Nur für ein Drittel der Betriebe im Kreis ist die Nachfolge gesichert.

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Bei ihm ist die Nachfolge geregelt: Heribert Dederichs wird den Hof in Grefrath an seinen Sohn Ulrich übergeben.

Bei ihm ist die Nachfolge geregelt: Heribert Dederichs wird den Hof in Grefrath an seinen Sohn Ulrich übergeben.

Georg Salzburg

Bei ihm ist die Nachfolge geregelt: Heribert Dederichs wird den Hof in Grefrath an seinen Sohn Ulrich übergeben.

Rhein-Kreis Neuss. 388 landwirtschaftliche Betriebe gibt es im Rhein-Kreis Neuss, bei denen der Inhaber 45 Jahre oder älter ist. Von diesen Höfen haben nur 97 einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin: Für mehr als zwei Drittel der Betriebe ist die Nachfolge unklar oder schon jetzt nicht vorhanden. Die Zahlen des statistischen Landesamtes mit Stand März 2010 überraschen Wolfgang Wappenschmidt nicht. Der Vorsitzende der Kreisbauernschaft Neuss-Mönchengladbach verweist darauf, dass der Strukturwandel in der Landwirtschaft eben auch den Kreis nicht unberührt lasse. 3 Prozent der Betriebe werden jährlich aufgegeben. Ein Hof mit der für den Kreis durchschnittlichen Größe von etwa 50 Hektar sei nicht zuletzt wegen der technischen Weiterentwicklung der Landmaschinen wirtschaftlich kaum noch tragfähig, sagt Wappenschmidt. Auch die landesweite Statistik spiegelt diesen Trend: Mit zunehmender Betriebsgröße, so heißt es aus Düsseldorf, steige auch die Bereitschaft zur Hofübernahme. So wurde nur bei 27,4 Prozent der Betriebe mit einer Flächenausstattung von 10 bis 20 Hektar die Hofnachfolge als gesichert eingeschätzt, dagegen waren es bei Betrieben mit über 100 Hektar bereits mehr als 57 Prozent. Der Strukturwandel laufe im Kreis relativ geräuschlos, sagt Wappenschmidt.

„Natürlich ist das nicht schön.“

Wolfgang Wappenschmidt In den meisten Fälle würden Betriebe ohne Nachfolger „generationenmäßig auslaufen“: keine Schließung aus der Not heraus, sondern geplante, sozial verträgliche Stilllegung des Hofes. „Natürlich ist das nicht schön. Die Betriebe verschwinden aus dem Dorfleben, es geht auch ein Stück Kultur verloren“, so der Sprecher der Landwirte. Doch er kann auch Positives berichten. Die größeren Betriebe wachsen weiter und beschäftigen nun auch qualifizierten Nachwuchs „von außen“. Trotz saisonabhängiger Arbeitszeiten sei der Beruf abwechslungsreich und attraktiv, betont Wappenschmidt: Das gelte für die Arbeit in der Natur ebenso wie die Beschäftigung mit der Technik. Der Trend hin zu größeren Betrieben dürfe aber nicht durch Flächenverlust durch Bebauung gestoppt werden, mahnt er. Auch nach Aufgabe vieler kleinerer Höfe würden die Flächen dringend benötigt – für die klassische Landwirtschaft ebenso wie für die neuen Aufgaben im Zuge der erneuerbaren Energien. Übrigens: Landesweit sind nur 13,8 Prozent der potenziellen Hofnachfolger Frauen. Dieser Wert liegt im Kreis deutlich höher: 21,6 Prozent der künftigen Hofbesitzer sind weiblich.

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