Zu Beginn verschreckte Zuschauer atmen schnell erleichtert auf.

Kabarett
Sänger Benedikt Zeitner gibt den arroganten Schöngeist. (M.I.)

Sänger Benedikt Zeitner gibt den arroganten Schöngeist. (M.I.)

Marc Ingel

Sänger Benedikt Zeitner gibt den arroganten Schöngeist. (M.I.)

Lank. Oh Gott, musikalisches Kabarett. Das wird bestimmt ein langer Abend, dürfte so mancher noch unwissende Zuschauer im Forum Wasserturm denken, als Sänger Benedikt Zeitner von Ass-Dur zu Beginn Gospel und Klassisches interpretiert. Nur fünf Hände waren zuvor in die Höhe geschnellt, als der Musikstudent gefragt hatte, wer denn freiwillig an diesem Abend hier sei.

Doch der erste Schreck ist schnell überwunden – spätestens, als Dominik Wagner mit einem eingestreuten Witz dafür sorgt, dass sein Partner die Fassung verliert: „Was ist blau und steht am Straßenrand? Eine Frostituierte.“ Klingt albern, kommt aber gut an. Denn mit großem Augenaufschlag lässt der einsilbige Wagner sofort erkennen, dass er seinen eigenen Pointen nicht so recht traut. Obwohl: „Ich find’s lustig“, sagt er trotzig.

Der trockene Humor des Nihilisten am Klavier, der im fortdauernden Zwiegespräch mit dem arroganten Schöngeist Zeitner am Mikro verstrickt ist, zieht sich wie ein roter Faden durch das Programm. Zeitner kontert stets ironisch, doch ein ums andere Mal verschlägt es ihm bei Wagners grotesken rhetorischen Einwürfen die Sprache: „Warum gehen Ameisen nicht in die Kirche? Die sind Insekten.“

Mit musikalischer Klasse auf die Kabarett-Bühne

Mit zunehmender Spieldauer werden seine Bonmots verzwickter, die Komik absurder. Musikalisch kann den beiden ohnehin kaum einer das Wasser reichen, auch wenn die vermeintlich wissenschaftliche These, dass sämtliche Fußball-Mitgröllieder ihre Wurzeln bei Beethoven oder Mozart hätten, wenig glaubhaft erscheint. Plausibler dürfte da schon die Annahme sein, dass das Lied vom Eiermann mehr Anhänger hat als Schuberts Winterreise.

„2. Satz – Largo Maggiore“ ist erst das zweite Kabarettprogramm von Ass-Dur, dennoch wurden Zeitner und Wagner bereits mit zehn Preisen überhäuft. Und das zurecht, wenn man die Bereitschaft mitbringt, die eine oder andere gagfreie Länge zu akzeptieren. Denn hin und wieder muss das Duo beweisen, dass es aus der Musik kommt.

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