In Meerbusch wurden im vergangenen Jahr etwas mehr Fälle bekannt als im Vorjahr. Doch das bedeutet nicht viel, weil die Dunkelziffer bei häuslicher Gewalt sehr hoch ist.

Fünf Frauen aus den nördlichen Stadtteilen von Meerbusch, zehn aus Osterath und Strümp sowie 19 aus Büderich haben im vergangenen Jahr häusliche Gewalt erlebt. Das heißt: Sie wurden geschlagen, beleidigt, bedroht oder sogar vergewaltigt. In 34 Fällen ermittelte die Polizei, 19 Frauen meldeten sich selbst. „Hinzu kommt natürlich noch eine Dunkelziffer“, so Ursula Habrich von der Frauenberatungsstelle in Neuss. Sie und ihre Kolleginnen aus dem Neusser Frauenhaus, das vom Sozialdienst katholischer Frauen (SKF) betrieben wird, präsentierten ihre Arbeit und nannten die Zahlen am Mittwochabend vor dem Sozialausschuss.

Die Polizei kann bestimmen, dass der Gewalttäter ausziehen muss

Erfährt eine Frau Gewalt in der eigenen Wohnung oder im eigenen Haus, wird oft, aber nicht immer die Polizei gerufen. „Manchmal von Nachbarn, manchmal vom Opfer selbst“, so Polizeisprecherin Diane Drawe. Im Jahr 2016 nahmen die Beamten 69 Strafanzeigen bei Häuslicher Gewalt auf, im vergangenen Jahr 76. Wenn die Opfer einverstanden sind, schickt die Polizei ein Fax mit frei gegebenen Daten an die Beratungsstelle, so dass die Frauen sich vertrauensvoll dorthin wenden können. Sehen die Polizisten vor Ort, dass das Opfer weiter in Gefahr wäre, wenn der Täter in der Wohnung bliebe, sprechen sie eine sogenannte Wegweisung aus. Das heißt: Der Aggressor muss für zehn Tage ausziehen. „Dieses Rückkehrverbot wird von der Polizei auch kontrolliert“, so Drawe. Außerdem erkundigen sich die Beamten innerhalb dieser zehn Tage, wie es dem Gewaltopfer geht. „Ganz wichtig ist uns auch, dass, wenn Kinder betroffen sind, denen auch geholfen wird.“

Entscheidet sich eine Frau dafür, ins Neusser Frauenhaus mit seinen acht Plätzen für Frauen und zwölf für Kinder zu ziehen, kann sie dort erst einmal geschützt wohnen. „Einige bleiben einen Tag, andere bis zu acht Monate“, so Ruth Braun und Elke Kroner vom Sozialdienst. Die Adresse des Frauenhauses bleibt anonym.

Andere Frauen bleiben zuhause wohnen, suchen sich aber Rat in der Frauenberatungsstelle. Insgesamt meldeten sich im vergangenen Jahr dort 955 Frauen aus der Region, knapp zehn Prozent davon kamen aus Meerbusch. Gewalterfahrungen sind in den Gesprächen dabei das eine Thema, andere brauchen Rat bei Trauer, Essstörungen, bei gesundheitlichen oder beruflichen Problemen.

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