Ausstellung ohne Titel: Martin Heinrich Hensel stellt seine Kunst bei Dielämmer aus.

elsen
Martin Heinrich Hensel zeigt seine Arbeiten bis Ende Februar in der Galerie Dielämmer.

Martin Heinrich Hensel zeigt seine Arbeiten bis Ende Februar in der Galerie Dielämmer.

Büntig

Martin Heinrich Hensel zeigt seine Arbeiten bis Ende Februar in der Galerie Dielämmer.

Grevenbroich. Schwemmholz; Bombensplitter; handgeschmiedete Nägel, vom Rhein angespült: Der Neusser Künstler Martin Heinrich Hensel schätzt Materialien mit Geschichte, verarbeitet sie zu Skulpturen von purer, teils roher Energie. Seit Sonntag sind seine Arbeiten in der Galerie Judith Dielämmer zu sehen.

Sein Anliegen fasst der Künstler knapp zusammen: „Dass die Dinge nicht einfach untergehen, sondern in neuem Rahmen eine Wandlung erfahren und wir letztlich neue Sichtweisen gewinnen.“ Seit 2009 ist Hensel künstlerisch tätig, 2010 hatte er seine erste Ausstellung. Seither waren seine Arbeiten unter anderem zweimal in der Jahresausstellung der Alten Post Neuss zu sehen.

Dabei hatte der 58-Jährige eigentlich gar nicht vor, Künstler zu werden, erinnert er sich. Bis er beim Spaziergang am Rheinufer auf einen Haufen alter handgeschmiedeter Nägel stieß. „Da hat sich etwas seinen Weg gebahnt, was rauswollte.“ Die Resultate zeigt er in der aktuellen Ausstellung: Ein ganzer Wald von Nägeln unterschiedlicher Größe, eng nebeneinander in eine Art Holzboot gesetzt. Auf einen Titel verzichtet der Künstler hier, wie bei den meisten seiner Arbeiten. „Doch es kommt vor, dass Menschen sich eng in Boote drängen, um an einen anderen Ort zu gelangen.“

Man mag an die Flüchtlinge vor Lampedusa denken. Oder erfahren, dass das Boot für Hensel eng mit dem menschlichen Leben verknüpft ist. Vor allem aber lohnt es sich für den Betrachter, den Raum für eigene Gedanken auszuloten, den der Künstler ganz bewusst öffnet. „Kunst hat keine Relevanz, wenn sie nicht irgend eine Resonanz im Menschen auslöst.“, ist Hensel überzeugt. Wandlung und Integrität, Heil-Sein und Verletzung sind die immer wiederkehrenden Motive in Martin Heinrich Hensels Arbeit – nicht nur in der Kunst. Nachdem er zwölf Jahre lang in einem Sozialpsychiatrischen Dienst als Sozialarbeiter tätig war, ist er heute Coach und Trainer. Auch dort geht es um Integrität, um Wandel und Wandlung, sagt Hensel.

Wie vielfältig solche Veränderungen aussehen können, zeigt seine Ausstellung. So hat er Fachwerkbalken aus einem über 200 Jahre alten Haus zu einer Skulptur verarbeitet. Eine ganz eigene Geschichte haben auch seine Walnussholz-Scheiben. De Baum stand in einem Privatgarten, bis er wegen Kernfäule gefällt werden musste. Der Besitzerin ist zumindest ein kleiner Trost geblieben: Das Holz lebt weiter, in anderer Form.

Die Ausstellung ist bis 28. Februar in der Galerie Judith Dielämmer zu sehen, Infos unter Telefon 0 21 31/ 40 39 812 oder 2 0171/265 30 36.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer