Schulleiter hat Sorge, dass Eltern ihre Kinder lieber auf die Gesamtschule schicken.

Schulleiter Jürgen Bosse auf dem Pausenhof inmitten seiner Schüler: Der Rektor befürchtet, dass sich die Neuanmeldungen deutlich in Richtung Gesamtschule verschieben – zum Nachteil der Städtischen Realschule Halestraße.
Schulleiter Jürgen Bosse auf dem Pausenhof inmitten seiner Schüler: Der Rektor befürchtet, dass sich die Neuanmeldungen deutlich in Richtung Gesamtschule verschieben – zum Nachteil der Städtischen Realschule Halestraße.

Schulleiter Jürgen Bosse auf dem Pausenhof inmitten seiner Schüler: Der Rektor befürchtet, dass sich die Neuanmeldungen deutlich in Richtung Gesamtschule verschieben – zum Nachteil der Städtischen Realschule Halestraße.

Stefan Büntig

Schulleiter Jürgen Bosse auf dem Pausenhof inmitten seiner Schüler: Der Rektor befürchtet, dass sich die Neuanmeldungen deutlich in Richtung Gesamtschule verschieben – zum Nachteil der Städtischen Realschule Halestraße.

Kaarst. In diesem Schuljahr gibt es so wenig Hauptschüler wie nie zuvor, aber auch die zweite Säule im dreigliedrigen Schulsystem bröckelt: Denn nach den Sommerferien soll in Kaarst die erste Gesamtschule ihren Betrieb aufnehmen. Die Gemeinschaftshauptschule Kaarst-Büttgen (230 Schüler) und die Elisabeth-Selbert-Realschule (321 Schüler) werden bis Sommer 2018 aufgelöst. Das beinhaltet einen schrittweisen Abbau der Jahrgänge. Bis 2018 existieren alle drei Schulen an der Hubertusstraße in Büttgen nebeneinander. Eine Entwicklung, die Jürgen Bosse als Schulleiter der Städtischen Realschule Halestraße in Kaarst mit Sorge sieht.

„Wir haben eine gut funktionierende Schule.“ Jürgen Bosse, Schulleiter

Er fürchtet, dass Eltern ihre Kinder künftig nicht mehr an der Halestraße anmelden, sondern sich in Richtung Büttgen orientieren. Mindestens 100 Schüler werden dort für den Start der neuen Gesamtschule benötigt. Schüler, die der Städtischen Realschule Kaarst schon im kommenden Schuljahr fehlen könnten. „Es sind dann einfach nicht mehr genügend Schüler übrig. Dass die Gymnasien Einbußen haben, glaube ich nicht“, sagt Jürgen Bosse. „Es wäre einfach schade, wenn unsere Schule aus diesem Grund verschwinden würde. Wir machen eine gute Arbeit.“ Erschwerend komme hinzu, dass manche Eltern unzureichend informiert seien. Die Auflösung der Elisabeth-Selbert-Realschule werde mit der Schließung der Realschule Halestraße verwechselt. „Das wird durcheinander geworfen. Wir hatten schon besorgte Anrufe von Eltern, die angeblich gehört hatten, unsere Schule müsse schließen“, bedauert der Rektor. „Ich weiß natürlich nicht, wie viele Eltern in Betracht ziehen, ihr Kind auf der Gesamtschule anzumelden. Aber wir sind in dieser Schuldiskussion einfach ein bisschen untergegangen. Manche Eltern haben uns nicht mehr in ihrem Vorstellungsbereich“, bedauert Bosse und schiebt demonstrativ ein „Uns gibt es noch!“ nach.

Am Tag der offenen Tür kamen deutlich weniger Besucher

Am Tag der offenen Tür im Dezember habe sich das nachlassende Interesse bereits bemerkbar gemacht, sagt der Schulleiter. Es seien deutlich weniger Besucher gekommen. Mindestens 40 Neuanmeldungen sind nötig, um zwei neue fünfte Klassen bilden zu können. Im vergangenen Schuljahr wechselten 67 Viertklässler an die Halestraße. Bereits da habe die Schule die Konkurrenz der neuen Gesamtschule in der Neusser Nordstadt zu spüren bekommen – ein knappes Drittel der Anmeldungen kommt aus Neuss. „Es wäre eine Verarmung der Schullandschaft, wenn es im Rhein-Kreis Neuss keine Realschule mehr gibt“, sagt Bosse und hat Sorge, dass die Schulform Realschule ähnlich wie die Hauptschule langsam ausblutet. Auch Kaarst brauche auf lange Sicht mehr als nur eine Gesamtschule und zwei Gymnasien. Dass es für die Gründung einer Gesamtschule gute Gründe gibt, will Jürgen Bosse nicht bestreiten. Nur: Die Politik habe sich früh, vielleicht zu früh, festgelegt, sagt er. Das Profil einer Sekundarschule sei nicht ausreichend vorgestellt worden. „Die Sekundarschule hätte uns mit aufgenommen.“

98 Prozent der Realschüler machen den Mittleren Abschluss

Auf die Vorzüge seiner eigenen Schule angesprochen, hat Bosse viel zu sagen: „98 Prozent machen bei uns den Mittleren Abschluss, 30 bis 40 Prozent erreichen die Qualifikation für die Oberstufe“, berichtet er. Die Synthese von Allgemeinbildung und Berufsvorbereitung sei ein erfolgreiches Profil der städtischen Schule. „Gemeinsames Lernen findet auch bei uns statt.“ In der Klasse 9 und 10 stellt die Berufswahlvorbereitung einen besonderen Schwerpunkt dar. Mit dem Freiwilligendienst, Streitschlichterprogramm oder der bewegten Pause nennt der Schulleiter einige wichtige außerschulische Projekte. 29 Lehrer unterrichten an der Halestraße 480 Schüler. Zudem gibt es zwei Sozialpädagogen. „Wir sind hier eine überschaubare Einheit, die Schüler kennen ihre Lehrer und umgekehrt“, sagt Jürgen Bosse, der die Realschule seit 2004 leitet. Er selbst unterrichtet Mathe, Physik, Informatik und Technik. » Das Anmeldeverfahren für alle weiterführenden Schulen in Kaarst findet vom 2. bis zum 6. Februar statt. Die Eltern werden bis zum 13. Februar informiert, an welcher Schule ihre Kinder aufgenommen werden.

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