Zwei Dormagener feiern ihre kirchliche Trauung während eines Kfor-Einsatzes im Kosovo.

120 Soldaten verfolgten die Hochzeit in der Kapelle in Prizren.
120 Soldaten verfolgten die Hochzeit in der Kapelle in Prizren.

120 Soldaten verfolgten die Hochzeit in der Kapelle in Prizren.

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120 Soldaten verfolgten die Hochzeit in der Kapelle in Prizren.

Dormagen. Geplant hatten sie es bereits einige hundert gemeinsame Einsatztage zuvor, doch geklappt hat es erst jetzt in der Kapelle im Feldlager Prizren: Oberstabsfeldwebel Michael B. und seine Frau, Stabsfeldwebel Janin L.-B., aus Dormagen (das Paar möchte anonym bleiben, Red.) heirateten kirchlich – während ihres Kfor-Einsatzes im Kosovo.

Kennengelernt haben sich beide im Einsatz in Bosnien 2005. „Wir waren in Deutschland damals in Düsseldorf stationiert, daher kannten wir uns bereits vom Sehen“, erklärt die Braut. Im Einsatz stellte er dann die Verbindung her – im wahrsten Sinne des Wortes. „Er war für die Administration meines Computers verantwortlich und lag mir daher ständig zu Füßen“, erzählt die Dormagenerin lächelnd.

Seit dieser Zeit waren beide mehrfach zur gleichen Zeit bei Kfor-Einsätzen. Sie hat in sieben Einsätzen über 850 Diensttage gesammelt, er in acht Einsätzen sogar über 1000 Diensttage erreicht. „Uns macht es Spaß, auch wenn es wegen vieler Formalitäten nicht immer ganz einfach ist, einen gemeinsamen Einsatzzeitraum zu planen“, berichten beide übereinstimmend.

Ehemann sorgt immer für frische Blumen in der Stube

Bei den meisten Einsätzen flog Michael B. einige Tage voraus, um die Vorbereitungen für die gemeinsame Unterkunft zu treffen. „Ich packe aus, beziehe die Betten und sorge für frische Blumen in unserer Stube. Nach Deutschland sind wir bislang aber immer gemeinsam zurückgeflogen.“

Seit April 2009 ist das Paar bereits standesamtlich verheiratet. Seither versuchte es, die kirchliche Hochzeit im Einsatz zu arrangieren. „Ich fand die kleine Kapelle im Feldlager in Prizren schon immer sehr schön, besonders im Winter“, beschreibt die Bundeswehrsoldatin, wie ihr der Gedanke kam, im Einsatz zu heiraten. „Und diesen Wunsch wollte ich ihr natürlich auch erfüllen“, fügt der Ehemann hinzu.

Die Planungen liefen seit Ende Oktober. Geheiratet wurde im Flecktarn, ohne Schleier und Kleid, aber mit viel Gospelmusik, für die beide seit langem schwärmen. Unter anderem ertönten „Amazing Grace“ in einer Dudelsackversion und ein vom Feldlagerchor gesungenes „Oh, Happy Day“ aus der mit 120 Kameraden gut gefüllten Kapelle. „Das war einfach klasse“, lobt das Brautpaar Gesang und Ablauf der Zeremonie.

Kameraden haben sich ein paar Hochzeitsspiele ausgedacht

In Anlehnung an die soldatischen Fernmeldeaufgaben des Bräutigams verließ das Brautpaar die Kapelle durch ein Spalier von Fackelträgern und in die Höhe gehaltenen Funkantennen. Die Kameraden hatten sich außerdem ein paar Hochzeitsspiele für das frisch vermählte Paar einfallen lassen.

So musste der Bräutigam zunächst mit einem alten Feldfernsprecher eine Verbindung zu seiner Frau herstellen. Danach wurden ihnen Handschellen angelegt, um aneinander gekettet gemeinsam ein Herz auszuschneiden und in mit Sand gefüllten Eimern neben vielen Münzen den passenden Handschellenschlüssel herauszusieben. Bevor das Paar am Ende zusammen mit dem Feldlagertanzkurs, an dem beide begeistert teilnehmen, tanzen konnte, musste es noch gemeinsam einen Baumstamm zersägen.

Nach so viel körperlicher Anstrengung lud das frisch vermählte Paar die Kameraden auf den kleinen Weihnachtsmarkt ein, der für die rund 700 internationalen Angehörigen des Feldlagers Prizren aufgebaut worden war. Im beheizten Zelt waren Häppchen und Getränke vorbereitet.

Nach ihrer Rückkehr nach Deutschland im April wird die Feier mit den Familien und Freunden nachgeholt. „Für uns schließt sich durch die Hochzeit im Einsatz der Kreis. Wir würden alles wieder genauso machen“, sagen beide. Einen weiteren, dann wahrscheinlich letzten, Einsatz möchten die Dormagener aber noch zusammen absolvieren. Red

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