Ensemble sucht in Langst-Kierst zwischen Poularde und Fruchteis einen Mörder.

Die Gastgeberin Comtesse D’Argens gibt sich in rauschendem Kostüm auf der Terrasse des Rheinhotels die Ehre.
Die Gastgeberin Comtesse D’Argens gibt sich in rauschendem Kostüm auf der Terrasse des Rheinhotels die Ehre.

Die Gastgeberin Comtesse D’Argens gibt sich in rauschendem Kostüm auf der Terrasse des Rheinhotels die Ehre.

Marc Ingel

Die Gastgeberin Comtesse D’Argens gibt sich in rauschendem Kostüm auf der Terrasse des Rheinhotels die Ehre.

Langst-Kierst. Ein feines Drei-Gänge-Menü unter freiem Himmel genießen und parallel dazu eine knifflige Krimi-Komödie als Zuschauer erleben - das ist das Konzept des Dinner-Krimis. Im Rheinhotel Vier Jahreszeiten feierte das Ensemble Theater on Tour mit dem Stück "Mord in Mon Bijou" eine ansprechende Premiere. Sechs weitere kulinarische Aufführungen folgen in den Sommerferien.

Ein Gelingen dieses in Darmstadt erfolgreich praktizierten Experiments ist von vielen Faktoren abhängig.

Das Wetter: Nur das Open-Air-Flair verleiht der kleinen Inszenierung unter Leitung von Jürgen Bingel den nötigen Charme. In Meerbusch war Petrus trotz drohend grummelnder Gewitterwolken kein Spielverderber.

Das Essen: Nicht sterneverdächtig, aber lecker-solide mundeten die drei Gänge, allein der Blick auf die Speisenfolge ließ dem Krimifreund erwartungsfroh das Blut in den Adern gefrieren: Der erschlagenen Kartoffelsuppe mit abgemurksten Brotwürfeln folgte eine Maispoulardenbrust mit skrupellosen Schupfnudeln, gekrönt von unschuldiger Crème Caramel, kaltgemacht von mörderischem Waldfruchteis.

Das Ensemble: Den vier Akteuren merkte man eine ausgeprägte Spielfreude an, die über Schwächen hinwegtröstete. Denn Inhalt und Fortlauf der Geschichte zu verfolgen, war bisweilen mühselig, die Herzogin von Beauchamp hatte mit ihrem Mikro und Tonproblemen zu kämpfen. Entschädigend wirkten sich auch die rauschenden Kostüme der Damen aus der feinen französischen Gesellschaft aus, wobei der Besucher bewusst im Ungewissen gelassen wurde, wann genau sich die fröhliche Mördersuche auf dem Sommerschlösschen in der Nähe von St.Tropez abgespielt haben soll.

Die Gäste: Die Tischnachbarn sind bei über drei Stunden Spielzeit ein nicht unerheblicher Faktor, will man einen amüsanten Abend verbringen. Darüber hinaus gibt es Gastrollen für aufgeschlossene Zuschauer, deren kleine Textpassagen stets für eine Pointe gut waren.

Das Stück selbst lebt vom Klischee des französischen Savoir-vivre. In jedem Satz spiegelt sich der aufgesetzte Snobismus bei Comtesse, Duc und Maitre wider, die an der vornehmen Cote d’Azur nach Abwechslung lechzen. Der Nervenkitzel wird ihnen durch den Mord geboten, und auch manche Leiche, die ein jeder in seinem Keller zu haben scheint, kommt zum Vorschein.

Am Ende gibt es gar einen Showdown, und auch das Geheimnis, wer der Mörder ist, wird selbstredend gelüftet. Um wen es sich dabei handelt, wird hier natürlich nicht verraten, nur so viel: Es ist weder der Butler noch der Gärtner - obwohl letzterer in Person des Restaurantchefs ebenfalls seinen unfreiwilligen Auftritt hat.

» Weitere Termine: 5.Juli, 12.Juli, 19.Juli, 26.Juli, 9.August, 23.August; immer sonntags 20 Uhr (Einlass: 19.30 Uhr); Preis inklusive Dinner und Aperitif: 69 Euro. Info und Reservierung: 202150 / 914 121

 

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