Leibniz-Gymnasiastenentwickeln mit Zeitzeugen ein Theaterstück.

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Schüler des Leibniz-Gymnasiums treffen sich mit Zeitzeugen des II. Weltkriegs. Mit Neugier und Respekt gehen sie das Projekt an: Anna Güsgen, Delia Gerstenberg, Jelena Wachowski (vorne, v.l.) sowie Nicole Kassanke, Herbert Kremer, Michael Teupen, Bürgermeister Peter-Olaf Hoffmann, Barbara Schwarz und Stefanie von Bothmer (hinten, v.l.).

Schüler des Leibniz-Gymnasiums treffen sich mit Zeitzeugen des II. Weltkriegs. Mit Neugier und Respekt gehen sie das Projekt an: Anna Güsgen, Delia Gerstenberg, Jelena Wachowski (vorne, v.l.) sowie Nicole Kassanke, Herbert Kremer, Michael Teupen, Bürgermeister Peter-Olaf Hoffmann, Barbara Schwarz und Stefanie von Bothmer (hinten, v.l.).

Lemke

Schüler des Leibniz-Gymnasiums treffen sich mit Zeitzeugen des II. Weltkriegs. Mit Neugier und Respekt gehen sie das Projekt an: Anna Güsgen, Delia Gerstenberg, Jelena Wachowski (vorne, v.l.) sowie Nicole Kassanke, Herbert Kremer, Michael Teupen, Bürgermeister Peter-Olaf Hoffmann, Barbara Schwarz und Stefanie von Bothmer (hinten, v.l.).

Dormagen. Neun Schüler des Leibniz-Gymnasiums treffen sich ab dem 19. Februar wöchentlich im jüdischen Gemeindezentrum Chorweiler mit sechs Zeitzeugen des NS-Regimes.

Die Senioren erzählen von ihren Schicksalen, und die Schüler erfahren, was es hieß, von Nationalsozialisten verfolgt worden zu sein. Aus den Lebensgeschichten der Senioren wird ein Theaterstück erarbeitet, in dem beide – Schüler und Zeitzeugen – mitspielen werden. Von anfänglich 20 interessierten Schülern blieben am Ende neun. Das Interesse war bei allen groß, doch nach der ersten intensiveren Beschäftigung mit dem Thema Krieg und Verfolgung nahmen einige Schüler Abstand.

Das erste Projekt dieser Art in Deutschland

Die neun verbliebenen wagen jetzt den Schritt in die Vergangenheit, der sie Mut kosten und sie auch emotional fordern wird. Schulleiter Herbert Kremer geht davon aus, dass die Konfrontation der Schüler mit den Zeitzeugen zu tiefen Erschütterungen führen kann. „Echte Geschichten sind etwas anderes als ein Buch oder ein Film.“ Entsprechend wird das Projekt von der Diplom-Psychologin Vera Nevet begleitet. Die Senioren und die Schüler sollen unterstützt werden, wenn die Arbeit zu belastend wird.

Die Schülerin Delia Gerstenberg hat großen Respekt vor der Aufgabe: „Ich weiß nicht, wie ich reagieren soll, wenn ich von den Schicksalen hören werde. Aber ich möchte diesen Menschen Respekt zollen, indem ich ihnen zuhöre. Es ist die letzte Generation, die uns etwas von damals erzählen kann.“

Nicht einfach wird es auch für Schauspielerin Barbara Schwarz, die das Theater leiten und mit konzipieren wird: „Das wird auch für mich eine Abenteuerreise.“ Das Projekt verfolgt mehrere Ziele. Es geht um die Dokumentation von Lebensschicksalen, eine Gedenkkultur, einen Dialog der Generationen. Die Schüler gewinnen Einblick in Politik und Leben, den Zeitzeugen kann die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit bei der Bewältigung von Traumata helfen. Erstmalig findet solch ein Projekt, das auf dem in Israel weit verbreiteten Modell „Witness Theatre“ basiert, in Deutschland statt.

Michael Teupen vom Bundesverband Information und Beratung für NS-Verfolgte verantwortet das Theater und ist begeistert vom LGD: „Die Offenheit dieser Schule für das Projekt spricht für sich.“ Insgesamt wird der Prozess bis zum aufführungsreifen Theaterstück eineinhalb Jahre dauern.

Premiere hat es in der Aula des Leibniz-Gymnasiums, es soll aber auch in anderen Kultureinrichtungen aufgeführt werden. Bürgermeister Peter-Olaf Hoffmann will sich um weitere Spielorte bemühen, weil er das Projekt zwar „für schwierig, aber ausgezeichnet“ hält. Mit etwas Glück gibt es auch eine Aufführung in Berlin.

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