Die Blöcke F und G des Kraftwerks Neurath sollen Anfang 2012 in Betrieb gehen.

BauFortschritt
Block G des Kraftwerks Neurath ist seit Ende Mai ans Stromnetz angeschlossen und produziert schon.

Block G des Kraftwerks Neurath ist seit Ende Mai ans Stromnetz angeschlossen und produziert schon.

Projektleiter Reinhold Elsen im Leitstand des Kraftwerkes.

Georg Salzburg, Bild 1 von 2

Block G des Kraftwerks Neurath ist seit Ende Mai ans Stromnetz angeschlossen und produziert schon.

Grevenbroich. Noch sind Bauarbeiter mit Fassadenarbeiten beschäftigt, nicht alle Verkehrswege fertig, noch läuft die Technik im Testbetrieb. Doch aus dem Kühlturm von Block G steigt schon Wasserdampf in den sonnigen Herbsthimmel. Alle Montagearbeiten an den Blöcken F und G im Kraftwerk Neurath sind abgeschlossen. Rund 1000 Arbeiter erledigen die Restarbeiten, in den Jahren zuvor arbeiten bis zu 3500 Personen auf der Baustelle. Fünf Jahre nach dem ersten Spatenstich steht Projektleiter Reinhold Elsen vor den riesigen Gebäuden und sagt sichtlich stolz: „Die heiße Phase der Inbetriebnahme läuft. Wir sind auf der Zielgeraden.“

580 Millionen Kilowattstunden Strom wurden in Block G erzeugt

In der sogenannten „kalten Phase“ der Inbetriebnahme waren zuvor Kraftwerkselemente wie Kohlebänder, Kühlwasseraufbereitung oder das Sicherheitssystem getestet worden. Seit April ist Block G in der „heißen Phase“, Block F folgt Ende September. „Heiße Phase“ bedeutet, dass die beiden Kraftwerksblöcke mit Braunkohle befeuert werden und im Testbetrieb laufen. „Die Inbetriebnahme eines Kraftwerkes mit Tausenden Komponenten läuft nicht wie bei einem Auto, wo man den Schlüssel umdreht und losfährt“, sagt Elsen. Die beiden Blöcke laufen eine Zeit und werden dann wieder abgeschaltet, um Prozesse zu optimieren.

Strom wird aber schon erzeugt. Seit Ende Mai ist Block G an das Stromnetz angeschlossen und hat seitdem 580 Millionen Kilowattstunden Strom produziert. Zum Vergleich: Ein durchschnittlicher Haushalt verbraucht pro Jahr rund 3500 Kilowattstunden.

Dabei ist Block G erst bei 85 Prozent seiner Leistung, weil die Anlage schonend und langsam angefahren werden soll. Kontrolliert wird alles im Leitstand auf riesigen Flachbildmonitoren. 25 Ingenieure und Techniker überprüfen die beiden riesigen Blöcke: „Im Prinzip könne wir das Kraftwerk mit einem Mausklick hochfahren“, sagt Elsen. Wer durch die riesigen Turbinenhallen und Kesselhäuser geht, dem fallen kaum Mitarbeiter des Kraftwerks auf. 200 RWE-Mitarbeiter werden hier nach der endgültigen Inbetriebnahme 2012 in fünf Schichten arbeiten.

Die Fertigstellung kommt eineinhalb Jahre später als geplant. Neben den Baustopps nach tödlichen Unfällen mussten immer wieder angelieferte Teile nachgearbeitet oder zurückgeschickt werden. Generell hätten alle Zulieferbetriebe für große Komponenten wie Kesselbauteile Lieferschwierigkeiten: „Man muss auf dem Weltmarkt anstehen. Ich kenne zurzeit kein Kraftwerksprojekt auf der Welt, das nicht ein halbes Jahr im Verzug ist“, sagt Elsen.

Die Abkürzung steht für „Braunkohlekraftwerk mit optimierter Anlagentechnik“. Die Technik ermöglicht es, heißeren Dampf unter größerem Druck zu erzeugen. Dadurch erhöht sich der Wirkungsgrad auf 43 Prozent und die CO2-Emissionen werden verringert.
 

RWE investiert mehr als 2,2 Milliarden Euro in das BoA-Projekt.
 

Im August 2006 legte Bundeskanzlerin Angela Merkel den Grundstein, im ersten Halbjahr 2012 sollen die beiden Blöcke fertig sein.
 

Pro Stunde und Block werden 820 Tonnen Braunkohle verfeuert.
 

Die Blöcke sollen Strom für rund neun Millionen Menschen produzieren.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer