Es waren zum Teil sehr emotionale Momente, als sich knapp 100 Flüchtlinge gestern von ihren Betreuern in Strümp verabschiedeten.

Drei Bustouren waren nötig, um die knapp 100 Flüchtlinge von Strümp nach Neuss zu bringen. Dort warten sie auf ihre reguläre Zuweisung.
Drei Bustouren waren nötig, um die knapp 100 Flüchtlinge von Strümp nach Neuss zu bringen. Dort warten sie auf ihre reguläre Zuweisung.

Drei Bustouren waren nötig, um die knapp 100 Flüchtlinge von Strümp nach Neuss zu bringen. Dort warten sie auf ihre reguläre Zuweisung.

Das Abschiedsessen fand am Mittwochabend im Pappkarton beim afrikanischen Kochabend statt.

Dackweiler, Bild 1 von 2

Drei Bustouren waren nötig, um die knapp 100 Flüchtlinge von Strümp nach Neuss zu bringen. Dort warten sie auf ihre reguläre Zuweisung.

Mit dem Auszug der Flüchtlinge gestern geht für Meerbusch ein Stück Flüchtlingsgeschichte zu Ende: Im August des vergangenen Jahres waren die ersten in der Mataré-Turnhalle in Büderich untergekommen, später in der Halle des Meerbusch-Gymnasiums. Das Land NRW und die Bezirksregierung hatten die Stadt Meerbusch gebeten, diese beiden Erstaufnahmen als Notunterkünfte vorzuhalten. Im Gegenzug wurden keine Flüchtlinge für feste Quartiere zugewiesen.

In diesem einen Jahr wurden in Meerbusch rund 1000 Flüchtlinge aus Syrien, Iran, Irak, Afghanistan und afrikanischen Ländern aufgenommen und oft über Monate betreut. Jetzt werden diese Notunterkünfte geschlossen – auch vor dem Hintergrund, dass zurzeit weniger Flüchtlinge nach Deutschland kommen und weil das Land selbst genug Plätze für die Ankommenden hat.

Bei dem einen oder anderen flossen auch Tränen

In Osterath steht die Barbara-Gerretz-Schule zur Verfügung, am Eisenbrand entstehen weitere Unterkunftsmöglichkeiten. Insgesamt muss Meerbusch bis zum 30. September rund 220 Personen aufnehmen. Aktuell hat die Stadt 225 Plätze frei.

In der Halle in Strümp hätten 400 Personen Platz finden können, die waren aber nicht dort. Für einen kurzen Zeitpunkt waren mal zeitgleich 350 Flüchtlinge in der Halle, zu anderen Zeiten sogar nur 18: Das war im Januar, als Windpocken ausgebrochen waren und ein Aufnahmestopp für die Turnhalle verhängt wurde.

Gestern wurde erst einmal gepackt, geräumt und Abschied genommen: Immer wieder flossen Tränen – entweder bei den Betreuern von Johanniter und OBV oder bei den Flüchtlingen. Alle nahmen sich immer wieder in den Arm. Die meisten von ihnen waren mehr als vier Monate zusammen. Die Flüchtlinge aus Nigeria, Guinea, Iran und Irak haben sich in der Turnhalle des städtischen Meerbusch-Gymnasiums von ihrem Trauma erholen können, haben dort Sprachunterricht bekommen und mit dem Fahrrad die Gegend erkundet.

Der Sanierungsbedarf wird nun festgestellt

„Wir waren jeden Tag ab 10.30 Uhr hier, um die Flüchtlinge zu betreuen“, erzählen die Betreuerinnen des OBV. „Wir haben mit den Kindern gesungen oder Musik gemacht, waren Ansprechpartner für die Eltern, haben Karten oder Mensch-ärgere-Dich-nicht mit allen gespielt.“ Vor allem die Kinder hätten schnell Deutsch gelernt. „Und wir Arabisch“, lachen die Betreuerinnen. Beispiel: „Das Wort „Raschasch“ steht im Arabischen für jemanden, der beim Spielen schummelt. „Und ich habe hier meine ersten Worte Deutsch gelernt“, erzählt Shab, der wie alle anderen auch seine Koffer packen und in den Bus einsteigen muss – auch er muss schlucken, als er sich von den Meerbuscher Helfern verabschiedet.

„Viele von ihnen kommen bestimmt wieder“, glaubt Bettina Furchheim, die den nebenan gelegenen „Pappkarton“ mitsamt Kleiderkammer und Café betreut. Viele Flüchtlinge, die in Strümp angekommen und bereits auf andere Kommunen verteilt worden seien, kamen immer mal wieder zu Besuch. So fand am Mittwochabend auch ein großes Abschiedsessen im Pappkarton statt. „Dort haben wir jeden Mittwoch afrikanisch gekocht – und alle haben zusammen an einem Tisch gesessen, auch die Iraner und Iraker“, erzählt Furchheim.

Jetzt wird die Turnhalle in Strümp geräumt, ziehen Johanniter aus ebenso wie die Mitarbeiter der Bezirksregierung, werden die Doppelstockbetten und Raumteiler wieder eingelagert. Ziel der Meerbuscher Stadtverwaltung: die Halle wieder so schnell wie möglich für den Schul- und Vereinssport zur Verfügung zu stellen. Ein Ingenieurbüro soll den Sanierungsbedarf feststellen, danach wird renoviert. Ebenso wie in der Turnhalle des Mataré-Gymnasiums in Büderich: Rund eine Million Euro kostet die Sanierung der Turnhalle dort, etwa die Hälfte davon übernimmt das Land Nordrhein-Westfalen.

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