Kaarster Kommunalpolitiker aller Fraktionen empört über das Vorgehen der Kreis-SPD.

Kaarst/Dormagen. Einen Tag nachdem Amprion die im Regionalplan für Kiesabbau vorgesehene Dreiecksfläche an der Grenze zu Meerbusch, zwischen A 57, Bahnlinie und der L 30, als favorisierten Standort für einen Stromkonverter präsentiert hat, ist der Ärger unter den Kaarster Kommunalpolitikern groß. Für Unmut sorgt auch die Ankündigung der SPD-Regionalratsfraktion, in der Sitzung am 11. Dezember – nach interner Abstimmung – einen Antrag auf Regionalplan-Änderung einzureichen zu wollen, um den Konverterbau in Kaarst zu ermöglichen.

Die Änderung in Kaarst hätte Folgen für den Kiesabbau am Niederrhein

Jürgen Steinmetz, Allgemeiner Vertreter des Landrats, zeigt sich ob des Vorstoßes der Sozialdemokraten verschnupft. „Sich zum jetzigen Zeitpunkt für einen Teil und zulasten eines anderen Teils der Kreisbevölkerung einzusetzen, ist nicht in Ordnung“, sagt er.

Die Bezirksregierung soll im Regionalrat in der kommenden Woche berichten, welche formellen Voraussetzungen für eine mögliche Änderung der Planung bestehen und wie die zeitlichen Abläufe sind. „Geklärt werden muss auch, in welchen Zusammenhang eine Regionalplanänderung auf den Kiesabbau insgesamt am Niederrhein hätte“, sagt Steinmetz. „Da kann man Kaarst nicht isoliert betrachten.“ Derweil bemüht sich die Kaarster SPD um Schadensbegrenzung. „Die Bemühungen der Genossen im Kreis haben bei uns sehr große Irritationen ausgelöst“, sagt Fraktionschefin Elke Beyer. „Es gibt eine Resolution des Kaarster Stadtrats, der sich gegen einen Konverter auf dem Stadtgebiet ausspricht, und dazu stehen wir.“„Es ist wichtig, dass die anderen Fraktionen sich jetzt klar positionieren, denn das Eintreten der SPD-Kreistagsfraktion für den Kaarster Standort hat unserer Kaarster Position bereits deutlich geschadet“, betont auch CDU-Partei- und Fraktionschef Lars Christoph. „Wir werden eine weitere Resolution in die nächste Ratssitzung einbringen und hierzu kurzfristig das Gespräch mit den anderen Fraktionen suchen, um einen breiten Konsens herzustellen.“

Die Menschen in Gohr würden den Konverter lieber in Kaarst sehen

Gohr ist von Amprion als einzige überhaupt noch mögliche Alternative für den umstrittenen Stromkonverter festgelegt worden. Dort regt sich weiter Widerstand. Dormagens Bürgermeister Erik Lierenfeld hatte an alle Beteiligten appelliert, den Weg für die Kaarster Dreiecksfläche frei zu machen.

Von einer gleichwertigen Eignung der Standorte Kaarst und Gohr könne keine Rede sein, verweist Felix Bracher, der Sprecher der Bürgerinitiative Contra Konverter in Gohr und Broich, auf den in Gohr unter 600 Meter liegenden Abstand zur Wohnbebauung, Die BI bezweifle, dass es Amprion „wirklich ernst meint mit der Fläche in Kaarst“, so Bracher. „Amprion hat jetzt aber die Chance, ihre Glaubwürdigkeit zu beweisen und ihren Ankündigungen Taten folgen zu lassen.“

Der Konverter müsse auf einer Industriefläche weit ab von menschlicher Besiedlung errichtet werden. In Gohr seien zudem ein Wasserschutzgebiet und fruchtbare Ackerböden betroffen. juha/cw-

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