Wirte in Meerbusch proben den Aufstand gegen Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent.

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Werbung an der Basis: Einige Meerbuscher Gastwirte beteiligen sich an einem 7-Prozent-Donnerstag.

Werbung an der Basis: Einige Meerbuscher Gastwirte beteiligen sich an einem 7-Prozent-Donnerstag.

Marc Ingel

Werbung an der Basis: Einige Meerbuscher Gastwirte beteiligen sich an einem 7-Prozent-Donnerstag.

Meerbusch. Sinkende Umsätze aufgrund der Finanzkrise und der Einführung des Rauchverbots bei einer gleichzeitigen Explosion der Energiekosten und steigender Auflagen durch Gesundheitsbehörden: Auch die Gastronomie hat schon bessere Tage erlebt. Kann man gegen die genannten Faktoren selbst nur wenig ausrichten, ist den Wirten jedoch ein Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent auf Essen und Getränke zunehmend ein Dorn im Auge.

"Es geht um Chancengleichheit", sagt Claus Grotenburg, der nicht nachvollziehen kann, dass der Mehrwertsteuersatz etwa in Bäckereien oder Drive-Ins bekannter Fast-Food-Ketten lediglich bei sieben Prozent liegt. Und: "In benachbarten EU-Ländern wie Frankreich gelten sogar nur 5,5 Prozent."

Der Inhaber des Börker Brauhauses in Büderich verzeichnet nach eigenen Angaben seit Beginn des Jahres einen Umsatzrückgang von rund 15 Prozent. Das veränderte Ausgeh- und Ausgabeverhalten der Menschen in Krisenzeiten will er dabei gar nicht kritisieren, die "politisch gesteuerte Weigerung einer möglichen Mehrwertsteuersenkung" hält er hingegen für Wettbewerbsverzerrung.

Da man aber bekanntlich durch Jammern keine Verbesserungen erzielen kann, haben sich die über 80 Meerbuscher Gastronomen jetzt verbündet, um auf die Missstände aus ihrer Sicht aufmerksam zu machen - und mit einer Aktion vorzupreschen, die allein den Gästen zugute kommen soll.

Ab dieser Woche gibt es im Börker Brauhaus, in der Alten Post und im Meerbuscher Hof zumindest bis zu den anstehenden Kommunalwahlen den "7%-Donnerstag". "Dabei soll die abgezogene Mehrwertsteuer von zwölf Prozent direkt an den Gast weitergegeben werden", verspricht Grotenburg, der sich vorstellen kann, für das Bier zehn Cent weniger zu nehmen oder ein Schnitzel einen Euro billiger anzubieten.

Ob weitere Unternehmen aus dem Gastgewerbe nachziehen und das dann auch in dieser Konsequenz durchziehen werden, ist noch offen. "Es gibt genug Läden, die am Existenzminimum wirtschaften. Für sie geht es längst nur noch um das nackte Überleben. Die können sich so etwas natürlich nicht leisten", weiß Peter Verhülsdonk vom Gut Dyckhof, der innerhalb der neuen Gastro-Gemeinschaft für Flexibilität plädiert.

Dass ein normaler Betrieb sieben Tage die Woche kaum noch möglich ist, davon kann Karl Wellen vom Haus Wellen in Langst-Kierst ein Lied singen. "Ich hatte mal fünf feste Mitarbeiter und acht Aushilfen. Heute habe ich noch jeweils drei." Und inzwischen überlegt Wellen, nur noch am Wochenende und für größere Gesellschaften zu öffnen. "Dann kann ich natürlich auch die drei Festangestellten nicht weiter beschäftigen."

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