Es war wieder einmal großes Kino. Wer dachte, zum Thema verkaufsoffene Sonntage sei im Stadtrat alles mehrfach gesagt (stimmt) und allzu viel gestritten (stimmt) und auch jede erdenkliche Geschäftsordnungsdebatte geführt (stimmt nicht), der sah sich am Freitag getäuscht. „Sie sind ein alter Despot“, herrschte der Fraktionschef der SPD, Reiner Breuer, Bürgermeister Herbert Napp (CDU) während der Sitzungsunterbrechung an. Der wollte allenfalls über das „alt“ mit sich reden lassen und zeigte sich ansonsten verschmitzt-zufrieden.

CDU-Fraktionschef Jörg Geerlings versuchte derweil, seinen Redebeitrag und das Abstimmungsergebnis seiner Fraktion – zwei diametral entgegengesetzte Dinge – wortreich überein zu bringen. Das klappte nicht, und so fasste er zusammen: „Wir haben uns spontan anders entschieden.“ Vorausgegangen war eine Diskussion, die mit dem Ergebnis „ausgetrickst“ für die SPD endete.

Worum es eigentlich ging? Nach Jahren der Debatten und einem Runden Tisch hatten sich die Politiker immerhin auf Regeln für offene Sonntage in der Innenstadt geeinigt. Vier Mal, wenn gut begründet, einmal davon im Advent, aber nur am ersten Adventssonntag. Somit standen breite Mehrheiten für den 6. Mai („Neuss blüht auf“), 23. September (Hansefest), 14. Oktober (Mittelaltermarkt) und 2. Dezember („Neuss zeigt Herz“). Dem stimmte auch die SPD zu.

Aber das Rheinparkcenter. Nicht Innenstadt, sondern Nebenzentrum. Am 6. Mai und 2. Dezember wollte man sich den Innenstadtaktionen anschließen, am 14. Oktober wie die Innenstadthändler öffnen, allerdings zum Anlass „1 Jahr Geburtstag Rheinparkcenter“. Nein, sagte Jörg Geerlings, die Begründungen reichen nicht, geöffnet werden solle nur ein Mal, und zwar am 2. Dezember.

Doch, sagte die FDP, lächerlich sei es, dem Rheinparkcenter die Wünsche zu verweigern. Nein, sagte Reiner Breuer, anklinken an die Innenstadt-Feste geht nicht, Sonntagsöffnung allenfalls zum ersten Geburtstag. Und im Übrigen: Freude über die „Vielstimmigkeit in der Koalition“ und geheime Abstimmung – und die bitteschön auch getrennt, schließlich lagen CDU und SPD, einig in der Ein-Sonntags-Option, mit den Daten auseinander.

Dann ging alles ganz schnell. Da der FDP-Antrag ohnehin keine Mehrheit hätte, könne er ja wohl auch offen abgestimmt werden, schlug der Bürgermeister zu. So geschah’s – und plötzlich und unerwartet stimmte die CDU zu. Drei Sonntage für das Rheinparkcenter! Da blieb der SPD nur, zwischen Empörung und Resignation mit rechtlicher Beanstandung zu drohen. Der Bürgermeister nahm’s gelassen. Alles sei „hervorragend abgelaufen.“

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