Die Gladbacher Eigentümer wollen klare Strukturen und die Adresse zu einem Zentrum des Stadtteils machen.

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Dieter Lenßen, Gabi Pricken und Margret Kontalis-Weiss (v.l.) strukturieren das Haus der Begegnung neu. „Es ist eine Seniorenbegegnungsstätte. Freie Kapazitäten kann man auch für die Jugend nutzen.“

Dieter Lenßen, Gabi Pricken und Margret Kontalis-Weiss (v.l.) strukturieren das Haus der Begegnung neu. „Es ist eine Seniorenbegegnungsstätte. Freie Kapazitäten kann man auch für die Jugend nutzen.“

Ingel

Dieter Lenßen, Gabi Pricken und Margret Kontalis-Weiss (v.l.) strukturieren das Haus der Begegnung neu. „Es ist eine Seniorenbegegnungsstätte. Freie Kapazitäten kann man auch für die Jugend nutzen.“

Büderich. Die Arbeiterwohlfahrt in Mönchengladbach hat kein leichtes Erbe angetreten. Nachdem der Awo-Kreisverband Neuss Insolvenz angemeldet hatte, sprangen die Gladbacher nach intensiven Verhandlungen mit dem Insolvenzverwalter und der Stadt Meerbusch Ende 2008 in die Bresche und kauften das Haus am Kapittelsbusch in Büderich.

Es soll als Begegnungsstätte erhalten und ausgebaut werden, das wollen Stadt, Politik und Hauseigentümer.

"Die Awo Mönchengladbach wird hier wie eine Heuschrecke behandelt. Als Gladbacher sind wir persona non grata."

Dieter Lenßen, Geschäftsführer der Awo Mönchengladbach

Und doch ist der Arbeitsbeginn aus Sicht der Gladbacher äußerst holprig. Die Begegnungsstätte sei in der Vergangenheit finanziell nicht stark gefördert worden, "deshalb hat die Geschichte hier Vereinscharakter bekommen", sagt Dieter Lenßen.

Das Haus sei quasi als Vereinsheim genutzt worden. Das will er ändern: "Natürlich sollen alle Besucher weiterhin kommen", betont Lenßen. "Wir müssen uns auch anderen Angeboten öffnen. Das Haus soll eine Begegnungsstätte des ganzen Stadtteils werden."

Bis dahin, so scheint es, sind noch einige Hindernisse zu überwinden: Der Geschäftsführer will eine stärkere Entflechtung zwischen dem Haus der Begegnung und der SPD/Awo Büderich.

Neben Beratungs-, Informations- und Selbsthilfeangeboten soll es kulturelle und offene Veranstaltungen geben, die Kontakte und Begegnungen fördern.

Geplant ist die Einrichtung einer Sozialstation (Mobiler Sozialer Dienst, MSD) direkt neben der Begegnungsstätte. Außerdem will Gladbach stundenweise eine Fachkraft nach Büderich entsenden, die Integrationsarbeit leistet.

Im AWO-Angebot (bei Bedarf): Migrationsberatung, Beratung im Bereich Pflege, Bildung, Integration, Arbeitsmarkt; Erziehungsberatung, sozialpädagogische Familienhilfe, ambulante flexible Erziehungshilfe.

Das gestalte sich nicht einfach. "Alle hier verteidigen ihre Pfründe", beschreibt Lenßen die Situation. Vieles laufe wie selbstverständlich in alten Bahnen. Klare Strukturen müssten jetzt aufgebaut, Verträge gemacht, Kompetenzen geregelt werden.

Die neue Hausleiterin Gabi Pricken hat ihre Umgebung mittlerweile vom Keller bis zum Dach inspiziert und eine Wunschliste zusammengestellt: Die stählernen Kellertüren zu den Seminarräumen wirken abschreckend, ein Teil des Hofes im Souterrain könnte zum Spielplatz mit Sandkasten werden, ein eigener Computer fehlt.

Investitionsbedarf sieht auch ihr Arbeitgeber, "um den einladenden Charakter des Hauses herzustellen", wie er in einem Brief an Sozialdezernentin Mielke-Westerlage schreibt. In ihm skizziert Lenßen die Awo-Philosophie und listet einen Leistungskatalog auf (siehe Info-Kasten rechts).

Intensiv will die Awo das Projekt Zwar - zwischen Alter und Ruhestand - verfolgen. "Mit Zwar wollen wir Menschen bis ins hohe Alter fit halten", sagt Fachbereichsleiterin Margret Kontalis-Weiss.

Bewährtes bleibe selbstverständlich erhalten, von Skatrunden bis zum Waffelbacken. "Wir haben in Gladbach zwischen 14.000 und 17.000Besucher im Jahr. Das erhoffen wir uns auch in Büderich." Ehrenamtler seien dabei unverzichtbar.

"Ich gehe nicht im Bösen. Ich gehe in Rente."

Ilse Niederdellmann

Gabi Pricken kann sich zurzeit auf Aktive mit Erfahrung stützen. Ilse Niederdellmann, Büdericher Awo-Vorstandsmitglied, die bis Oktober als Angestellte des Kreisverbands Neuss die Regie im Haus hatte, hat die Helferriege aufgebaut. Seit Oktober arbeitet auch sie ehrenamtlich - und das wird so bleiben.

Einen 400-Euro-Vertrag, den ihr die Awo Mönchengladbach angeboten hatte, lehnte Niederdellmann jetzt ab. Die Insolvenz der Neusser und ihre darauf folgende Entlassung sei bitter gewesen. "Die Entwicklung hat mich hart getroffen", gibt Niederdellmann zu.

Da die Awo Mönchengladbach ursprünglich eine Sozialpädagogin/-arbeiterin einstellen wollte, habe sie sich keine Hoffnung auf Weiterbeschäftigung gemacht, und letztlich im Januar ihren Rentenantrag gestellt. "Ich finde das auch gut, wenn eine Sozialkraft dorthin kommt. Die hat es früher auch schon einmal gegeben."

Sie habe Gabi Pricken im Haus vorgestellt und ihr den Weg geebnet, betont Ilse Niederdellmann. Als Mitglied der 400-köpfigen Awo Büderich werde sie weiter Verbandsarbeit betreiben, Reisen, Tagesfahrten, Geburtstagskaffees und Spaziergänge mit organisieren. "Ich mache gerne weiter, ehrenamtlich und nicht als graue Eminenz." Alles, was für das Haus gut sei, werde sie unterstützen.

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