Der Anteil der Über-60-Jährigen, die sich wegen ihrer Schulden beraten lassen, steigt rasant.

Immer häufiger müssen ältere Meerbuscher die Dienste der Schuldnerberatung in Anspruch nehmen. Lag der Anteil der Über-60-Jährigen im Jahr 2009 noch bei fünf Prozent, kletterte er bis vergangenes Jahr auf 14,3 Prozent. In den ersten zehn Monaten dieses Jahres war bereits knapp jeder Sechste älter als 60 Jahre. Wie Schuldnerberater Uwe Simons erklärt, ist deren Situation oft besonders problematisch. „Bei der Abwicklung macht es keinen Unterschied, ob der Schuldner 20 Jahre alt ist oder 70 Jahre alt. Aber die Situation ist oft ungleich schwieriger bei älteren Schuldnern.“

Das Angebot an günstigen Wohnungen reicht nicht aus

Häufig beginne das Problem damit, dass der Ehepartner versterbe. Dann reiche die Hinterbliebenenrente nicht mehr aus, die Miete und laufende Kredite zu bezahlen. „Wird der Kredit nicht mehr bedient, gibt’s einen negativen Schufa-Eintrag.“ Das aber erschwere die Suche nach einer bezahlbareren, kleineren Wohnung. „Auch viele Wohnungsgenossenschaften lehnen nach unserer Erfahrung solche Mieter ab – auch wenn sie anderes behaupten.“ Zusätzliches Problem: „Oft sind die älteren Menschen eingeschränkt, benötigen eine Erdgeschosswohnung oder eine mit Aufzug.“ Das Angebot an solchen Wohnungen ist in Meerbusch aber rar.

Schuldnerberater Simons betont, dass die Datenbasis zwar gering ist – von den 238 beratenen Meerbuscher Schuldnern waren 34 älter als 60 Jahre –, aber er rechnet damit, dass der Trend in den kommenden Jahren weiter zunehmen wird. In Meerbusch sind derzeit gut 3200 Frauen und Männer überschuldet – der Anteil von 7,1 Prozent liegt deutlich unter dem NRW-Schnitt von 11,5 Prozent. „Von den Auswirkungen sind aber deutlich mehr Menschen betroffen“, betont Simons. „Auch Ehepartner und Kinder leiden unter der Überschuldung.“

Häufigste Ursache ist Arbeitslosigkeit, gefolgt von einer gescheiterten Selbstständigkeit und Trennung oder Scheidung. Ein Drittel der Ratsuchenden gab auch „fehlende Finanzkompetenz“ an. Schuldnerberater Simons bemängelt, dass es in den vergangenen fünf Jahren lediglich an einer einzigen Meerbuscher Schule das Präventionsprojekt „Knete, Krisen, Kompetenzen“ gab: Die Realschule Osterath fand in der Volksbank Meerbusch einen Sponsor, der die Beratung unterstützte. „Immer noch wird viel zu wenig über Geld gesprochen.“ Das gelte besonders für ältere Schuldner. „Da wissen oft noch nicht mal die Kinder, wie schlecht es finanziell wirklich steht.“

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