Das Interesse scheint geringer als vor vier Jahren. Auch die Stadt wird kein Event anbieten.

Das Interesse scheint geringer als vor vier Jahren. Auch die Stadt wird kein Event anbieten.
Vor vier Jahren war das Interesse an Public Viewing wie hier in einem Zelt am Hockeypark noch deutlich größer als jetzt. Archiv

Vor vier Jahren war das Interesse an Public Viewing wie hier in einem Zelt am Hockeypark noch deutlich größer als jetzt. Archiv

Hans-Peter Reichartz

Vor vier Jahren war das Interesse an Public Viewing wie hier in einem Zelt am Hockeypark noch deutlich größer als jetzt. Archiv

Dicht an dicht gedrängte Menschen, den Blick auf eine große Leinwand fixiert. Auf dieser sind viele kleine Menschen zu erkennen, die auf grünem Rasen einen schwarz-weißen Ball treten. Dann passiert es – das Spielgerät zappelt in einem Netz, dem Tornetz. Die Masse flippt vor Freude völlig aus. Menschen liegen sich in den armen, freuen sich, weinen, sind glücklich.

So sah es am 13. Juli 2014 in vielen Gaststätten, Arenen und auf öffentlichen Plätzen in ganz Deutschland aus, als Mario Götze die deutsche Fußballnationalmannschaft zum Titel schoss. Und obwohl das deutsche Team sich 2014 die Fußballkrone aufsetzen konnte, hat das Rudelgucken vier Jahre später deutlich abgenommen – das zeigt sich auch in Mönchengladbach.

Die Sicherheitsanforderungen machen die Events sehr teuer

Ein möglicher Ort wäre der Alte Markt, auf dem bereits in der Vergangenheit Turniere ausgestrahlt wurden. Doch die Stadt hat sich entschieden, kein Public Viewing anzubieten. „Wir haben zwar mit einzelnen Partnern gesprochen, aber daraus hat sich nichts ergeben“, erklärt Schlipköter, Geschäftsführer der Marketinggesellschaft MGMG.

Der Hauptgrund sind die Kosten – vor allem für Sicherheit: „Es rechnet sich einfach für die meisten Städte nicht mehr, so ein Event auszurichten“, so Schlipköter. Zu viele Aspekte müssten beachtet werden. „Alleine die gestiegenen Sicherheitsanforderungen wären sehr teuer.“ Das Thema Sicherheit sorgt in diesen Tagen auch in Frankreich für Diskussionen. Nachdem es zunächst hieß, Public Viewing wäre gänzlich verboten, dementierte Frankreichs Innenminister Gérard Collomb die Meldung. Übertragungen seien aber nur in streng überwachten oder geschlossenen Bereichen erlaubt.

Da es in Deutschland ähnlich ist, sieht Schlipköter beispielsweise Stadien wie den Borussia-Park im Vorteil. Das Stadion in Mönchengladbach „verfügt ohnehin über einen abgegrenzten Bereich. Wir müssten das in der Stadt erst einmal errichten und dann noch eine Bühne aufbauen“, so Schlipköter. Und auch die Leinwand für die Übertragung sei sehr teuer. „Darüber hinaus gibt es ja auch viele Lokalitäten, die Public Viewing ermöglichen. Wieso sollten wir denen die Kunden wegschnappen?“ Aber auch viele Gaststätten verzichten in diesem Jahr: So etwa die Sportsbar (Umbauphase), das Purino und das TIG.

Warum es in anderen Städten wie beispielsweise Düsseldorf mit einem von der Stadt ausgerichteten Public Viewing funktioniert, kann er nur mutmaßen. „Wahrscheinlich haben die mehr Sponsoren, die sich an den Kosten – vor allem wegen Sicherheit – beteiligen“, so Schlipköter. Ein weiterer Grund für das geminderte Public-Viewing-Interesse sind fehlende hochkarätigen Teams wie Italien, Griechenland, die Niederlande und die Türkei. Für die zahlreichen Lokale anderer Nationen und deren Fans in Gladbach natürlich auch ein Grund, auf ein Angebot zum Rudelgucken zu verzichten.

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