Meerbuschs Bürgerinitiativen stemmen sich mit einer besonderen Aktion gegen die geplante Südanbindung des Hafens.

Die Sorge vor der Anbindung des Krefelder Hafens an die Autobahn 57 im Meerbuscher Norden wächst. Die Bürger befürchten, dass nach Bau der Straße bis zu 6000 Lkw täglich auf der neuen Straße direkt an Lank vorbeifahren. Die „Bürgerinitiative für Lank-Latum“ will nun wieder aktiv werden.

Die beiden Sprecher, Dietmar Becüwe (60) und Gert Asbach (73), haben sich mit den anderen Initiativen der Stadtteile zusammengesetzt. Sie planen Protestveranstaltungen und Bürgerversammlungen. „Eine Idee ist, den Verlauf der Trasse mit Ballons zu markieren. Erst dann erkennen die Bürger, welch schöner Naturraum hier von einer Straße durchquert werden soll. Eine Straße durch dieses Naturschutzgebiet ist für uns eine Horrorvorstellung. Meerbusch ist kein Industrievorort von Krefeld und wird dies auch niemals sein“, sagt Dietmar Becüwe.

Der Krefelder Hafen hat aktuell ein akutes Erschließungsproblem: Massiv siedeln sich dort derzeit neue Firmen an. Bislang kann dieses Gebiet aber lediglich über eine unzureichend ausgebaute Straße im Norden im Stadtteil Uerdingen angefahren werden. Damit die Lkw schneller auf die A 57 gelangen, gibt es in Krefeld schon lange das Bestreben, eine Südanbindung des Hafens zu bauen. Da jedoch im Krefelder Südosten durch Golfplätze, Industrie und ein großes Naturschutzgebiet eigentlich nur wenig Verbindungsmöglichkeiten bestehen, kam Meerbusch ins Spiel.

Eigentlich dachten die Bürgerinitiativen, dass die Jahrzehnte alte Planung längst zu den Akten gelegt sei. Im Regionalrat als übergeordnetem Planungsgremium ist allerdings ein Gutachten in Auftrag gegeben worden, das die Möglichkeiten einer Trassenführung aus Umweltgesichtspunkten auslotet.

Entscheidende Sitzung des Regionalrates am 23. Juni

Der Vorsitzende des Gremiums, Landrat Hans-Jürgen Petrauschke, spricht sich dafür aus, einen Suchraum für die neue Straße zu definieren, mit dem eine optimale Anbindung gefunden wird. Dieser Suchraum soll ausdrücklich auf Meerbuscher und Krefelder Gebiet liegen. Entscheidendes Datum ist die nächste reguläre Sitzung des Regionalrats am 23. Juni. Dort soll festgelegt werden, ob die geplante Trasse in den zu beschließenden Regionalplan aufgenommen wird.

Das gewichtigste Argument von Becüwe und Asbach: Die geplante Straße würde das Naturschutzgebiet Buersbach durchqueren, das nur wenige hundert Meter vom großen Krefelder Naturschutzgebiet Latumer Bruch entfernt liegt, mit ihm quasi eine Einheit bildet. Dort lebt der unter Naturschutz stehende Schmetterling Ameisenbläuling, auch der Kammmolch. Zudem argumentieren beide, dass eine Anbindung über eine Autobahnraststätte, wie angedacht, im Bundesverkehrswegeplan nicht vorgesehen sei. Schon jetzt sei der Meerbuscher Stadtteil Lank-Latum durch Hafenverkehr belastet, sagen die beiden Bürger. Zwar ist die Uerdinger Straße in Lank für Lkw gesperrt, allerdings missachten nach Beobachtungen der Initiativensprecher täglich Dutzende Lkw das Verbot.

Die Polizei sieht keine Handhabe. Im jüngsten Hauptausschuss argumentierte Meerbuschs Polizeichef Kurt Koenemann, dass dafür das Personal fehlte. Eine neue Straße, so Asbach und Becüwe, würde auch zwangsläufig neuen Verkehr anziehen. „Lank würde nicht entlastet.“ Becüwe fordert eine Kosten-Nutzen-Analyse für die neue Trasse, bevor bald eine Entscheidung fällt.

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