Vernetzte Mobilität ist nach dem autonomen Fahren der Megatrend der Zukunft. Es geht um nichts weniger als eine Kulturrevolution für Autos und Mobilität.

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Mit „Olli“ bietet Local Motors den ersten autonomen und alltagstauglichen Minibus an. Er ist mit dem Supercomputer Watson von IBM vernetzt.

Mit „Olli“ bietet Local Motors den ersten autonomen und alltagstauglichen Minibus an. Er ist mit dem Supercomputer Watson von IBM vernetzt.

Uwe Anspach / dpa

Mit „Olli“ bietet Local Motors den ersten autonomen und alltagstauglichen Minibus an. Er ist mit dem Supercomputer Watson von IBM vernetzt.

Die Gleichberechtigung zwischen Mensch und Maschine wurde gerade erst gesetzlich festgeschrieben. An deutschen Steuern dürfen Computer jetzt auch die vollständige Kontrolle in allen Situationen und bei jeder Geschwindigkeit übernehmen. Damit steht der weiteren Entwicklung autonomer Fahrzeuge auf deutschen Straßen juristisch nichts mehr im Wege. Doch wo genau liegen die Vorteile, wenn alles von alleine saust und braust? Klar ist: die autonomen Fahrzeuge vernetzen sich. Zu einfach ist die technische Umsetzung, zu vielversprechend die Geschäftsmodelle, die darauf basieren können.
Setzen wir vollautonome Autos einmal voraus - völlig unabhängig von der Antriebsart. Deren Vernetzung bedeutet, dass alle Fahrzeuge über ein zentrales System ihre Daten austauschen. Die Zentrale weiß, wo sich jedes Fahrzeug befindet und kann diese auf Anfrage an bestimmte Orte schicken.

„Der Schwarm“ denkt nicht, er reagiert

Das schafft keinen selbstdenkenden Schwarm von mobilen Vehikeln, der ohne menschliches Zutun von einer künstlichen Intelligenz gesteuert wird. Es ist lediglich die erweiterte Grundlage für das schon heute existierende Flottenmanagement.
Doch bisher teilt der Deutsche sein Auto ungern. Das Besitzen eines eigenen Automobils ist tief in die DNA eingebrannt. Nach über 60 Jahren intensiver Produktpropaganda glauben heute tatsächlich viele Menschen, dass der Besitz eines solchen Gegenstands sie wertvoller, bedeutender, freier oder sogar attraktiver macht. Dieser verkaufsfördernde Emotions-Irrsinn muss erstmal raus aus den Köpfen. Vom Besitzen zum teilen – der Wechsel dieser Kulturtechniken kann dauern. Auch wenn die Kostenvorteile vernetzter und geteilter Mobilität unübersehbar sind: „Alles was wir an Mobilität benötigen, kann zukünftig ohne Einschränkungen für nur etwa 20 Prozent der bisherigen Kosten realisiert werden“, davon ist Jörg Heynkes, mobiler Zukunftsaktivist überzeugt. In seinem Kopf zeichnet sich das kommende Mobilitäts-Szenario schon klar ab: Alle Autos in der Stadt sind Eigentum von Mobilitätsanbietern. Gezahlt wird nur noch für gefahrene Kilometer, nicht mehr für Versicherungen oder Treibstoff. Jeder Teilnehmer ruft sich ein Auto nach Bedarf – über das Smartphone oder öffentliche Terminals. Dieses Fahrzeug bietet den gewohnten Tür-zu-Tür-Service des eigenen PKWs.

Neue Freiheit für die Stadt

Wie aber kommt nun der günstige Preis für die vernetzte Mobilität zustande? Die Antwort ist revolutionär einfach: durch die Vernetzung können viel weniger Autos viel effizienter genutzt werden. In Wuppertal besitzen die 360 000 Einwohner rund 170 000 PKWs. Diese stehen, wie fast alle privaten PKWs, über 23 Stunden am Tag nur rum. Dafür gibt es in der Stadt über 600 000 Parkplätze. „Vernetzte Mobilität bedeutet, dass es in einer Stadt nur so viele Autos gibt, wie auch wirklich benötigt werden“, erklärt Jörg Heynkes. „Und da sie immer aktiv sind, benötigen sie kaum noch Parkplätze.“ Aktiv und vernetzt gemanagt würde eine Stadt wie Wuppertal nur etwa 20 000 Vehikel benötigen, um die innerstädtische Mobilität aller Bewohner zu gewährleisten.

Legt man für die Größe eines Parkplatzes 2,5 mal 5 Meter zugrunde, ergibt sich durch den Wegfall der Abstellplätze eine Gesamtfläche von über drei Millionen Quadratmetern. An jeder Ecke, in jeder Straße und vor jeder Firma tun sich damit Flächenreserven auf, von der kein Stadt- oder Verkehrsplaner jemals zu träumen gewagt hätte. Dies bedeutet eine echte Chance zur Neugestaltung des urbanen Lebensraums. Neben dem Zugewinn an Zeit und Geld ist dies wohl die größte Verheißung der schwarmbasierten Mobilität.


Info

-Die Vernetzung autonomer Fahrzeuge, hat das Potential in den Städten mehr freien Raum durch weniger Parkplätze zu schaffen.
-Vernetzen bedeutet zukünftig auch teilen. Jeder sollte selber prüfen, ob ein eigenes Auto weiter sinnvoll ist.
-Vor der größten Veränderung stehen Autohersteller und Versicherer. Ihnen wird ein großer Teil der traditionellen Geschäfte wegbrechen.

 

Lesetipp

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