Die Johanniter-Unfall-Hilfe spricht sich dafür aus, dass alle zwei Jahre das Wissen aufgefrischt werden sollte.

Erste Hilfe
Dieter Guderley von der Johanniter-Unfall-Hilfe demonstriert eine Herzdruckmassage.

Dieter Guderley von der Johanniter-Unfall-Hilfe demonstriert eine Herzdruckmassage.

Ulli Dackweiler

Dieter Guderley von der Johanniter-Unfall-Hilfe demonstriert eine Herzdruckmassage.

Über die Autobahn rast im Schlingerkurs ein Kleinwagen. Irgendwann steuert das Fahrzeug links auf die Böschung zu, überschlägt sich und bleibt auf dem Dach liegen. Insassen in nachfolgenden Autos, die den Unfall gesehen haben, sind entsetzt. Sie halten an und steigen aus. Ein paar haben schon übers Handy einen Rettungswagen geordert. In dem verunglückten Wagen befindet sich ein Mann. Später stellt sich heraus, dass er am Steuer seines Autos einen Herzinfarkt hatte. Doch das weiß von denen, die die Unfallstelle absichern, zunächst niemand. Einer geht auf den Wagen zu und zieht den Schwerverletzten aus dem Fahrzeug. Aber dann macht sich Ratlosigkeit breit: Was ist jetzt bis zum Eintreffen des Notarztes zu tun?

Angst vor Fehlern führt häufig zum Nichtstun

Viele unternehmen in solchen Situationen nichts. Aus Angst, dass sie etwas falsch machen könnten. Dieter Guderley, Sprecher im Regionalverband Niederrhein der Johanniter-Unfall-Hilfe, betont: „Nichts zu tun, ist der größte Fehler, den man machen kann.“

Um in Sachen Erste Hilfe sicherer zu werden, sollte aus Sicht von Guderley jeder sein Wissen in regelmäßigen Abständen auffrischen. „Mit einer Fortbildung alle zwei Jahre bleibt man auf dem aktuellen Stand.“ Verpflichtend sollten solche Kurse nach Meinung von Guderley nicht sein: „Wir setzen hier auf Freiwilligkeit und wollen die Menschen darin bestärken, dass sie sich im Erste-Hilfe-Kursus und regelmäßige Wiederholungen dazu befähigt fühlen, im Notfall zu helfen“, betont der Sprecher.

Ausbildung konzentriert sich auf das Wesentliche

Seit Anfang dieses Monats gibt es Änderungen bei der Erste-Hilfe-Ausbildung. Führerschein-Bewerber müssen nun einen neun statt wie bisher acht Unterrichtsstunden umfassenden Kursus besuchen, für Ersthelfer in Betrieben verkürzt sich die Ausbildung von bisher zwei auf einen Tag. Mit der Reform wurden wichtige Inhalte aufs Wesentliche reduziert. „Zum Beispiel wird es mehr Training der Herzdruckmassage geben statt theoretischer Erläuterung des Blutkreislaufs“, sagt der Bundesarzt des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), Peter Sefrin.

Bei der Änderung sei auch berücksichtigt worden, dass in Deutschland in der Regel spätestens 15 Minuten nach einem Notfall professionelle Hilfe eintrifft. Aus Sicht des DRK kann mit der Orientierung auf Praxisnähe die Hemmschwelle für den Besuch einer Erste-Hilfe-Ausbildung gesenkt werden – so könne erreicht werden, dass jeder Einzelne Erste Hilfe häufiger trainiert. Auch das Erste-Hilfe-Konzept der Johanniter legt einen Schwerpunkt auf die praktischen Übungen.

Geübt wird schon mit den Kleinsten. Dafür gehen die Johanniter in Kindertagesstätten. An der Theodorf-Fliedner-Schule in Meerbusch gibt es einen Sanitätsdienst der Grundschüler – sie werden im dritten Schuljahr als „Ersthelfer von Morgen“ ausgebildet und stehen dann im vierten Schuljahr für die Mitschüler und Lehrer als Ersthelfer bereit.

In den weiterführenden Schulen wird die Erste-Hilfe-Ausbildung durch Lehrgänge vertieft. „Die Schüler sind dann als Schulsanis tätig“, erläutert Guderley. Schulsanitäter gibt es nach seinen Angaben etwa an der Realschule Osterath und am Meerbusch-Gymnasium. Neben den „Standard“-Erste Hilfe Ausbildungen und dem „Ersthelfer von Morgen“-Programm gebe es seit Jahren eine konstante Nachfrage nach Kursen „Erste Hilfe am Kind“. „Sie werden sowohl von Eltern und Großeltern, aber auch von Babysittern und Erziehern nachgefragt“, berichtet Guderley. Und er weiß um die Erfolge: „Viele Teilnehmer berichten nach den Kursen, dass sie mit einer gewissen Skepsis gekommen sind. Danach jedoch waren sie froh, ihr Wissen aufgefrischt und trainiert zu haben.“

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