Vor 20 Jahren wurde die Plakatwand als Appell gegen Fremdenhass aufgestellt.

aktion
Die Reihenfolge auf dem Plakat (fast) wie im Leben (v.l.): Barbara Lintermann, Günter Krajewski und Jochen Schmitz-Linkweiler, Bruder des verstorbenen Winfried Schmitz-Linkweiler, vor der Plakatwand gegen Ausländerfeindlichkeit in Büderich. Auf Lkw-Plane gedruckt und auf einen Rahmen gezogen, soll die Gestaltung lange in Form bleiben.

Die Reihenfolge auf dem Plakat (fast) wie im Leben (v.l.): Barbara Lintermann, Günter Krajewski und Jochen Schmitz-Linkweiler, Bruder des verstorbenen Winfried Schmitz-Linkweiler, vor der Plakatwand gegen Ausländerfeindlichkeit in Büderich. Auf Lkw-Plane gedruckt und auf einen Rahmen gezogen, soll die Gestaltung lange in Form bleiben.

Marc Ingel

Die Reihenfolge auf dem Plakat (fast) wie im Leben (v.l.): Barbara Lintermann, Günter Krajewski und Jochen Schmitz-Linkweiler, Bruder des verstorbenen Winfried Schmitz-Linkweiler, vor der Plakatwand gegen Ausländerfeindlichkeit in Büderich. Auf Lkw-Plane gedruckt und auf einen Rahmen gezogen, soll die Gestaltung lange in Form bleiben.

Büderich. Im Mai 1993 starben nach einem Brandanschlag rechtsradikaler Jugendlicher in einem Haus in Solingen fünf Mitglieder einer türkischen Familie. Dieses Verbrechen nahmen Künstler in Meerbusch auf Initiative von Helmut Martin-Myren zum Anlass, die Plakatwand gegen Ausländerfeindlichkeit auf dem Dr.-Franz-Schütz-Platz in Büderich ins Leben zu rufen. 48 Interpretation hat es in den vergangenen 20 Jahren gegeben. Die Künstler, darunter auch Kinder, haben ihre jeweils sehr persönliche kreative Note hinterlassen.

„Wir jung die alle sind.“

Jochen Schmitz-Linkweiler beim Anblick der aktuellen Plakatwand, die 1994 gestaltet wurde.

Mit einem Schwarz-Weiß-Bild der Wand aus dem Jahr 1994 als Mittelpunkt erinnert die Initiative Künstler gegen Ausländerfeindlichkeit nun an die vielen Herangehensweisen, die durch das Anliegen, wachsam gegenüber rassistischen Tendenzen zu bleiben, einen gemeinsamen Nenner haben. Das Foto zeigt acht Künstler, darunter Winfried Schmitz-Linkweiler, der 2001 die Verantwortung für die Gestaltung von dem verstorbenen Helmut Martin-Myren übernahm. Die Namen aller Beteiligten sind an den Rändern aufgelistet.

Kulturdezernentin Angelika Mielke-Westerlage betont, dass das Mahnmal gegen Fremdenfeindlichkeit bis heute bedrückend aktuell sei: „Weil sich Hass und Gewalt gegenüber Minderheiten auch in unserer Gesellschaft gegen Mitbürger richtet, und weil rechtsradikale Ideologien ein Hintergrund dieses Schlüsselproblems sind.“ Die Stadt habe das Vorhaben von Beginn an unterstützt. Der nachhaltige Kampf für Toleranz und ein friedliches Miteinander verliere nie an Bedeutung, betont Mielke-Westerlage, „denn Ausländerfeindlichkeit ist nur die andere Seite von Inländerfeindlichkeit“.

Fremdenfeindlichkeit ist immer noch aktuell

Wie zeitgemäß die Gestaltung von 1994 ist, die als Kopie das aktuelle Plakat prägt, zeigt Jochen Schmitz-Linkweiler, der nach dem Tod seines Bruders Winfried die Verantwortung für die Koordination der Gestaltung übernahm. Damals protestierten die Künstler gegen den Rhein-Kreis, der ehrenamtliche Berater des Flüchtlingsrats auf der Grundlage eines Gesetzes aus der Nazizeit vor Gericht brachte. „Heute“, sagt Jochen Schmitz-Linkweiler, „werden Menschen, die Flüchtlinge vor Lampedusa aus dem Meer retten, als Schleuser beschuldigt.“

Zeit vergeht, die Themen bleiben: Im Sommer will Victor Nono die Wand neu gestalten, weitere Künstler haben bereits Interesse signalisiert. „Ich hoffe, dass die Wand weiterhin ihre Funktion erfüllen wird“, sagt Schmitz-Linkweiler.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer