Vermehrt laufen Menschen über den Osterather Friedhof, die an einem digitalen Suchspiel teilnehmen. Trauernde finden das pietätlos.

Peter Langer wird aus seinen Gedanken gerissen, als am Grab seiner Mutter drei Menschen an ihm vorbeigehen. Nicht, dass er sonst allein im alten Teil des Osterather Friedhofs ist. Dennoch passt das Trio schon optisch nicht an diese letzte Ruhestätte. „Sie trugen Sportfunktionskleidung und waren über ihre Smartphones gebeugt“, erinnert sich Langer.

Wenige Tage später sah er erneut Menschen, die in Freizeitkleidung mit ihrem Handy vor der Nase über den Friedhof irrten. „Sie schienen etwas zu suchen“, sagt der Osterather. Es seien „Geocacher“ (moderne Schnitzeljäger) gewesen, die anhand eines Hinweises auf der Suche nach dem nächsten waren.

„Ich finde Geocaching grundsätzlich eine spannende Sache – aber auf dem Friedhof ist so etwas pietätlos“

Peter Langer, Friedhofsbesucher

Der Osterather fühlt sich durch die Touristen in seiner Trauer gestört. Deshalb hat er sich in einem Brief an die Bürgermeisterin gewendet und um Hilfe gebeten. „Geocaching sollte von Seiten der Stadt auf Friedhöfen untersagt werden“, sagt er. Hunde und Fahrradfahren seien schließlich ebenfalls auf Friedhöfen verboten.

Mit seinem Anliegen stößt er bei Bürgermeisterin Angelika Mielke-Westerlage (CDU) auf offene Ohren. „Virtuelle Schnitzeljagden gleich welcher Art haben auf Friedhöfen nichts verloren. Friedhöfe sind Orte der Ruhe, der Trauer, der Besinnung und Erholung“, teilt die Stadt jetzt mit. „Suchspiele wie Geocaching hier zu unterlassen, gebietet schon der menschliche Anstand.“

Die Friedhofssatzung schließt Geocaching nicht explizit aus

Dabei verweist die Bürgermeisterin auf die Friedhofssatzung. Dort heißt es in Paragraf 5: „Jeder hat sich auf den Friedhöfen der Würde des Ortes entsprechend zu verhalten.“ Dazu gehöre unter anderem das Verbot, zu lärmen, Hunde mitzuführen oder auch Musikinstrumente oder „Tonwiedergabegeräte“ zu benutzen. Auch wenn das Thema Geocaching nicht explizit unter den störenden Handlungen aufgezählt wird, so falle dies dennoch eindeutig unter die Kategorie.

Deshalb hat die Stadtverwaltung die Mitarbeiter des Friedhofs in Osterath angewiesen, die Augen offen zu halten. Sollten sie potenzielle „Geocacher“ auf dem Osterather Friedhof entdecken, sollen diese deutlich auf ihr Fehlverhalten hingewiesen werden. Vorbeugend könne die Stadt hingegen jedoch wenig tun. Deshalb appelliert sie an die Bürger, sich angemessen auf den Friedhöfen zu verhalten. Peter Langer hofft, dass er in Zukunft nicht mehr beim Besuch des Grabes seiner Mutter gestört wird. Der Osterather will in Ruhe trauern können.

Leserkommentare (4)


() Registrierte Nutzer