Die Straße Am Oberbach soll für 631 000 Euro saniert werden. Die Anwohner erwägen ein Eilgutachten, um das zu verhindern.

Dass die Straße Am Oberbach in Langst-Kierst saniert werden muss, darüber sind sich Politik und Anwohner einig. Allerdings ganz und gar nicht über den Umfang der Maßnahme. Vor allem seien die Maßstäbe zu hoch gesetzt und somit der Ausbau zu teuer, sagen die Anwohner. Man könne die Kosten um 20 bis 30 Prozent reduzieren. Die Politik verständigte sich zwar auf einen kleinen Kompromiss, der aber nur eine Einsparung von 4500 Euro bewirken würde. Das stößt den Anwohnern sauer auf, da sie 70 Prozent der Kosten selber tragen müssen. Sie wollen weiter kämpfen.

„Es ist alles überdimensioniert geplant“, sagt Hans-Dieter Gardeweg im Namen der Anwohner. „Allein bei der Bodendecke könnten 150 000 Euro gespart werden. Das hat uns jetzt auch Hartmut Beckedahl, Experte für Straßenbau an der Universität in Wuppertal, auf seinem Vortrag vergangene Woche in Meerbusch bestätigt.“ Denn: Laut Stadt muss für die Straßendecke – bestehend aus mehreren Schichten – rund 60 Zentimeter tief ausgekoffert und wieder neu verfüllt werden.

Die Stadt will lieber auf Nummer sicher gehen

Die Anwohner hingegen sehen dazu keine Notwendigkeit: „Es reichen maximal 40 Zentimeter – wahrscheinlich sogar nur 30“, sagt Gardeweg. „Das hat uns Professor Beckedahl bestätigt. Zumal es am Oberbach keinen Durchgangs- oder Lkw-Verkehr gibt.“ Es würde ihrer Meinung nach reichen, 30 Zentimeter der Straßendecke abzutragen, danach prüfen zu lassen, ob die Bodenschicht darunter frostsicher ist. „Wenn ja, muss nicht tiefer ausgekoffert werden“, sagt Gardeweg im Namen der 29 Anwohner am Oberbach. Wolfgang Trapp, Leiter des Fachbereichs Straßen und Kanäle warnt jedoch: „Die Stadt baut nach den einschlägigen Regelwerken. Im Hinblick auf die angestrebte Lebensdauer von 50 Jahren der neuen Straße geht sie jedoch auf Nummer sicher und dimensioniert für eine Belastungsklasse höher.“

Ein weiteres Ärgernis für die Anwohner ist der geplante Gehweg auf der Häuserseite. „Wir haben bei uns keine Geschäfte und auch keinen Fußgängerverkehr“, sagt Gardeweg. „Für die 29 betroffenen Anwohner benötigen wir keinen Gehweg.“ Zu Spitzenzeiten würden etwa 20 Autos pro Stunde durch die Straße fahren, betont er. Dem stimmt Trapp in Teilen zu, merkt aber an: „Es gibt nicht viel Verkehr, dennoch müssen wir langfristig denken. Durch den demografischen Wandel wird auch die Zahl an Fußgängern mit Rollatoren zunehmen. Für die schwachen Verkehrsteilnehmer brauchen wir einen Gehweg.“ Dennoch wollen die Anwohner kämpfen. „Professor Beckedahl hat angeboten, ein Eilgutachten zu erstellen, das beweist, dass es kostengünstiger geht“, sagt Gardeweg. „Wir erwägen, dies bei der Stadt einzureichen.“

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