Bisher bieten zwei Firmen Modelle ohne Konfliktmineralien an.

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Samuel und Carsten Waldeck, Geschäftsführer von Shiftphones, dem hessischen Hersteller von fairen Handys.

Samuel und Carsten Waldeck, Geschäftsführer von Shiftphones, dem hessischen Hersteller von fairen Handys.

Bas van Abel, Geschäftsführer von Fairphone, präsentierte vergangenen Herbst in Würzburg sein neues Modell.

Shiftphones, Bild 1 von 2

Samuel und Carsten Waldeck, Geschäftsführer von Shiftphones, dem hessischen Hersteller von fairen Handys.

Smartphones werden immer dünner und gleichzeitig leistungsstärker. Damit das funktioniert, benötigen sie seltene Mineralien. Coltan zum Beispiel, das im Tantal-Elektrolytkondensator in jedem Mini-Elektrogerät eingebaut ist. Eines der Haupt-Abbaugebiete von Coltan liegt in der Demokratischen Republik Kongo.

Als der Bedarf an Coltan in den 90er Jahren stark stieg und der Preis dementsprechend mit, begannen Kämpfe um die Abbaugebiete. Bis heute gibt es immer wieder Unruhen im Ostkongo. Außerdem fällen die Coltan-Schürfer Regenwald, um an weitere Erzquellen zu gelangen. Auch die Arbeits- und Lebensbedingungen vieler Minenarbeiter sind schlecht. Die Infrastruktur ist an vielen Orten wegen der Kämpfe und durch korrupte Herrscher zusammengebrochen. Neben Coltan gelten Kassiterit (Zinnerz) und Wolframit als „Konfliktrohstoffe“, die regelmäßig zu Konflikten führen. Immer mehr Elektronikhersteller fordern deshalb von ihren Lieferanten Garantien für eine saubere Herkunft. Diese ist jedoch gar nicht so einfach zu geben: Zu unübersichtlich ist die Lage vor Ort, zu viele Zwischenhändler tragen ihren Teil bei.

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Samuel und Carsten Waldeck, Geschäftsführer von Shiftphones, dem hessischen Hersteller von fairen Handys.

Samuel und Carsten Waldeck, Geschäftsführer von Shiftphones, dem hessischen Hersteller von fairen Handys.

Bas van Abel, Geschäftsführer von Fairphone, präsentierte vergangenen Herbst in Würzburg sein neues Modell.

Daniel Karmann / dpa, Bild 1 von 2

Bas van Abel, Geschäftsführer von Fairphone, präsentierte vergangenen Herbst in Würzburg sein neues Modell.

Erste Start-up-Firmen bringen deshalb jetzt fair hergestellte Handys auf den Markt. Die in Deutschland erfundenen Shiftphones etwa kommen komplett ohne Coltan aus. „Wir achten darauf, dass bei der Fertigung niemand ausgenutzt wird: Faire Löhne und Arbeitszeiten, keine Kinderarbeit sowie gute Arbeitsbedingungen sind für uns selbstverständlich“, sagt Samuel Waldeck. Mit seinem Vater und seinem Bruder entschloss er sich vor zwei Jahren, ein faires Handy zu entwickeln. Inzwischen hat das zehnköpfige Unternehmen drei Modelle auf dem Markt. Finanziert wird die Entwicklung komplett über Crowdfunding, um von Investoren unabhängig zu sein.

Die Nichtregierungsorganisation Taos überprüft in China die Arbeitsbedingungen für Shiftphone. Die Arbeiter verdienen dabei rund doppelt so viel wie in vergleichbaren Firmen und sind deutlich besser abgesichert. Als nächsten Schritt baut Shiftphone gerade in China einen eigenen Fertigungsbetrieb auf, um die Arbeitsbedingungen noch besser kontrollieren zu können. „Ein komplett faires Gerät zu bauen ist derzeit leider noch nicht möglich, denn das würde bedeuten, dass man alles über die Herkunft der Materialien, Teile und Zulieferbetriebe wissen müsste. Wir tun, was wir können“, erklärt Samuel Waldeck. Hinzu kommt, dass die Kunden selbst Hand anlegen dürfen: Ist etwas kaputt, verschickt der hessische Hersteller Ersatzteile und zeigt in Videos, wie diese eingesetzt werden. Sogar die Gewährleistung gilt dann weiter.

Von den technischen Daten her kann das 299 Euro teure Shift 5.2 mit gängigen Marktführern mithalten: 2GB DDR Ram, 16 GB interner Speicher, 5MP Front- und 8MP Rückkamera, 5 Zoll-HD-Display, Dual SIM, Prozessor MT6582: 3G, Quadcore, Gewicht: 140 Gramm. Betrieben wird das Handy über Android. Auf der CeBit wurde jetzt das neue Shift 12 vorgestellt: „Tablop“ nennen es die Hessen und meinen damit die Verbindung aus einem Notebook und einem Tablet dank abnehmbarer Tastatur. Derzeit sammelt das innovative Team noch Geld für die Herstellung.

Die niederländische Firma Fairphone hat ihr zweites Modell auf dem Markt. Ihr Ziel: Ein langlebiges Handy aus fair gewonnenen und gehandelten Materialien, das unter guten Arbeitsbedingungen hergestellt wird. Dafür wurde sie 2016 mit dem Deutschen Umweltpreis ausgezeichnet. Das Design soll zeitlos sein und die Einzelteile lassen sich bei Bedarf austauschen sowie recyceln. Das Display etwa lässt sich ohne Hilfe von Werkzeug ersetzen. 80 Mitarbeiter arbeiten in Amsterdam an der Perfektionierung. Die Rohstoffe kommen aus geprüften, konfliktfreien Minen. Deshalb wurden dem Fairphone Umwelt-Siegel wie der Blaue Engel oder der Lovie-Award verliehen.

Das Fairphone verfügt über ein 5-Zoll HD-Display, Qualcomm Krait 400 Prozessor und Android Betriebssystem. Es kann zwei Sim-Karten gleichzeitig verarbeiten – praktisch für Menschen, die viel reisen, oder die zwischen Privat- und Geschäftshandy unterscheiden wollen. Der Speicher enthält 32 GB und kann per SD Karte erweitert werden, der Arbeitsspeicher 2 GB. Die Kameras haben 8 und 2MP. Das Handy wird in Rot, Weiß, Dunkel- und Hellblau angeboten, die Frontseite ist jeweils Schwarz. Wer sich derzeit ein Fairphone für rund 530 Euro anschaffen will, muss sich noch etwas gedulden: Ab September sollen derzeit bestellte Handys ausgeliefert werden, erklärt der Hersteller. Bei manchen Telefongesellschaften sind allerdings Fairphones in Verbindung mit einem Vertrag direkt erhältlich.

Sowohl Fairphone als auch Shiftphone sehen sich als Vorreiter. Sie wollen ein Bewusstsein für fairen Handel, konfliktfreie Mineralien und Langlebigkeit bei elektronischen Geräten schaffen. Auch erste große Anbieter von Elektronik-Bauteilen werben mit konfliktfreien Mineralien. Je mehr die Käufer nach solchen Eigenschaften fragen, desto größer ist der Druck auf die Hersteller, sich um gute Arbeits- und Lebensbedingungen in Afrika oder Asien zu kümmern. Wer zusätzlich alte Handys und Smartphones zum Recyceln abgibt und nicht jedes Jahr ein neues Modell kauft, trägt seinen Teil zum nachhaltigen Wirtschaften bei.


Konfliktrohstoffe

Als Konfliktrohstoffe werden solche bezeichnet, deren Abbaugebiete umkämpft sind, meist unter Beteiligung von Söldnertruppen und Milizen. Oft werden bei der Produktion systematisch Menschen- und Arbeitsrechte missachtet. Zwangsarbeit, Kinderarbeit und inhumane Arbeitsbedingungen sind die Folge. Häufig sichern sich Aufständische durch das Besetzen von Minen und anderen Quellen eine finanzielle Grundlage. Insbesondere gelten Zinnerz, Coltan, Gold und Wolframit als Konfliktrohstoffe.


Info

-Smartphones ohne blutige Konfliktmineralien
-Einzelteile können einfach ausgetauscht werden
-Die Modelle sollen viele Jahre halten


Websites

www.shiftphones.de
www.fairphone.com