Völlig autark zu sein, also Strom und Wärme selber zu erzeugen klingt verlockend. Aber ist es auch sinnvoll?

Smartes Gerät wird Ziegelstein: Wenn Anbieter den Stecker ziehen
Ein Haus ohne Stromanschluss ist auf absehbare Zeit in Städten nicht sinnvoll, auch wenn moderne Technologien den Gedanken nahelegen.

Ein Haus ohne Stromanschluss ist auf absehbare Zeit in Städten nicht sinnvoll, auch wenn moderne Technologien den Gedanken nahelegen.

Bildagentur-online

Ein Haus ohne Stromanschluss ist auf absehbare Zeit in Städten nicht sinnvoll, auch wenn moderne Technologien den Gedanken nahelegen.

Im Hintergrund besteht eine moderne Zivilisation zu einem guten Teil aus Netzwerken. Nein, gemeint sind hier mal nicht die Datennetze. Kein Netz hat wohl so viel zur Lebensqualität in den Städten beigetragen wie die Wasser- und vor allem Abwassernetzwerke. Mit dem filigranen Geflecht an Stromleitungen, verhält es sich ebenso. Doch die neuen Technologien zur lokalen Erzeugung von Strom und Wärme bereiten dem Gedanken der energetischen Unabhängigkeit den Weg. Aber warum streben Menschen für ihre Immobilien wieder verstärkt einen Zustand an, der durch den Aufbau der modernen Versorgungsnetze als überwunden galt?

AUTARKIE MEINT GEFÜHLTE SICHERHEIT

Die Vorstellung völlig unabhängig zu sein, der sprichwörtliche Herr im eigenen Haus zu sein, bedient Ursehnsüchte des Menschen nach Sicherheit und Handlungsfähigkeit. Die steigenden Energiekosten dürften weiteres Wasser auf die Autarkie-Mühlen sein. Aber für seine Versorgungssicherheit wirklich zu 100 Prozent selber die Verantwortung zu übernehmen und seinem Haus den Stecker zu ziehen, davon rät Gerhard Stryi-Hipp, Leiter für Energiepolitik des Fraunhofer Instituts für Solare Energiesysteme in Freiburg ab. „Es ist immer sinnvoll Strom und Wärme direkt vor Ort zu produzieren und zu verbrauchen“, sagt der Experte. Oft werden am Markt jedoch Gebäude als autark bezeichnet, die lediglich in ihrer Jahresbilanz genauso viel Strom oder Wärme erzeugen, wie sie verbrauchen. Dabei entstehen im Jahresgang erfahrungsgemäß Überschuss- und auch Mangelsituationen. Diese können recht einfach von außen ausgeglichen werden. Um das mit dem Gebäude selbst gewährleisten zu können, müsste die technische Ausrüstung erheblich sein. „Batterien und Wassertanks im Keller um Solarstrom und -wärme zu speichern, ist sicher sinnvoll. Um die eigene Versorgungssicherheit hundertprozentig zu gewährleisten, würde es jedoch sicher eines zusätzlichen Blockheizkraftwerks oder einer Brennstoffzelle mit Biomasse bzw. Wasserstoff benötigen“, ist sich Stryi-Hipp sicher. Eine solche Gebäudeausrüstung ist wirtschaftlich oft unvernünftig. Zumal der Strom von außen heute schon zu 35 Prozent aus grünen Quellen stammt. Bis 2050 sollen es nahezu hundert Prozent sein. Der Umwelt leistet der Autarkie-Fetischist mit seinen Unabhängigkeitsbestrebungen also eher keinen Dienst.

Zukünftig wird es durch intelligente Netzsteuerung immer weiter Richtung Eigenproduktion und Sofortverbrauch gehen, denn effizienter geht es nicht. Aber ein schneller Ausgleich zwischen Häusern oder in Quartieren im Dienste der Gesamteffizienz wird auch immer ein Netzwerk dazwischen benötigen.

LESETIPPS

Energiewende selber machen!
vom Bundesverband der Windenergie e.V., Herausgeber: neue Energie
Energieplus Häuser von Bettina Rühm, DVA