In Kaarst lassen sich pro Jahr zwei Erwachsene taufen. Jan Mehlan empfing jetzt das Sakrament.

Pfarrer Ulrich Caspers tauft den Vorster Jan Mehlan in der Holzbüttger Lukaskirche.
Pfarrer Ulrich Caspers tauft den Vorster Jan Mehlan in der Holzbüttger Lukaskirche.

Pfarrer Ulrich Caspers tauft den Vorster Jan Mehlan in der Holzbüttger Lukaskirche.

Georg Salzburg

Pfarrer Ulrich Caspers tauft den Vorster Jan Mehlan in der Holzbüttger Lukaskirche.

Kaarst. Andächtig beugt sich Jan Mehlan über das Taufbecken der Lukaskirche. Pfarrer Ulrich Caspers tröpfelt Wasser über seinen Kopf. „Ich taufe dich im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen“, sagt der Geistliche. Jan Mehlan hat das Grundsakrament der evangelischen Kirche erhalten – mit 41 Jahren.

„Die Entscheidung, mich taufen zu lassen, ist seit acht Jahren in mir gewachsen“, sagt der Vorster. „Ich bin in Rostock geboren. In der ehemaligen DDR war das Taufen nicht üblich, aber meine Eltern haben mir christliche Werte vermittelt.“ Die Kirche wurde jenseits des Eisernen Vorhangs totgeschwiegen, es gab keinen Religionsunterricht. Seit der Wiedervereinigung steigt in Deutschland die Zahl der Erwachsenentaufen.

Erwachsenentaufe wird ohne Paten gefeiert

„In Kaarst führen wir pro Jahr zwei Erwachsenentaufen durch“, sagt Caspers. Im Gegensatz zur Kindertaufe, bei der die Paten das „Ja“ zur Taufe aussprechen, stimmt der Täufling dem Geschenk Gottes bei der Erwachsenentaufe selbst zu. Die Zeremonie wird ohne Paten gefeiert.

„Mit der Taufe möchte ich meinen Glauben untermauern“, sagt Mehlan, der beruflich Messestände vertreibt. „Ein sehr weltliches Geschäft. In der Kirche finde ich Ruhe.“ Zudem Kraft und Freude. Besonders in Krisenzeiten hat sich der Vorster nach eigenem Bekunden stets an Gott gewandt – ob bei einem Klinikaufenthalt oder nach dem Tod seiner Großmutter.

„Im Urlaub gehen meine Frau und ich an keiner Kirche vorbei“, sagt Mehlan und betont, dass er einen ökumenischen Taufspruch gewählt habe: „Denn wir sind auch durch einen Geist alle zu einem Leibe getauft, wir seien Juden oder Griechen, Knechte oder Freie, und sind alle zu einem Geist getränkt“, heißt es im ersten Korinther, Kapitel 12, Absatz 13.

Die Taufe ist ein Ritus, der im Christentum seit dem Neuen Testament den Eintritt in das Leben als Christ bedeutet. Sie gilt als Teilhabe an der Sündenvergebung durch den Tod Christi am Kreuz und als Eingliederung in die kirchliche Gemeinschaft.

 

Erwachsenentaufe Die Erwachsenentaufe wird auch als Gläubigentaufe bezeichnet. Sie ist in vielen Freikirchen die Regel. Die traditionellen Kirchen taufen unabhängig davon, ob der Täufling – wie bei der Kindertaufe – den Glauben selbst ausdrücken kann.

Zunächst wollte Mehlan sich in der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Mecklenburgs taufen lassen. Doch eine Bekannte empfahl ihm Pfarrer Ulrich Caspers. „Das erste Gespräch hatten wir Anfang Juni. Es ging alles sehr schnell“, sagt der 41-Jährige.

Vor der Zeremonie werden Täuflinge in den Glauben eingeführt

Erwachsene, die sich taufen lassen wollen, werden vor der Taufe in den christlichen Glauben eingeführt, besuchen einen Taufunterricht. Mehlan war mit den Inhalten bereits vertraut. „Mein Leben wird sich durch die Taufe nicht verändern“, sagt er.

Überrascht habe die Entscheidung jedoch einige seiner Freunde. „Vor allem Bekannte aus dem Osten, die nicht getauft sind“, sagt Mehlan. „Ich habe allerdings das Gefühl, dass der Glaube bei vielen da ist. Sie müssen sich nur trauen.“

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