Arnulf Rating feiert im Forum Wasserturm Premiere seines neuen Programms „Ganz im Glück“.

Arnulf Rating liebt die ganz großen Gesten.
Arnulf Rating liebt die ganz großen Gesten.

Arnulf Rating liebt die ganz großen Gesten.

Ingel

Arnulf Rating liebt die ganz großen Gesten.

Lank. Er ist ein Urgestein des politischen Kabaretts. Das merkt man schon daran, dass Arnulf Rating in seiner Wahlanalyse Herbert Wehner zitiert.

Und auch sonst kokettiert der bald 62-Jährige gerne mit vergangenen Zeiten, setzt sie in Kontrast zu modernen Erscheinungen und weidet sich an der Vorstellung, wie Jugendliche von heute mit Telefonzellen oder Wählscheiben restlos überfordert wären.

Äußerlich ist Rating in seinem neuen Programm „Ganz im Glück“ – die Zuschauer im Forum Wasserturm durften die Premiere erleben – ganz der alte geblieben: Der buschige Haarkranz hat ebenso Wiedererkennungswert wie das wilde Gestikulieren, um den Worten Nachdruck zu verleihen.

Und die sind stets wohl gewählt. Rating erzählt eine in sich abgeschlossene Geschichte, da entspringt jeder Satz und jede Rolle, in die er schlüpft, einem Skript, das zwar wenig Raum für Spontaneität lässt, dafür aber dem Publikum pointierten Wortwitz bietet, der sich zudem oft erst durch die Hintertür erschließt – und dadurch an Wirkung gewinnt.

Rating lebt auf der Bühne vom Zuspruch der Zuschauer. Können sie intellektuell mit ihm mithalten, dankt er es ihnen mit schauspielerischer Ausdruckstärke, die er zweifelsohne auch benötigt, um die vielen Figuren, die er verkörpert, glaubhaft darzustellen.

Schwester Hedwig will Politiker zwangseinweisen lassen

Im Mittelpunkt steht dabei der fiktive Dr. Mabuse, der Deutschland den Spiegel vorhält, und in dessen Krankenakten sich das Elend der Republik widerspiegelt. Doch es sind vor allem die Nebenfiguren, die Spaß machen – allen voran Schwester Hedwig, bekannt aus alten Programmen Ratings.

Mit einer roten Perücke und Schwesternhäubchen ausgestattet – ein bisschen Slapstick ist erlaubt – würde sie nur zu gerne sämtliche Politiker zwangseinweisen lassen. Und folgt man ihrer durchaus schlüssigen Argumentation, erscheint diese Maßnahme fast schon alternativlos.

Natürlich bekommen im Verlauf des Programms alle Politgrößen und auch einige Hinterbänkler ihr Fett weg, Rating weiß ja, was sich für politisches Kabarett gehört. Bei Merkel jedoch scheint auch er mit seinem Latein am Ende zu sein. Auch wenn ihm die Kanzlerin in ihrem Bemühen, das Land zu retten, eher wie eine Palliativmedizinerin vorkommt.

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