2011 bietet der Kaarster Künstler Burkhard Siemsen einen VHS-Vortrag zur Glasmalerei mit Exkursionen in Kirchen an.

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Die Kirchenfenster von Jan Thorn Prikker in der Neusser Dreikönigenkirche, Gerhard Richter im Kölner Dom und Neo Rauch im Naumburger Dom.

Die Kirchenfenster von Jan Thorn Prikker in der Neusser Dreikönigenkirche, Gerhard Richter im Kölner Dom und Neo Rauch im Naumburger Dom.

Die Kirchenfenster von Jan Thorn Prikker in der Neusser Dreikönigenkirche, Gerhard Richter im Kölner Dom und Neo Rauch im Naumburger Dom.

Burkhard Siemsen hat die Fenster in der Kaarster Friedhofskapelle gestaltet. In der Regel hat das Glas eine Stärke von fünf Millimetern.

Archiv/ Büntig, Bild 1 von 5

Kaarst. Glasmalerei in der Kirche hat eine Tradition, die mit der Darstellung von Pilgerstationen bis in die Anfänge des Christentums zurückreicht. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts erlebte die Kunst auf Glas eine neue Blütezeit, nach dem Zweiten Weltkrieg gehörten große Namen wie Chagall oder Matisse zu den Künstlern, die im Auftrag der Kirche Fenster entwarfen und damit beachtliche künstlerische Leistungen vorlegten. Doch mit Gerhard Richter, Markus Lüpertz oder Neo Rauch machen auch immer mehr zeitgenössische Künstler mit ihren Glasfenstern von sich reden.

Der Kaarster Künstler und Glasmaler Burkhard Siemsen setzt sich schon lange mit dem Sujet auseinander. Und das nicht nur praktisch. Im April bietet er einen VHS-Vortrag zur Glasmalerei im Rheinland an. Verschiedene Exkursionen zu Kirchen in der Umgebung sollen folgen.

Ein abstraktes Mosaik aus 11 500 Farbquadraten

Eine der ersten Exkursionen wird die Kursteilnehmer zum Kölner Dom führen. Dort werden sie das riesige Farbfenster von Gerhard Richter besichtigen. 2007 hat Richter als einer der bekanntesten deutschen Gegenwartskünstler sein erstes Kirchenfenster aus 11 500 farbigen, mundgeblasenen Glasquadraten gestaltet. Er hat sich in seinem Entwurf von figürlichen Konzepten gelöst, die Anordnung der gläsernen Farbfelder wurde mit Hilfe eines Computerprogramms festgelegt. Die Farbtöne passen sich den noch erhaltenen historischen Domfenstern an. Diese abstrakte Darstellung findet bei Siemsen nicht nur Anklang.

Siemsen weiß eine Menge über Glasmalerei an sakralen Orten. Das merkt man gleich, wenn er über die Fenster von berühmten Glaskünstlern wie Jan Thorn Prikker, Anton Wendling, Georg Meistermann oder Johannes Schreiter spricht. Er lobt die farbenprächtigen und gegenständlichen Fenster von Markus Lüpertz für den Makkabäer-Chor in der Kölner Andreaskirche und deren traditionelle Technik: Die einzelnen Glasstücke sind durch Bleistege voneinander getrennt.

Die Glaskunst hat Siemsen dann auch schon früh begleitet. Vor seinem Studium an der Düsseldorfer Kunstakademie absolvierte der Driescher eine Lehre als Glasmaler in Kaiserswerth, legte 1969 seine Gesellenprüfung ab. Im Studium selbst zog es ihn zur großen Kunst, wie er sagt, Glas als Werkstoff spielte in dieser Zeit nur eine nebensächliche Rolle. „Auftragsarbeiten waren für das Selbstverständnis eines frei schaffenden Künstlers ja damals geradezu verpönt“, bekennt Siemsen und lacht. Der Zufall brachte ihn erst viel später wieder mit dem Glas in Berührung. Für die Kapelle im Grevenbroicher Seniorenzentrum Albert-Schweitzer-Haus entwarf Siemsen 1984 ein Glasfenster, und er entdeckte den Werkstoff als malerisches Medium wieder. Später folgten Glasmalereien in der Kaarster Friedhofskapelle und im evangelischen Gemeindezentrum in Vorst.

Siemsen, 1947 in Goslar geboren, hat mittlerweile zahlreiche Fenster im kirchlichen Bereich gestaltet. Die Darstellungen befassen sich mit dem Heilsgeschehen, der Menschwerdung Jesu oder dessen Tod am Kreuz. Siemsen wendet dabei ganz eigene Symbole und Chiffren an. In Menden etwa hat er den Bilder-Zyklus geschaffen, der die biblische Geschichte vom brennenden Dornbusch zeigt.

Was an kompositorischem Können und technischem Grundwissen nötig ist, bringt Siemsen mit, er hat das Handwerk von der Pike auf gelernt. Die mundgeblasenen Glasscheiben mit ihrer Struktur, den Schlieren und Bläschen, faszinieren ihn. Siemsen zeichnet die Entwürfe mit Aquarellfarben vor, „sie kommen in ihrer Transparenz dem Glas am nächsten“. Für den Kaarster ist es wichtig, dass Raum und Bild zusammenpassen. „Ich muss mich als Glaskünstler vor der Architektur und den kirchlichen Inhalten auch zurücknehmen können.“

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