Stadt nimmt Obdachlose in Wohnanlagen auf. Ziel ist die Vermittlung in eine eigene Wohnung.

Soziales
Die soziale Wohnanlage an der Danziger Straße in Kaarst wird geschlossen.

Die soziale Wohnanlage an der Danziger Straße in Kaarst wird geschlossen.

Stefan Büntig

Die soziale Wohnanlage an der Danziger Straße in Kaarst wird geschlossen.

Kaarst. In Kaarst gibt es keine Obdachlosen, die auf der Straße ihr Dasein fristen müssen. Grund dafür sind stadteigene Wohnungen und Häuser, in denen sozialbedürftige Menschen vorübergehend leben können.

An vier Standorten wohnen in solchen Einrichtungen zurzeit 72 Personen. Zwei von ihnen wohnen noch in den 90 an der Danziger Straße zur Verfügung stehenden Räumen. Auch sie werden diesen Standort bald verlassen, denn die Wohnanlage wird geschlossen, wie Frank Schnitker von der zentralen Fachstelle für Wohnungsnotfälle am Mittwoch vor dem Sozialausschuss berichtete.

„Unser generelles Ziel ist es, die Bewohner unserer Wohnungen schnellstmöglich in private Wohnungen zu vermitteln“, sagte er. Als Schnitker vor einem Jahr seine Arbeit aufnahm, wohnten noch 17 Männer in den Räumen an der Danziger Straße, der letzte wird bis Ende März ausgezogen sein.

Insgesamt kann Schnitker auf 37 Wohnungsvermittlungen verweisen. Gern würde er alle in den Kaarster Sozialwohnungen untergebrachten Bewohner in private Unterkünfte vermitteln, doch das ist nicht so leicht: Einige von ihnen dürfen aufgrund ihres Asylantenstatus nicht weitervermittelt werden.

Für die anderen fehlen passende Wohnungen. „Wir haben das Problem, dass es in Kaarst zu wenig bezahlbaren Wohnraum gibt“, erklärte Schnitker vor dem Sozialausschuss.

Grundlage für die anderen Vermittlungserfolge sei ein neuer Ansatz. „Wir bauen keine Gebäude, in denen wir die Menschen nur unterbringen, sondern wir kümmern uns um die Bewohner“, erklärte Sozialbereichsleiter Dieter Vogt. Diese Fürsorge sei bisher in Kaarst und seinen Nachbargemeinden nicht gängige Praxis gewesen, fügte Schnitker hinzu.

So sei der Versuch, mit Hilfe der Stadt Neuss die verbleibenden Bewohner der Danziger Straße umzusiedeln, an vielen Punkten gescheitert. Hauptsächlich an fehlendem Wohnraum, denn in Neuss gäbe es nur Schlafplätze und keine Wohnräume.

Netzwerk hilft bei der Prävention außerhalb der Wohnanlagen

Mit der Schließung der Wohnanlage an der Danziger Straße entstehe jedoch kein Raumnotstand in Kaarst: „Wir brauchen nur drei Wohnanlagen“, erklärte Schnitker. Die Fachstelle, die Frank Schnitker alleine betreut, habe ein eigenes Netzwerk aufgebaut, das besonders bei Präventionsaufgaben wie der Abwehr von Wohnungslosigkeit hilfreich sei – denn auch außerhalb der städtischen Wohnungen wird Schnitker tätig.

„Im privaten Umfeld ebne ich Wege und zeige Lösungsmöglichkeiten auf“, sagte Schitker. Für die zukünftige Arbeit wünscht er sich eine engere Bündelung von Kompetenzen und mehr bezahlbaren privaten Wohnraum.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer