich glaube, das ist nicht ihr richtiger Name." Das kann Alfons nicht daran hindern, dem über 90-Jährigen einen Besuch seiner Schule in Berlin zu ermöglichen, in die dieser 1922 eingeschult wurde. Diesen Besuch erleben die Gäste im Forum ebenfalls als rührseligen Film mit.

Am Ende stellt Alfons im Form eines fiktiven Briefes klar: Der lebenslustige Rentner Heinz ist inzwischen verstorben. Und so hält der Franzose vor allem diese Lehre für seine deutschen Zuhörer bereit: "Nutzt jeden Augenblick des Lebens und hört den älteren Menschen zu, wenn sie etwas zu erzählen haben." Auch wenn es manchmal nur um die Definition des Kreises geht.

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