Pastor-Jacobs-Schule macht die Typisierung der DKMS zum Schulfest für die erkrankte Lehrerin.

Nick und Leonie kamen mit, als sich Sandra Pavlowsky am Sonntag Blut entnehmen ließ.
Nick und Leonie kamen mit, als sich Sandra Pavlowsky am Sonntag Blut entnehmen ließ.

Nick und Leonie kamen mit, als sich Sandra Pavlowsky am Sonntag Blut entnehmen ließ.

Einnahmen aus dem Trödel, Getränke- und Speisen- sowie Losverkauf wurden gespendet.

Marc Ingel, Bild 1 von 2

Nick und Leonie kamen mit, als sich Sandra Pavlowsky am Sonntag Blut entnehmen ließ.

Lank. Sebastian Lickes nimmt die Besucher in Empfang, die über den Schulhof durch die Hintertür zur Blutentnahme wollen. Der Meerbuscher übernimmt die Wegweiserfunktion gern. Er ist als ehemaliger Spender und damit Mitglied des „Lebensspenderclubs“ der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) bestens geeignet, Fragen der Besucher zu beantworten. „Komme ich trotz meiner Allergien als Stammzellspenderin infrage?“, will beispielsweise Annette Eckstein wissen.

Ihre Tochter Judith hat die Lankerin auf die Typisierung in der Pastor-Jacobs-Schule aufmerksam gemacht. Die 23-Jährige hat davon über Facebook erfahren – in München. Ihre Grundschulfreundin habe damals bei Roswitha Hiller Unterricht gehabt, der 61-jährigen, an Leukämie erkrankten Lehrerin, der die Stammzellspende-Aktion am Sonntag helfen soll. „Und schon damals hat sie nur Gutes über sie berichtet“, sagt die junge Frau.

Die Typisierungsaktion ist wie ein Schulfest gestaltet. „Sie hat das so gewollt“, sagt Schulleiterin Helga Cloeren. „Sie wollte nicht, dass das zu einer Trauerveranstaltung wird. Es soll ein Fest des Lebens sein.“

Grundschulkinder bemalen Postkarten für die Lehrerin

Und so beteiligen sich alle an dem Programm, das Cloeren, Schulsekretärin Cornelia Mieden, Kollegium, Eltern und Hillers Familie rund um die Typisierungsaktion der DKMS innerhalb von vier Wochen aus dem Boden gestampft haben: Es gibt eine Tombola (inklusive eines Trostpreises für fünf Nieten), Kuchen und Salate, Kaffee, ausgeschenkt von den U15 OTV-Basketballern, Hotdogs und Chilimarmelade, die Hillers Schwiegersohn in spe verkauft, Fabian de Cassan. Wer will, kann sich fotografieren lassen und erhält das Porträt. Alles geschieht für eine Spende – Geld, das der DKMS zur Verfügung gestellt wird.

Gut aufgehoben sind auch die Schulkinder. Sie spielen oder gestalten Postkarten, die an Roswitha Hiller geschickt werden, die zurzeit in der Uniklinik liegt. „Aber sie ist eng dabei und in alles eingeweiht“, sagt Helga Cloeren.

544 Spender haben sich laut DKMS-Sprecherin Nicola Wenderoth am Sonntag registrieren lassen. 7000 Euro wurden gesammelt. Morgen ab 12 Uhr wird im Meerbusch-Gymnasium in Strümp eine weitere Typisierung durchgeführt, organisiert von den Rotariern.

Scheint ein Spender geeignet, wird er einer genaueren Untersuchung unterzogen.

Eine Knochenmarkspende bedeutet keinen Eingriff ins Rückenmark, wie viele Menschen befürchten. Vielmehr werden bei einem Eingriff unter Narkose Stammzellen aus dem Hüftknochen entnommen, meist jedoch durch eine Blutentnahme: Blut wird an einem Arm abgezapft, die Stammzellen herausgefiltert und das Blut ohne Stammzellen dem Körper am anderen Arm direkt wieder zugeführt.

Nicola Wenderoth (DKMS), die die Typisierung organisiert, ist beeindruckt von der Atmosphäre und dem hohen Engagement aller. Am Ende haben sich 544 potenzielle Stammzellspender registrieren lassen. 7000 Euro sind gesammelt worden, die Erlöse der Tombola kommen noch hinzu.

„544 Spender – das ist zwar keine riesengroße Zahl, aber die Aktion wurde super angenommen“, sagt Wenderoth. Dass es nicht mehr waren, liege wahrscheinlich daran, dass Meerbusch „schon abgegrast“ sei. „Wir waren jetzt mehrmals hier, und sehr viele Meerbuscher sind schon registriert.“

Alle hoffen nun, dass sich unter den Neuerfassten auch ein geeigneter Spender für Roswitha Hiller findet. Spender würden weltweit gesucht, sagt Wenderoth. „Aber ich habe es noch nie erlebt, dass ein Spender genau zu dem Patienten passte, wegen dem er gespendet hat.“

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