Inge Grosse hat über 1000 Exponate aus früheren Schulzeiten zusammengetragen. Eine Auswahl ist ab heute im Alten Küsterhaus zu sehen.

Ausstellung
Was früher „Richtiges Deutsch“ bedeutete, darüber gab es – ganz im Gegensatz zu heute – keine zwei Meinungen.

Was früher „Richtiges Deutsch“ bedeutete, darüber gab es – ganz im Gegensatz zu heute – keine zwei Meinungen.

Auch zu Großmutters Zeiten war mal ein Spaß erlaubt.

Inge Grosse freut sich über viele Einträge in ihr Gästebuch.

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Was früher „Richtiges Deutsch“ bedeutete, darüber gab es – ganz im Gegensatz zu heute – keine zwei Meinungen.

Büderich. Griffelkasten, Tintenläppchen, Tafelkreide, Fibel oder Fleißkärtchen – was waren das doch damals noch für schöne Worte, die zum Alltag eines jeden Schülers gehörten. Pennäler in der heutigen Zeit können mit derartigen Ausdrücken wahrscheinlich nichts anfangen. Und auch Fächer wie Hauswirtschaft, Werken oder Heimatkunde dürften den Teenagern des neuen Jahrtausends weitgehend fremd sein.

Das findet Inge Grosse schade. Die ehemalige Lehrerin hat eine Sammelleidenschaft für Dinge entwickelt, die mit Schule aus früheren Zeiten zu tun haben. Über 1.000 Exponate hat sie zusammengetragen. Eine Auswahl davon zeigt sie ab heute in einer Ausstellung im Alten Küsterhaus in Büderich.

„Die Kinder würden so etwas ja dann doch nur entsorgen“

Inge Grosse, Sammlerin

Längst passen die Stücke nicht mehr in ihren Museumkoffer, mit dem sie ab 2005 zur Aufklärung oder Belustigung durch Schulen und Seniorenheime tingelte. „Viele ältere Menschen haben mir ihre lange aufbewahrten Erinnerungsstücke überlassen. Die Kinder würden so etwas ja doch nur entsorgen“, sagt Grosse, die unter anderem bis zur ihrer Pensionierung an der Pastor-Jacobs-Grundschule in Lank gearbeitet hat.

Auf einige Utensilien ist Grosse besonders stolz: eine Feinwaage für den Chemie-Unterricht aus dem Jahr 1926 etwa oder eine Schmetterlings-Sammlung, die Kindern 1925 in Naturkunde vorgeführt wurde. Das älteste Ausstellungsstück ist ein speziell für die Jugendarbeit angefertigtes Buch mit Schriften aus Altem und Neuem Testament aus dem Jahr 1714.

Inge Grosse zeigt aber auch Exponate neueren Datums in der Ausstellung. Zum Beispiel die „Zehn goldenen Grundrechte“, die aufmüpfige Schüler in den antiautoritär geprägten 70ern aufstellten und die Knutschen, Rauchen und Mogeln ausdrücklich erlaubten. Auch ein Fußball-Trikot der Schulmannschaft der längst geschlossenen Hauptschule in Lank, an der Grosse noch selbst unterricht hat, ist dabei.

„Schule früher“ gewährt aber vor allem einen Einblick, wie die Atmosphäre zwischen Schülern und Lehrern früher war und welche Schwerpunkte im Unterricht gesetzt wurden. „Schwarz vor Augen“ sei ihr geworden, als Inge Grosse in den überlassenen Büchern „Dein Volk bist du!“ und „Mädel – eure Welt“ aus der NS-Zeit blätterte. Noch gar nicht so lange her ist es dagegen, als die Schüler in Diktat-Heften am Ende ihres Aufsatzes noch die Worte Fehler und Schrift, jeweils mit einem Doppelpunkt, hinzufügen mussten und der Lehrer dort dann mit fettem Rotschrift seine Note eintrug.

Kinder mussten Lobpreisung auf Kaiser auswendig lernen

Ein Bild des letzten deutschen Kaisers Wilhelm II., das bis 1918 in jedem Klassenraum an der Wand zu hängen hatte, war mit einer Lobpreisung versehen, die jedes Kind auswendig lernen musste, weiß Grosse. Viele Jahrzehnte später wurde einer Schülerin an der Polytechnischen Oberschule Georgi Dimitroff in Dresden ein Zeugnis ausgestellt, das hinter Betragen, Fleiß, Ordnung und Heimatkunde mit der Note sehr gut versehen war – damit dürfte die Parteikarriere vorgezeichnet gewesen sein.

Vieles, das sich im Besitz der ausgebildeten Volksschullehrerin Grosse befindet, schlummert mangels ausreichendem Platz immer noch in den Kunststoffboxen, die sie in ihrem Hobbykeller aufbewahrt. Dazu gehören auch ungezählte Stücke ihrer nahezu ebenso umfangreichen Sammlung an alten Handarbeiten. Daher lautet ihr innigster Wunsch: „Ich würde der Stadt gerne meine Sammlungen schenken. Allerdings sollten die Exponate nicht in einem Archiv verschwinden, sondern in einem eigens dafür vorgesehenen Raum der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.“

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