Eine Initiative um den Diplom-Pädagogen Hayat Mia kümmert sich um Gruppe Problem-Jugendlicher.

Odenkirchen
„Zur Burgmühle“ in Odenkirchen: Multi-Kulti unter dem Hochhaus-Dach. Nicht alle der Jugendlichen der „OGB“ kommen aus dem Block.

„Zur Burgmühle“ in Odenkirchen: Multi-Kulti unter dem Hochhaus-Dach. Nicht alle der Jugendlichen der „OGB“ kommen aus dem Block.

Jörg Knappe

„Zur Burgmühle“ in Odenkirchen: Multi-Kulti unter dem Hochhaus-Dach. Nicht alle der Jugendlichen der „OGB“ kommen aus dem Block.

Mönchengladbach. Erfreuliches aus dem Odenkirchener Problemviertel „Zur Burgmühle“: Die Stadt verlängert den Vertrag mit der Arbeiterwohlfahrt bis 2014. Mit dem darin garantierten Geld kann die Awo Streetworker Hayat Mia weiterbeschäftigen. Der kümmert sich vor allem um die Odenkirchener Ghetto-Boys (OGB) – eine aggressiv-kriminelle Gruppe. Seit ihr in Untersuchungs-Haft sitzender Anführer Roberto vor gut drei Monaten nach einem Einbruch in einen Odenkirchener Kaiser’s Markt einen Polizisten beinahe getötet hätte, sind die OGB mit ihren auffallenden Kapuzen-Shirts ohne Kopf.

Mathe vermittelt eine Gymnasiastin

Doch sprachlos sind sie deshalb nicht. Mia habe es verstanden, mit den 10- bis 16-Jährigen ins Gespräch zu kommen, ihr Vertrauen zu gewinnen, sagt eine Gruppe aus Polizisten, Politikern und Sponsoren, die Mias Arbeit tatkräftig unterstützt.

Mia und die zwei Odenkirchener Bezirksbeamten Willi Leopold und Bernd Thiel dürfen sich seit dem WZ-Bericht (3. November) nicht mehr gegenüber den Medien äußern. Dennoch bleiben sie aktiv, wenn es um ihre „OGB-Sorgenkinder“ geht.

Mittlerweile hat die Initiative Nachhilfe organisiert. Die hatten sich Gang-Mitglieder gewünscht, „weil wir in Mathe schlecht und bald Prüfungen sind“. Eine Odenkirchener Gymnasiastin ist zur Stelle, um Zahlen-Defizite zu beheben. Damit sich die rund 20 Jugendlichen austoben können, steht jetzt die Turnhalle des Gymnasiums Odenkirchen samstags und sonntags für Fußball offen. Die 15 Bälle wurden spendiert. Basketball kann in der Turnhalle Güdderath gespielt werden.

Wer will Pate werden?

Über eine Patenschaft ermöglichen Geldgeber, dass die Jugendlichen durch Sport und andere Freizeit-Programme „in die richtige Spur kommen“, wie es Ratsherr Helmut Schaper formuliert. Jährlich kostet das 65 Euro pro Nase. Fünf Paten gibt es schon, weitere nimmt Rolf Flören (Tel. RY 680 777) entgegen.

Zum ständigen Treffpunkt der Jugendlichen soll eine Wohnung im Hochhaus-Viertel werden, die die Hausverwaltung kostenlos zur Verfügung stellt. Allerdings hat die Stadt den Nutzungsvertrag immer noch nicht unterschrieben. Schaper: „Das hat uns OB Bude versprochen.“

Diese rund 90 Quadratmeter große Wohnung wollen die Boys renovieren, einen Fernseher haben sie schon, gespendet von einem Kartoffel-Großhändler. Gemeinsames Kochen, Klönen, Nachhilfe, Kicker (der fehlt noch), Hausaufgabenhilfe usw. sind dort vorgesehen.

Mia, sagt Schaper, will hier auch mit den Eltern der Jugendlichen verschiedenster Nationen reden, sie beraten und begleiten, wenn es um Fragen zu ihren Kindern geht. „Streetworkerarbeit ist Betreuungsarbeit“, sagt Schaper. Gemeint: Mia arbeitet gut, also soll er sich in Odenkirchen frei entfalten. Und auch nicht um monatlich 100 Euro betteln müssen, wenn es um die Finanzierung eines gemeinsamen Frühstücks geht.

Einige aus der Gang hätten schon begriffen, dass Prügel und Diebstahl „gar nicht so geil sind“. Eine Sorge treibt die Initiatoren bereits um: Nur, weil es ruhiger um die OGB geworden sei, weil drei von ihnen im Knast sitzen, mit der Arbeit aufzuhören. Schaper: „Mit Mia ist etwas aufgebaut worden, da muss jetzt Kontinuität rein.“

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