Die Bäckerei Esser feiert in diesem Jahr 175. Geburtstag – und rüstet sich für die Zukunft.

handwerk
Katharina, Wilhelm und Christian Esser (von rechts) renovieren zurzeit ihren Bäckerladen.

Katharina, Wilhelm und Christian Esser (von rechts) renovieren zurzeit ihren Bäckerladen.

Das alte Bäckereigebäude der Familie Esser auf einem historischen Foto.

Christian Esser reaktivierte 2011 eine 120 Jahre alte Maschine zur Herstellung von Baumkuchen.

Büntig, Bild 1 von 3

Katharina, Wilhelm und Christian Esser (von rechts) renovieren zurzeit ihren Bäckerladen.

Kaarst. Für jedes dritte Handwerksunternehmen findet sich in Deutschland kein Nachfolger. Viele Betriebe schlossen ihre Türen. Betroffen sind oft Berufsgruppen, die unattraktive Arbeitszeiten haben, wie zum Beispiel das Bäckerhandwerk. Nicht so beim Kaarster Familienbetrieb der Bäckerei Esser. Das Unternehmen feiert in diesem Jahr sein 175-jähriges Bestehen – und investiert in die Zukunft.

„Wir waren als der Bäcker mit dem Waschpulver im Fenster bekannt. Damit ist ein für alle Mal Schluss.“

Wilhelm Esser, Geschäftsinhaber

Seit Anfang Januar ist das Geschäft an der Neusser Straße 19 geschlossen. Wo Brot, Brötchen und Torten über den Tresen wandern, gehen die Handwerker ein und aus. Wilhelm Esser, Familienvorstand und Chef der Backstube, entschied sich für eine Komplettrenovierung und Umgestaltung. Er investiert rund 130 000 Euro ins Geschäft. „Wir haben uns diesen Schritt genau überlegt. Als Alternative hätten wir die Schließung der Bäckerei gehabt“, sagt der 62-Jährige.

Sohn Christian gab den Ausschlag für den Schritt in die Zukunft, denn auch er ist Bäckermeister aus Überzeugung und wird den väterlichen Betrieb übernehmen. Am 7. Januar wird er 30 Jahre alt, doch die Feier muss warten, da er bis zur Wiedereröffnung am 14. Januar alle Hände voll zu tun hat.

Viel Neues werden die Kunden nach der Eröffnung sehen. „Wir waren immer als der Bäcker mit dem Waschpulver im Schaufenster bekannt. Damit ist ein für alle Mal Schluss“, sagt Willi Esser. Auf Wunsch seiner Mutter Christel Esser (87), die bis Ende 2011 den Verkauf leitete, hielten sie das Konzept des „Tante-Emma-Ladens“ bei. Die Zukunft soll nun aber dem Bäcker- und Konditoren-Handwerk allein gehören.

Nach Tests und Kundenbefragungen wird es nach dem Umbau 14 Sitzplätze geben, an denen die Kunden essen und trinken können. Handelsware bleibt verbannt. Frisch belegte Brötchen, Gebäck und Torten sowie kleine Snacks gibt es im Angebot. Sohn Christian wird seiner Passion, dem Konditorenhandwerk, verstärkt nachgehen und Torten oder Konfekt herstellen.

Früher reichte die Bäckerei nicht, um die Familie zu ernähren

Der Weg von den Anfängen der Bäckerei im Jahr 1837 bis heute ist lang. Ihre Geschichte spiegelt die Entwicklung der Bäckerzunft wider. „Mein Ur-Ur-Opa Josef Esser gründete die Bäckerei mit zwei Brüdern. Sie bestellten am Tag die Felder und buken abends Schwarzbrot und Stuten sowie an Feiertagen Rühr- und Blechkuchen“, sagt Wilhelm Esser, dessen Vater in den 50er und 60er Jahren nebenbei in der Neusser Industrie arbeitete, um seine Familie zu ernähren.

1982 übernahm Wilhelm Esser die Backstube. Mit dem Neubau wuchs die Verkaufsfläche 1977 von 16 auf 80 Quadratmeter. Auch fürs private Glück war die Bäckerei verantwortlich. Wilhelm Josef Esser lernte seine Ehefrau Christel 1948 beim Ausliefern von Backwaren kennen, ebenso der heutige Chef Wilhelm, dem seine Frau Katharina beim Ausliefern von Torten auffiel. Und auch Christian fand seine Partnerin Claudia durch den Beruf: Sie ist bei der Berufsgenossenschaft beschäftigt.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer