Sanfter Tourismus erhebt den Anspruch Urlauber und nahezu unberührte Natur zusammenzubringen. Viele Regionen haben dafür Strategien entwickelt – zum Wohle der Natur, der Bewohner und Gäste.

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Immer schön, aber meist auch weit weg: Strandurlaub unter Palmen auf den Cook Inseln im Pazifik.

Immer schön, aber meist auch weit weg: Strandurlaub unter Palmen auf den Cook Inseln im Pazifik.

DB Ehlers / dpa

Immer schön, aber meist auch weit weg: Strandurlaub unter Palmen auf den Cook Inseln im Pazifik.

Eine Milliarde Menschen unternehmen jedes Jahr mindestens eine Urlaubsreise. Allein die etwa 80 Millionen Deutschen machen jährlich rund 70 Millionen Erholungsreisen. Ziel Nummer eins: Kontakt zur Natur. Dabei ist nachhaltiger Tourismus auf den ersten Blick ein Widerspruch in sich. Einerseits geht es um engen Naturkontakt: mit Delphinen zu schwimmen und sie nicht „nur“ aus der Ferne zu beobachten oder Urwälder zu durchstreifen, anstatt sie mit rücksichtsvollem Abstand von einer Aussichtsplattform zu genießen. Andererseits legt der sanfte Tourismus größten Wert darauf, dass Naturkapital der Gastregion schonend zu schützen. Je mehr gestresste Großstädter in die Naturreservate strömen, umso schwieriger wird es, diese für die Menschenmassen zu bewahren.

Natur für alle nach strengen Regeln

„In den großen Nationalparks der USA geht das nur noch mit harten Maßnahmen“, erklärt Martin Balaš vom Tourismus und Beratungsbüro BTE. Damit die jährlich etwa vier Millionen Besucher des weltberühmten Yosemite Nationalparks überhaupt noch etwas vom Park übriglassen, was sich zukünftige Besucher noch anschauen können, gelten hier harte Regeln. Dazu gehören Eintrittsgelder und strenge Restriktionen für den Aufenthalt im Park. 90 Prozent des Touristenansturms wird so in die Kern-Besucherzone des Yosemite-Valley gelenkt. Wanderungen außerhalb dieser Kernzone muss die Parkleitung genehmigen. Die Freiheit des Einzelnen wird hier zum Wohle der Mehrheit begrenzt. „So dramatisch ist die Situation in Deutschland noch nicht. Hierzulande ist Natur noch frei erlebbar“, sagt Balaš von BTE. Das Tourismus Beratungsbüro betreut zurzeit den Bundeswettbewerb „Nachhaltige Tourismus Destination“. Fünf Finalisten stehen bereits fest. Der Sieger wird am 14. Juni in Berlin gekürt.

Wie entsteht Nachhaltigkeit? Gemeinsam mit Strategie!

Allen Nominierten ist es aus Sicht der Jury gelungen, besonders effizient mit ihren natürlichen Ressourcen umzugehen. Schutz, Erhalt und die nachhaltige Nutzung ihrer biologischen Vielfalt und des Natur- und Kulturerbes sind hier preisverdächtig. Sie bieten intensive Naturerlebnisse, ohne die Umwelt zu zerstören. Dafür haben sie Strategien und Prinzipien entwickelt, die die lokale Bevölkerung einbindet und die Bedürfnisse der Gäste nach Erholung und Erleben mit den Interessen des Natur- und Umweltschutzes vor Ort verbindet. Denn eine Region kann nur als Ganzes wirklich nachhaltig sein. Nur dann trägt der nachhaltige Tourismus zur Wertschöpfung und zur kulturellen Vielfalt in der Gastregion bei.

Auch ohne Bundeswettbewerb liegen nachhaltige Tourismusziele gerne in der Nähe. Denn die Reise selbst, ist meist mit den größten Umweltverbräuchen verbunden. Nach Angaben der Umweltstiftung WWF verursacht der Flug nach Mallorca und zurück, in etwa genauso viel CO2 wie ein Jahr lang Autofahren. Nachhaltiger Tourismus plädiert jedoch nicht darauf, ein Leben lang am Baggersee um die Ecke zu Urlauben. Ein überlegter und vor allem informierter Umgang mit der Materie ist geboten. Der Kurz-Shopping-Trip nach New York könnte schon bei der Abwägung des persönlichen Nutzens gegen die globalen Umweltkosten ausscheiden. Eine nachhaltige Lösung könnte auch der längere Besuch des New Yorker Umlands sein. Das führt zu mehr Urlaubszeit bei gleichen Umweltverbräuchen durch An- und Abreise.


Werte schaffen

Die stumpfe Logik des Wachstums, von allem immer mehr, gilt im nachhaltigen Tourismus nicht. Immer mehr Besucher führen zu einer Überlastung der Naturkapazitäten der Gastgeberregion. Hier bedeutet Wachstum längere Aufenthalte, mehr Familien und längere regionale Wertschöpfungsketten. Den Touristen beispielsweise keine Weintrauben, sondern fertigen „regional verarbeiteten“ Wein zu verkaufen.

 

Info

-Nicht alles was möglich ist, macht auch Sinn. Heute muss der Urlauber selber sinnige von unsinnigen Reiseangeboten unterscheiden.

-Reisen kostet, auch die Umwelt. Je kürzer die Distanz, desto besser für uns.

-Alle Bewohner einer Urlaubsregion müssen eine nachhaltige Entwicklung mittragen und davon profitieren.

 

Lesetipps

Reiseportal für Nachhaltigen Tourismus. Mit Selbstcheck und Übersicht über die unterschiedlichen Labels der Branche:
http://www.fairunterwegs.org

Alternative Hotelangebote weltweit:
https://www.bookdifferent.com

Zu Deutschlands nachhaltigsten Urlaubsregionen:
http://www.bundeswettbewerb-tourismusdestinationen.de