Über die Ideale der Mädchenerziehung referierte Inge Grosse anlässlich einer Ausstellung im Alten Küsterhaus.

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Groß war der Andrang zur Eröffnung der Handarbeits-Ausstellung im Alten Küsterhaus.

Groß war der Andrang zur Eröffnung der Handarbeits-Ausstellung im Alten Küsterhaus.

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Groß war der Andrang zur Eröffnung der Handarbeits-Ausstellung im Alten Küsterhaus.

Büderich. Eine ungewöhnliche Ausstellung im Alten Küsterhaus in Büderich zeigt noch bis zum 19. Januar Handarbeiten im Wandel der Zeit. Es sind akkurate Sammlerstücke, die von filigraner Fingerfertigkeit zeugen. Doch fast noch interessanter sind die Geschichten, die hinter diesen Decken oder Puppenkleidern stecken und die ein Bild von den Idealen der Mädchenerziehung und der Rolle der Frau vergangener Jahrhunderte zeichnen, als der Begriff der Emanzipation noch ein Fremdwort war.

Die ehemalige Hauptschullehrerin Inge Grosse, die sich durch die Nachlassenschaft ihrer Schwiegermutter von Handarbeiten faszinieren ließ, hat sich in die kulturhistorischen Archive gewagt und zur Eröffnung der Ausstellung einen Bogen von der Antike bis in das 20. Jahrhundert gespannt. Ihre Erkenntnis: Trotz der längst veränderten Stellung der Frau in der Gesellschaft sind Tätigkeiten wie Sticken, Stricken oder Häkeln nicht totzukriegen.

Bereits in der Antike galt, so hat Grosse herausgefunden: Spinnen oder Weben seien die einzigen anerkennenswerten Leistungen einer Frau, die ohnehin vom Müßiggang ferngehalten werden müsse - denn die führe nur zur Unzucht.

Im Zeitalter der industriellen Revolution habe die Produktion an Wert verloren, die Frau musste sich nun vorrangig um die Textilpflege und -ausbesserung kümmern. In der Volksschule sei sie fortan auf ihre Aufgabe als Hausfrau vorbereitet worden. Oder um es mit dem deutschen Dichter Jean Paul zu sagen: "Der Wäscheschrank ist das Bücherregal der Frau."

Hartnäckig habe sich der Glaube gehalten, die Frau müsse von der Fleischeslust abgelenkt werden. Eine Frau sollte erst 100 Strümpfe gestrickt haben, bevor sie auch nur einen Gedanken ans Heiraten verschwendet", heißt es in einem Sinnspruch des 19.Jahrhundert.

Erst in den vergangenen 50Jahren seien auch Jungen dann in der Schule dazu verdonnert worden, im Werkunterricht ihr Handarbeits-Geschick unter Beweis zu stellen. Und plötzlich habe es bei Männern sogar als "chic" gegolten, zu häkeln oder zu stricken, "und das nicht nur unter Schwulen", so Grosse.

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