Jochen Stiebel ist Geschäftsführer des Netzwerks Neue Effizienz. Es fördert die Energie- und Ressourceneffizienz in der Region auf den Themenfeldern Industrie, Stadt, Mobilität und Bildung. Der Diplom Ökonom mit Schwerpunkt Berg- und Energiewirtschaft hat den Aufbau des Netzwerks von Anfang an begleitet.

Mit weniger Energie mehr erreichen. Dafür bringen Geschäftsführer Jochen Stiebel und sein Team im Bergischen Land Kommunen, Wissenschaft und Wirtschaft zusammen.
Mit weniger Energie mehr erreichen. Dafür bringen Geschäftsführer Jochen Stiebel und sein Team im Bergischen Land Kommunen, Wissenschaft und Wirtschaft zusammen.

Mit weniger Energie mehr erreichen. Dafür bringen Geschäftsführer Jochen Stiebel und sein Team im Bergischen Land Kommunen, Wissenschaft und Wirtschaft zusammen.

Christine.Heinemann@RUB.de

Mit weniger Energie mehr erreichen. Dafür bringen Geschäftsführer Jochen Stiebel und sein Team im Bergischen Land Kommunen, Wissenschaft und Wirtschaft zusammen.

Herr Stiebel, wer ist auf die Idee gekommen, die Neue Effizienz zu gründen und warum?
Jochen Stiebel: Die Initiative ging 2012 von den Wuppertaler Stadtwerken (WSW) aus. Unsere heutigen Gesellschafter sind die Stadtwerke und Wirtschaftsförderungen der drei Bergischen Städte, die Bergische Universität, das Unternehmen Knipex, die Firmengruppe Küppers und die Bergische Struktur- und Wirtschaftsförderungsgesellschaft.

Die WSW hatten erkannt, dass die Bedürfnisse der Industrie bei der Energiewende sehr komplex sind und wollten Wirtschaft und Wissenschaft mit ins Boot holen. Denn es war klar, dass ein gutes Angebot bei Ressourcen- und Energieeffizienz zukünftig ein regionaler Wettbewerbsvorteil sein wird. Das darzustellen ist unsere Aufgabe. Wir sind die Schnittstelle zwischen Wirtschaft, Wissenschaft und den Kommunen.

Können Sie das an einem Beispiel verdeutlichen?

Stiebel: Gerne. Ein Unternehmen in Remscheid wollte eine große Solaranlage installieren, um seine immensen Stromkosten zu senken. Die Anlage war sehr groß und damit teuer. Wir haben uns als erstes die Stromverbraucher im Unternehmen angeschaut. Im Ergebnis wurde die veraltete Druckluftanlage erneuert. So konnte der Stromverbrauch gesenkt werden und die Solaranlage entsprechend kleiner und günstiger ausfallen.

Sie analysieren und beseitigen also die Schwachstellen im Unternehmen?

Stiebel: Nicht direkt. Wir bieten Unterstützung und Orientierung bei wichtigen Fragestellungen. Egal ob es um Druckluft oder Wärmerückgewinnung geht, wir haben immer die passenden Experten in der Region. Wir finden diese für die Firmen und reduzieren so die Suchkosten und -zeiten der Unternehmen.

Was machen Sie, wenn es keine passenden Experten gibt?


Stiebel: Dann fragen wir die Wissenschaft. Es gibt viel, was noch erforscht werden muss. Warum sollte dies nicht im Bergischen geschehen? Staatliche Förderprogramme haben immer eigene Richtlinien. Da müssen oft viele Spezialisten zusammenkommen. Das mit regionalen Playern darzustellen und den Antrag erfolgreich einzureichen, ist auch unsere Aufgabe.

Wie funktioniert das konkret?


Stiebel: Das ist ein sensibler Bereich. Noch kann ich nur sagen, dass es bei zwei Projekten sehr gut aussieht. Da geht es jeweils um zweistellige Millionenbeträge im Bereich Elektromobilität und Stadtentwicklung. Bei beiden Projekten sind wir sehr gut aufgestellt, da wir das Wuppertal Institut und Lehrstühle der Bergischen Universität mit an Bord haben.

Von wem geht dabei die Initiative aus?

Stiebel: Das ist sehr unterschiedlich. Wir sind ein Netzwerk ohne Einbahnstraßen. Egal ob Kommune, Wirtschaft oder Wissenschaft, wir helfen jedem weiter, der einen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung der Region leisten möchte.

Zur nachhaltigen Entwicklung gehört auch immer die soziale Komponente. Gehört das auch zu Ihren Tätigkeiten?

Stiebel: Ja, jede Entwicklung braucht Menschen, die etwas tun. Bei nachhaltiger Entwicklung spielen Denkweise und Wissen eine besonders große Rolle. Wir versuchen, junge Studierende für das Thema zu begeistern. Daher veranstalten wir jedes Jahr zusammen mit dem UNESCO-Lehrstuhl für Entrepreneurship und Interkulturelles Management von Prof. Christine Volkmann von der Bergischen Universität den Studierenden Kongress „Sustainable Insights“. Die Schirmherrschaft übernahm dieses Jahr die Ministerin für Innovation, Wissenschaft und Forschung Svenja Schulze. Das macht die Bedeutung auf Landesebene deutlich. Es ist bundesweit die größte Veranstaltung ihrer Art und lockt jährlich über Hundert junge Menschen ins Bergische Land.

Was hat die Region von solchen Veranstaltungen?

Stiebel: Der Kongress ist sehr praxisnah. Wir stellen engagierte Unternehmen vor und in Fallbeispielen entwickeln die Teilnehmer eigene Ideen. Das Wichtigste aus meiner Sicht aber ist, dass wir darüber das Bergische Land als nachhaltige Region bei den kommenden Fachkräften bekannt machen. Als Ort der Möglichkeiten, an dem man gestalten kann. Denn so ist es! Es entsteht eine klassische Win-Win-Situation für die lokale Wirtschaft und den gestaltungswilligen Nachwuchs.

Sticht das Bergische Land mit der Neuen Effizienz wirklich so hervor, oder nennen andere Regionen ihre Netzwerke nur anders?

Stiebel:
Die Frage müssten Sie eigentlich Anderen stellen. Meiner Kenntnis nach ist das schon außergewöhnlich, was wir hier geschaffen haben. Das bundesweite Interesse an der Neuen Effizienz ist riesig. Anfragen und Einladungen bekommen wir aus der ganzen Republik und im Umweltwirtschaftsbericht 2015 sind wir die einzige Institution unserer Art.

Was macht die Neue Effizienz in naher Zukunft?


Stiebel: Mehr Effizienz natürlich! Das ist für uns ein Grundbedürfnis. Und für die Industrie ein wichtiges und langfristiges Thema. Letztlich geht es doch darum, dass unsere Wirtschaftsweise erwachsen werden muss. Dieser verschwenderische Umgang mit Energie und den natürlichen Ressourcen muss aufhören, ohne dass wir an Leistungskraft verlieren. Dazu einen Beitrag leisten zu können, ist für das gesamte Team der Neu-en Effizienz ein Traumjob.

Das Gespräch führte Christian Höher.

Weitere informationen finden Sie unter www.neue-effizienz.de.

DIE REPUBLIK ZU GAST BEI FREUNDEN

Der Nachhaltigkeits-Kongress „Sustainable Insights“ ist die größte Veranstaltung für Studierende und Absolventen im deutschsprachigen Raum. 2016 beschäftigten sich 130 junge Menschen aus zehn Bundesländern mit dem Thema Stadtwandel und nachhaltige Städte. Hier wurden komplexe Zukunftsfragen praxisnah und interdisziplinär erörtert und so unkonventionelle Lösungen aufgezeigt. Die Schirmherrschaft hatte NRW-Wissenschaftsministerin Svenja Schulze. In der Eröffnungsrede gab Prof. Uwe Schneidewind, Präsident des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt, Energie wichtige Impulse.

Weitere Informationen finden Sie unter www.sustainable-insights.de.