In der evangelischen Kirche in Osterath zeigt Ingrid Kreytenberg Bilder in bester Bauhaus-Tradition.

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Ingrid Kreytenberg will „über die Sinne die Seele ansprechen“.

Ingrid Kreytenberg will „über die Sinne die Seele ansprechen“.

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Ingrid Kreytenberg will „über die Sinne die Seele ansprechen“.

Osterath. Selten gab es eine Ausstellung in der evangelischen Kirche in Osterath, bei der die besonderen Begebenheiten der Apsis mit ihren großen Fensterfronten an beiden Seiten eine derart große Rolle spielen. Denn das einfallende Licht spielt mit den von Ingrid Kreytenberg geschaffenen Farbräumen ihres großformatigen Hauptwerks und lässt insbesondere das stets zu Beginn aufgetragene Gelb grell erstrahlen.

Doch Licht ist nur ein Aspekt, der in Beziehung zu den gegenstandslosen Arbeiten der Künstlerin gesetzt werden kann. Auch zur Musik lassen sich wunderbar Parallelen ziehen. Denn beide Genres "gestatten einen Ausblick in Tiefen und lassen die dahinter liegende Dimension erahnen", erklärt Kreytenberg.

Dass ihre Bilder dem Betrachter eine derartige Mehrdimensionalität vorgaukeln, liegt nicht zuletzt an der gewählten Technik. Kreytenberg trägt mehrere Schichten Ölfarbe auf, die reine Farbe wird durch die Überlagerung abgetönt. So entsteht zum einen eine deutlich erkennbare Räumlichkeit, zum anderen eine strahlende Transparenz. Das Verfahren ist zeitaufwändig: Jede Schicht muss einige Wochen trocknen, "sonst wird es matschig", lacht die 67-Jährige.

Ihre Geduld wird dennoch nicht überstrapaziert. "Ich fertige immer mehrere Arbeiten parallel an", sagt die Dorstenerin, die an der Hochschule für Bildende Künste in Kassel beim Bauhaus-Vertreter Fritz Winter studiert hat und in bester Kandinsky-Tradition in die Fußstapfen ihrer Vorbilder getreten ist.

"Alle Sinne ansprechen" will Ingrid Kreytenberg mit ihren Bildern. Lässt der Betrachter sich darauf ein, wird ein fast meditativer Prozess in Gang gesetzt. Zwar will die Künstlerin durchaus auch "die Seele erreichen", dennoch wehrt sie sich dagegen, Kirchenkunst zu produzieren. "Obwohl die Ausstellung in Osterath tatsächlich schon meine vierte in einer Kirche ist", räumt Kreytenberg ein.

Besonders ist ihr ein Erlebnis in San Leolino in der Toscana im Gedächtnis haften geblieben, wo sie ebenfalls in einer Kirche ausgestellt hat: "Die haben nichts von meiner Kunst gesehen, meinten aber, sie hätten mich kennen gelernt. Das würde ausreichen."

» Evangelische Kirche Osterath, Alte Poststraße 15; Kunst in der Apsis: Ingrid Kreytenberg; Vernissage: Sonntag, 11 Uhr (zur Eröffnung spricht Renate Meuser); Dauer: bis 15. Februar Öffnungszeiten: werkstags 9-12 Uhr

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