Betreuung: Die Zahl der psychisch kranken Gladbacher steigt. Der ambulante Dienst hilft Menschen wie Josef Höver. Er trauert um seine Lieben.

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Annelie Ternes vom Fachpflegedienst im Gespräch mit Josef Höver.

Annelie Ternes vom Fachpflegedienst im Gespräch mit Josef Höver.

Jörg Knappe

Annelie Ternes vom Fachpflegedienst im Gespräch mit Josef Höver.

Mönchengladbach. Die Einsamkeit habe ihn schwermütig gemacht, sagt Josef Höver. Nach dem Tod seiner Frau und dem Unfalltod des Sohnes stürzt der Mönchengladbacher in eine Depression. Doch mit Hilfe des ambulanten Dienstes des Vereins zur Rehabilitierung psychisch Kranker (kurz: Reha-Verein) gelingt es ihm, die Depression zu überwinden, die Isolation zu durchbrechen und wieder an sein altes Leben anzuknüpfen.

Wenn die Trauer über Verluste nicht weichen will

Angehörige hatten sich an den Fachpflegedienst gewandt, als sie merkten, dass die Trauer über die Verluste nicht weichen wollte. Der Pflegedienst vermittelte einen Besuch beim psychiatrischen Facharzt und übernahm die ambulante Betreuung. „Zuerst war ich etwas skeptisch, weil ich viele Tabletten nehmen sollte, aber dann habe ich gemerkt, dass es mir besser geht“, erzählt Josef Höver.

Annelie Ternes vom Fachpflegedienst besucht ihn nun regelmäßig, am Anfang fünfmal pro Woche. „Wir beginnen meist mit biographischer Arbeit“, erklärt die Fachaltenpflegerin. Es sei wichtig, herauszufinden, was den Patienten früher Spaß gemacht habe, was sie gern taten.

Bei den früheren Interessen kann man anknüpfen

Bei Josef Höver schält sich schnell sein künstlerisches Interesse heraus: Er schrieb Gedichte und malte Aquarelle. Hier waren also Anknüpfungspunkte. Höver beginnt, wieder zu schreiben und zu malen. Für beides bezieht er seine Motive aus der Natur.

Doch damit nicht genug: Einsamkeit kann man nicht nur mit Gedichten bekämpfen. Damit Josef Höver wieder regelmäßig unter Menschen kommt, besucht er jetzt eine Tagespflegeeinrichtung in Heiligenpesch. „Da sind immer Leute, mit denen man Rummikub oder Skat spielen kann“, sagt Josef Höver.

Zwei- bis dreimal pro Woche geht er nun dorthin. Und fühlt sich wieder gesund. „Ich habe meine Depression überwunden“, meint er. So wie bei Josef Höver arbeitet der ambulante Pflegefachdienst häufig. „Wir versuchen, das Selbstbewusstsein zu stärken, brachliegende Fähigkeiten wieder zu beleben und soziale Kontakte zu fördern“, fasst Annelie Ternes das Vorgehen zusammen. Zuerst sind häufige Besuche nötig, später werden es immer weniger.

Unter den Patienten sind Depressive und Schizophrene

Vier bis fünf Patienten betreut die Fachpflegerin am Tag. Darunter sind nicht nur Depressive, sondern auch Patienten mit Schizophrenie. Da gibt es Menschen, die Stimmen hören, andere leiden unter Verfolgungswahn. Das Vorgehen des Pflegedienstes bleibt ähnlich. „Wir versuchen, eine Tagesstruktur zu etablieren, dem Patienten einen festen Rhythmus zu geben“, erklärt Annelie Ternes.

Psychische Krankheiten sind auf keine Altersgruppe beschränkt. Der Dienst betreut 25-Jährige genauso wie 80-Jährige. Aber es scheint so, als würden die Betroffenen immer jünger, meint die Betreuerin. „Der Druck von außen, im Arbeits- wie im Freizeitbereich wird immer größer“, sagt Annelie Ternes. „Menschen reagieren darauf mit seelischen Krankheiten.“

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