Bisher haben E-Busse eine zu geringe Reichweite. Deshalb wollen die Stadtwerke jetzt Busse mit Brennstoffzellen ausprobieren.

Auf den Messen sorgen die Busse mit Brennstoffzellen für viel Aufmerksamkeit. Ihre Alltagstauglichkeit müssen sie noch beweisen.
Auf den Messen sorgen die Busse mit Brennstoffzellen für viel Aufmerksamkeit. Ihre Alltagstauglichkeit müssen sie noch beweisen.

Auf den Messen sorgen die Busse mit Brennstoffzellen für viel Aufmerksamkeit. Ihre Alltagstauglichkeit müssen sie noch beweisen.

Kay Nietfeld / dpa

Auf den Messen sorgen die Busse mit Brennstoffzellen für viel Aufmerksamkeit. Ihre Alltagstauglichkeit müssen sie noch beweisen.

Wer schon einmal hinter einem Bus geradelt ist, kennt zur Genüge die unangenehmen Abgase. Doch auch die Betreibergesellschaften des öffentlichen Nahverkehrs suchen nach neuen Wegen, ihre Fahrzeugflotte umweltfreundlicher umzurüsten. Zwar sind Busse auf jeden Fall sinnvoller, als wenn jeder Fahrgast einzeln mit einem Auto fährt; doch in der Summe spielen gerade im Stadtzentrum die vielen Busse eine durchaus entscheidende Rolle bei der Sauberkeit der Luft.

Einen wichtigen Effekt hatte die Einführung der Plaketten, die das Fahren in Innenstädten nur für Fahrzeuge mit ordentlichen Abgaswerten erlaubt. „Seit dem Jahr 2014 kaufen wir nur noch Busse mit der neuesten Euro 6 Abgasnorm. Das entlastet die Umwelt, und zudem sind diese neueren Busse auch wesentlich leiser als ältere Modelle“, sagt Guido Stilling, Pressesprecher der Stadtwerke Krefeld (SWK). Noch schonender sind die zehn Hybrid-Busse bei den SKW. Bei langsamer Fahrt und Anfahrt der Haltestellen benutzen sie den Elektro-Antrieb, der den wartenden Fahrgästen gute Luft beschert. Wenn sie ordentlich Gas geben, etwa bei Überland-Fahrten, wird der Diesel zugeschaltet.

E-Busse: Die Akkus müssen effektiver werden

Für die Zukunft hoffen die Stadtwerke auf Elektro-
busse. Bisher allerdings sei die Technik nicht ausgereift, erklärt Holger Stephan, Konzernsprecher der Wuppertaler Stadtwerke: „Wir hatten Elektrobusse verschiedener Hersteller hier. Aber in Wuppertal haben diese wegen der bergigen Topografie nur 30 Kilometer Reichweite – das ist nicht praktikabel.“ Auf ebener Strecke schaffen die E-Busse rund 100 Kilometer; doch erst ab 300 Kilometern sei diese Technik für den Linienverkehr interessant, sagt Guido Stilling.

Ein Pilotprojekt zu diesem Problem läuft gerade in Solingen: Da dort in einigen Bereichen bereits elektrische Oberleitungen genutzt werden, sollen nun E-Busse ihre Batterien über diese Leitungen aufladen. So brauchen sie nur kurze Strecken mit Oberleitung und könnten anschließend wieder frei und mit größerer Reichweite fahren. Neben den Stadtwerken Solingen sind an der Erforschung dieser Technik auch die Neue Effizienz, die Bergische Universität Wuppertal und die Firma Vossloh-Kiepe beteiligt. Für Städte ohne Oberleitungen ist die Idee jedoch wenig attraktiv. Denn der Aufwand für das Installieren der Leitungen ist hoch.

Fördergeld für Busse mit Brennstoffzellen beantragt

Ein sehr innovatives Projekt planen gerade die Wuppertaler Stadtwerke. Sie wollen die Energie für ihre Busse in Brennstoffzellen erzeugen. „Den Wasserstoff dafür könnte unsere Abfallwirtschaftsgesellschaft produzieren“, erklärt Holger Stephan. Zehn Busse mit der zukunftsweisenden Technik sollen für die Testphase angeschafft werden. Da diese jedoch rund doppelt so teuer sind wie normale Busse, brauchen die WSW dafür Fördergelder. Die Anträge dafür sind eingereicht, mit einem Förderbescheid wird Mitte 2017 gerechnet. Brennstoffzellen haben den Vorteil, dass sie bei der Energie-Erzeugung keinerlei Abgase erzeugen. Wegen der hohen Kosten wurde die Technik lange außer Acht gelassen. Jetzt laufen für verschiedene Anwendungsmöglichkeiten Forschungsprojekte. Vielleicht fahren dann in 20 Jahren nur noch Busse mit Brennstoffzellen, wer weiß?

Tanja Heil


Brennstoffzelle

Seit mehr als 100 Jahren wird mit der Technik experimentiert, die aus Wasserstoff und Sauerstoff Energie erzeugt. Der große Vorteil: Brennstoffzellen erzeugen keine Abgase und machen keinen Lärm. Der Wasserstoff kann auf verschiedenen Wegen aus Erdgas, Vergärung von Biomasse oder bei der Produktion von Chlor hergestellt werden. Doch die Herstellung von Brennstoffzellen ist bisher sehr teuer, weil sie viel Platin benötigt. Die Technik gilt jedoch als bedeutsam für die Zukunft und wird immer häufiger eingesetzt. Erste Züge und Straßenbahnen mit Brennstoffzellen sind bereits im Einsatz.

Reinigung

Auch bei der Reinigung der Fahrzeuge suchen die Betreiber nach neuen Wegen. Ein innovatives Konzept stellt die beam GmbH derzeit bei der Messe Innotrans vor: Die neuen Reinigungsgeräte BlueEvolution reinigen Polster mit einem sehr trockenen Dampf. Dadurch könnten 93 Prozent Wasser und 60 Prozent Zeit gegenüber herkömmlichen Methoden eingespart werden, behauptet das Unternehmen. Keime und Bakterien würden durch die Hitze schnell abgetötet. Durch den langen Schlauch kann das Gerät außerhalb des Busses oder der Bahn bleiben, während drinnen die Reinigungskräfte aktiv sind. Da die Feuchtigkeit direkt wieder aufgesaugt wird, entfallen lange Trocknungszeiten. Verwendet wird nur klares Wasser ohne Reinigungsmittel.

 

Websites

www.brennstoffzelle-nrw.de