Eine AG der Gesamtschule Rheydt-Mülfort baut eine historische Trasse nach.

Modellbahn
Modellbauer aus Leidenschaft: Roman Hernandez (l.) und Marcel Fornacon.

Modellbauer aus Leidenschaft: Roman Hernandez (l.) und Marcel Fornacon.

Jörg Knappe

Modellbauer aus Leidenschaft: Roman Hernandez (l.) und Marcel Fornacon.

Düsseldorf. Alte Stadtpläne von Rheydt und Umgebung, selbsthergestellte Gipsformen für die großen Industrieanlagen und ein paar Meter „altes Rheydt“ stehen im Raum der Modelleisenbahn-AG der Gesamtschule Rheydt-Mülfort herum. Sechs Schüler der Unterstufe rekonstruieren hier jede Woche zwei Stunden lang die Eisenbahntrasse zwischen Mülfort und Geneicken, wie sie vor 40 Jahren aussah.

„Mit einem Wettbewerb und dem Modell von Monforts kam vor etwa zehn Jahren die Idee auf, doch einmal diese – heute stillgelegte – Strecke nachzubauen“, erklären Roman Hernandez und Marcel Fornacon. Beide sind seit knapp acht Jahren in dieser AG, damals als Schüler, seit ihrem Abschluss als Freiwillige.

Erinnerungen und Tipps helfen dabei, Fehler zu korrigieren

Neben ihrem Beruf kommen sie nach Feierabend vorbei, um an dem Projekt zu arbeiten und die Schüler anzuleiten. Die Kinder seien fasziniert von den Veränderungen in der näheren Umgebung der Strecke, berichten die beiden. Für sie sei es sehr spannend, manchmal sogar die Häuser der Großeltern oder Freunde zu entdecken.

Besonders bei Ausstellungen sei die Resonanz der älteren Rheydter und „Zeitzeugen“ ein großer Dank für ihre Arbeit. „Viele erkennen die Gegend sofort wieder und erzählen uns dann ihre Geschichte zu den verschiedenen Schauplätzen entlang der Strecke. Da kommen Erinnerungen hoch, wo sie früher gespielt hatten“, berichtet Marcel Fornacon von den spannenden Begegnungen, die die Arbeit mit sich bringt. Dadurch würden auch manchmal die kleinsten Fehler auffallen und könnten korrigiert werden.

Ihre Informationen für den Aufbau der etwa 30 Meter langen Anlage nehmen sie hauptsächlich aus alten und neuen Straßenkarten und Dokumenten, das meiste aus den 60er Jahren. So konnte das Modell der Monforts-Werke sogar von innen nachgebaut werden.

Der Bahnhof nahe der Steinstraße wurde 1870 mit einem Empfangsgebäude erbaut. Der Personenverkehr wurde am 31. Januar 1985 eingestellt.

Am 1. Februar 1870 fuhr dort der erste Zug, 1950 hielten dort täglich 80 Züge. Am 31. Januar 1985 wurde der Betrieb eingestellt.

Ohne die Hilfe von Privatleuten wären einige Teilprojekte unvorstellbar: „Wir sind auf diese Informationen angewiesen. Und wenn es nur der Tipp ist, dass ein Haus eine andere Farbe hatte“. „Manchmal“, sagen sie, „haben wir diese Hinweise leider nicht, und es gibt einfach keine genauen Angaben zu verschiedenen Gebäuden. Dann gehen wir los und vermessen diese Objekte.“

So wurde am gesamten Geneickener Bahnhof der Zollstock eingesetzt: „Das war sehr viel Arbeit. Zwei bis drei Wochen waren wir dran und haben fast alles ausgemessen.“ Da es ausschließlich -Standard-Gebäude und Module für den Bau gibt, muss oftmals alles selbstgemacht werden. So wurden ganze Häuser aus selbst hergestellten Formen gegossen und manchmal sogar Dinge zweckentfremdet. Um den Schornstein des Monfort-Werks im Maßstab 1:87 nachbauen zu können, wurden kurzerhand ein Besen und eine Plastikflasche verbaut.

Förderverein finanziert die AG

Am nächsten Abschnitt des zurzeit über 30 Meter langen Modells wird schon fleißig gebaut. Der Abschnitt Rheydt/Geneicken soll demnächst für die kleinen Züge befahrbar sein. Auch werden dann Teile eingesetzt werden, auf die die Tüftler besonders stolz sind: Feuerwehrautos, die durch sehr viel Arbeit nun leuchten und blinken.

Finanziert wird die AG durch den Förderverein. Viele Module und Elemente seien aber so aufwendig und auch teilweise teuer, dass sie einfach von den Leitern selbst finanziert werden müssen. Die komplette Anlage ist beleuchtet und in einzelnen Elementen transportabel. Sie besteht aus der stillgelegten Hauptstrecke und einigen Nebenbahnhöfen. „Bis zum Mönchengladbacher Hauptbahnhof werden wir wohl nie bauen können. Würden wir ihn auch nur halb so groß bauen wie den Rest, wäre er etwa sieben Meter lang.“

So wird sich die Strecke wohl erst einmal nur in Richtung Mülfort und weiter nach Odenkirchen ziehen. Wann und wie das Projekt einmal fertig sein wird, weiß niemand. Denn „eine Modellbahn ist nie fertig“, sagen beide.

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