Nazi-Wandgemälde „Bildkarte von Büderich“ soll hinter Putz bleiben.

Überraschende Einstimmigkeit gestern Abend im Meerbuscher Kulturausschuss: Gegen den Vorschlag von Dezernent Just Gerárd hat die Politik entschieden, das Nazi-Wandbild im ehemaligen Hitlerjugendheim in Büderich überputzt zu belassen. Ohne Gegenstimme oder Enthaltung votierte die Politik somit für den Erhalt des Status Quo. Selbst die von der Verwaltung vorgeschlagene Teilfreilegung der Malerei auf einer Fläche von zehn mal zehn Zentimetern fand in der Politik keine Unterstützung. Parteiübergreifend äußerten die Politiker die Sorge, dass ein freigelegtes Kunstwerk aus der NS-Zeit zur Pilgerstätte für Rechtsradikale werden könnte. „Nur einen kleinen Ausschnitt freizulegen, hat keinen pädagogischen Wert“, sagte Jörg Wartchow (CDU). „Dieses Bild ist hinter Putz gut aufgehoben.“

Seit Jahren wird in Meerbusch diskutiert, wie mit dem historischen Erbe aus der NS-Zeit umzugehen ist. Der Maler Fritz Schlüter hat mit Beginn des Zweiten Weltkriegs 1939 im ehemaligen Heim der Hitlerjugend am Dr.-Franz-Schütz-Platz ein Bild geschaffen, das eine trügerische Büdericher Idylle zeigt. Nur kleine Symbole deuten direkt auf die NS-Zeit hin. Vor acht Jahren kam die Debatte neu auf, wie mit dem in den Fünfzigern übermalten Bild umzugehen sei. Angesichts der in drei Wochen startenden Bauarbeiten am Verwaltungsbau, der künftig Sitz des Offenen Ganztags von Mauritiusschule und Brüder-Grimm-Schule werden soll, bestand in der Frage der Offenlegung des Gemäldes neue Dringlichkeit. Die Schulleiterinnen der beiden Grundschulen hatten sich zuletzt in einem Brief noch einmal vehement gegen eine komplette Freilegung ausgesprochen.

„Wenn zu befürchten ist, dass Nazis den Ort als Pilgerstätte aufsuchen, dann ist die Geschichte noch nicht reif dafür.“

Dieter Schmoll, UWG-Politiker

Der Ausschuss debattierte gestern intensiv: Die Meerbuscher Historikerin Rosemarie Vogelsang, frühere Geschichtslehrerin, plädierte noch einmal dafür, das Bild komplett freizulegen. „Ich habe 32 Jahre Geschichte unterrichtet. Hätte ich das Wandbild zur Verfügung gestellt bekommen für den Geschichtsunterricht, ich hätte getrommelt vor Wonne.“ Dass die Politik seit acht Jahren ohne Ergebnis diskutiere und nun alles beim Alten belassen wolle, finde sie „lächerlich“, sagte Rosemarie Vogelsang.

In dieser Deutlichkeit plädierte die Historikerin – im Ausschuss ohne Stimmrecht – alleine für die komplette Freilegung. UWG-Politiker Dieter Schmoll pflichtete ihr zwar im Kern bei, dass er prinzipiell eine Freilegung für denkbar halte – auch weil das Bild für ihn mit dem unter Schutz stehenden Bauwerk als Denkmal verbunden ist. „Wenn aber zu befürchten ist, dass Nazis den Ort als Pilgerstätte aufsuchen, dann ist die Geschichte noch nicht reif dafür.“

Die Politik legte gestern fest, dass in Form einer Hinweistafel auf das unter Putz liegende Wandgemälde verwiesen werden soll. Das Schild soll über den Hintergrund des Wandbildes aufklären, seine intendierte Funktion und den Ort der Malerei erläutern. Die Kosten für das Schild liegen bei etwa 500 Euro. Keine Mehrheit fand sich für den ergänzenden Vorschlag von SPD und FDP, an bestimmten Tagen für Schulklassen dass Bild per Beamer an der Wand sichtbar zu machen. So bleibt das Nazibild auch künftig durch Putz und zusätzlich durch ein großes Schwarz-Weiß-Foto links des Eingangs verdeckt – darauf ist das wieder im Aufbau befindliche Büderich der Nachkriegszeit zu sehen.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer