Modellflieger lassen ihre detailgetreu nachgebauten Maschinen trotz des Regens Kapriolen schlagen.

wza_1500x883_526697.jpeg
Kopfüber über den Deich: Ein Flugzeug zu lenken will gelernt sein.

Kopfüber über den Deich: Ein Flugzeug zu lenken will gelernt sein.

Marc Ingel

Kopfüber über den Deich: Ein Flugzeug zu lenken will gelernt sein.

Büderich. Auf der Uferseite des Damms klingt das in der Luft liegende Geräusch wie von einem Mofa. Tatsächlich handelt es sich um viel kleinere Treibstoffverbrenner: Modellflugzeuge brummen am Himmel über dem Apelter Feld.

Zum alljährlichen Freundschaftsfliegen landen auf dem Modellflugplatz der Luftsportfreunden Tura Büderich zahlreiche Gastpiloten aus einem Umkreis von 150 Kilometern, um über ihre Nachbauten zu fachsimpeln und sie in Parcoursflügen zu präsentieren.

Reichlich vertreten sind vorbildgetreu gebaute und turbinengetriebene Modelle aus dem Baukasten und auch Eigenkonstruktionen. Weniger groß ist das Interesse an Zweck- oder Experimentalmodellen, für die kein echtes Vorbild existiert.

Der gemeinsame Flugspaß, das Staunen über detailgetreue Eurofighter sowie Gespräche über Flugfiguren, die die großen Vorbilder gar nicht vollziehen können, prägen die Gespräche in der "Fliegerhütte" beim Kaffee am ersten Flugtag. Stromausfall und Regenwetter verzögern den Sonntagsbetrieb um Stunden. Erst am Nachmittag wagen es die ersten Piloten, ihre hochwertigen und empfindlichen, zwischenzeitlich im Pkw wettersicher verstauten Flieger aufzubauen. Das dauert nur knapp zehn Minuten.

"Der Trend geht zu großen Modellen mit Spannweiten über zwei Meter", erzählt Geschäftsführer Daniel Wendling. Der 31-Jährige ist seit 18Jahren Flieger und mit einem selbst gebauten Doppeldecker und einer Kunstflugmaschine dabei.

Feuchtigkeit ist nicht nur eine Gefahr für sensible Technikteile, sondern auch für die mit Stoff bespannten Tragflächen und den Holzpropeller von Helmut Ernsts Bücker Jungmeister, 1934 als echtes Schulflugzeug im Einsatz, heute im Maßstab 1:3 im Horst des SMC Stürzelberg daheim. "Nachempfunden" sei nur die Pilotenpuppe, kommentiert Ernst die kleine Figur im Cockpit, die ihm verblüffend ähnelt.

Kurz nach dem ersten mutigen Elektrohubschrauber-Flug funktioniert auch das Mikrofon des moderierenden Ehrenmitglieds Manfred Strick, sodass Highlights gastfreundlich kommentiert werden. Beispielsweise der Flug des winzigen "gelben Engels", das fünf Kilogramm schwere Modell eines Rettungshubschraubers von Lutz Beck.

Er komme seit 30 Jahren "zum Spielen auf die Wiese", scherzt Beck und zeigt, wie man 110 Stundenkilometer sowie 150 Kilopond ("wie ein Boxer-Hieb") an den Blattspitzen des Rotors beherrscht. Ungefährlich seien diese Flugobjekte nie, äußerste Vorsicht sei immer geboten.

Geübt werde an preisgünstigen Modellen, immer mit einem lizensierten Flugleiter an der Seite, erzählt Andreas Unterbusch vom MFC Meerbusch. "Technik, Akkus und Fernsteuerung sind aber heute so gut, dass kein Modell einfach herunterfällt - außer es handelt sich um einen Pilotenfehler." Dann gebe es meist keine Rettung für das bis zu 3000 Euro wertvolle Gerät: Es rutscht in den Müllsack wie in eine Leichenhülle.

Auch der Modellflugsport verzeichnet Nachwuchsschwund. "Anfänger kaufen China-Importe im Netz", bedauert Unterbusch. "Und nach dem ersten Absturz des nicht selbst gebauten Modells lässt die Euphorie nach etwa einem Vereinsjahr leider abrupt nach."

Bei Tim Baum ist das anders. Der Zehnjährige pflegt das Hobby seit einem Jahr mit seinem Großvater und ist irre stolz auf seine "Mentor", ein Modell für Fortgeschrittene.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer