Beim traditionellen Bürgerfrühschoppen drehte sich in diesem Jahr alles um die Geschichte der Gleichberechtigung.

feier
Vor 100 Jahren galt der lila Schal noch als Zeichen des Zusammenhalts unter Frauen. Die Gleichstellungsbeauftragten des Kreises erinnerten daran.

Vor 100 Jahren galt der lila Schal noch als Zeichen des Zusammenhalts unter Frauen. Die Gleichstellungsbeauftragten des Kreises erinnerten daran.

Reinelt

Vor 100 Jahren galt der lila Schal noch als Zeichen des Zusammenhalts unter Frauen. Die Gleichstellungsbeauftragten des Kreises erinnerten daran.

Kaarst. Bürgermeister Franz-Josef Moormann wollte beim traditionellen Bürgerfrühschoppen im Albert-Einstein-Forum eigentlich keinen politischen Rechenschaftsbericht leisten.

Eine kleine Randbemerkung konnte er sich aber nicht verkneifen. „Viele Bürger haben mich gefragt, warum ich auf ihrer Straße nicht den Schnee geschippt habe. Wenn es auf 42 000 Bürger herab schneit, dann müssen auch alle zusammen Schnee schieben“, sagte er und erntete spontanen Beifall.

Bürgermeister kommentiert noch einmal das leidige Thema Schnee

„Ich bedanke mich bei allen, die auf ihren Straßen gekehrt haben und natürlich beim Bauhof, der seinen Beitrag dazu geleistet hat“, so Moormann weiter. Schnee war am vergangenen Samstag kein Problem mehr. Temperaturen im zweistelligen Plus-Bereich ließen den letzten Rest schmelzen.

Seit 30 Jahren lädt die Stadt Kaarst zum Bürgerfrühschoppen ein. Seit 100 Jahren wird zudem der Internationale Frauentag gefeiert. Die Gleichberechtigung war deshalb das ausgewählte Thema des diesjährigen Schoppens.

„Im Artikel 3 des Grundgesetzes steht: Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Es gibt keinen Rechtssatz, der so kurz und präzise ist“, sagte der Stadtchef bei seiner Begrüßung.

Im gut besuchten Albert-Einstein-Forum fielen ein paar einheitlich in schwarz gekleidete Damen mit einem lila Schal um den Hals auf. Es waren die Gleichstellungsbeauftragten aus dem Rhein-Kreis Neuss, die auf Einladung ihrer Kaarster Kollegin Herta Peters Farbe bekannten.

„Den lila Schal trugen die Frauen vor 100 Jahren als Zeichen für ihren Zusammenhalt“, sagte Peters. Sie ist seit fünf Jahren Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Kaarst. Vor ihr übte Angelika Bruchmann von 1986 bis Ende 2005 diese Aufgabe aus, die durchaus ein Vollzeitjob ist.

„Vorwiegend bin ich innerhalb der Verwaltung tätig. Ich bin keine Frauenbeauftragte, sondern Ansprechpartnerin bei jeglicher Benachteiligung“, erklärte Peters ihr Arbeitsprofil. Trotzdem machen Frauenbelange den Löwenanteil aus. Häufig berät Herta Peters bei Fragen zur Rückkehr in den Beruf oder zur Kinderbetreuung.

„400 Euro-Jobs sind ein wichtiges Thema bei Frauen geworden“

Auch Bürger tragen ihre Probleme an sie heran. Dann versucht Herta Peters, Wege aufzuzeigen und Kontakte zu vermitteln. „Insbesondere die 400-Euro-Jobs sind ein wichtiges Thema bei Frauen geworden“, so Peters, die außerdem das Profinetzwerk „Frauen unternehmen anders“ betreut.

Eine Ausstellung zeigte Portraits bekannter weiblicher Persönlichkeiten wie Josephine Baker oder die Tennisspielerin Suzanne Lenglen, aber auch Frauen in einst für sie untypischen Berufen, etwa als Pilotin im Jahr 1919.

Das Stadtarchiv steuerte Dokumente zur gesellschaftlichen Rolle der Frau im 20. Jahrhundert bei. Traditionell besuchten die Kaarster Sternsinger den Bürgerfrühschoppen. Nach einem gemeinsamen Singen durfte die zehnjährige Johanna Klein den Segensgruß aufschreiben.

Leserkommentare (12)


() Registrierte Nutzer