Von Jahr zu Jahr gehen weniger Eltern mit ihrem Nachwuchs zur den U- und J-Untersuchungen. Stadt-Ärztin Gabriele Schmitz-Buhl sieht das mit Sorge. Denn Krankheiten und Entwicklungsstörungen sollten frühzeitig erkannt werden.

Ein Arzt untersucht ein Baby. Allerdings lassen immer weniger Eltern diese Vorsorge-Untersuchungen machen.
Ein Arzt untersucht ein Baby. Allerdings lassen immer weniger Eltern diese Vorsorge-Untersuchungen machen.

Ein Arzt untersucht ein Baby. Allerdings lassen immer weniger Eltern diese Vorsorge-Untersuchungen machen.

dpa

Ein Arzt untersucht ein Baby. Allerdings lassen immer weniger Eltern diese Vorsorge-Untersuchungen machen.

Mönchengladbach. Zu dick, kann nicht auf einem Bein stehen, hört schlecht, sieht schlecht, spricht undeutlich. Die Urteile über Kinder, die beim Gesundheitsamt untersucht werden, bevor sie eingeschult werden, sind oft katastrophal. Inzwischen werden bei rund 20Prozent der Schulanfänger Defizite festgestellt. Fast zehn Prozent aller Erstklässler haben Übergewicht.

Nicht in allen Fällen sind die Probleme oder Krankheiten, die die Mediziner des Gesundheitsamts bei den Mädchen und Jungen erkennen, noch zu lösen beziehungsweise zu behandeln. Oft ist es einfach zu spät.

Dass müsste nicht so sein, wenn Eltern mit ihrem Nachwuchs zu allen Vorsorgeuntersuchungen gingen. Doch die Zahl der Kinder, die von ihren Müttern oder Vätern für die so genannten U1 bis U7 zum Arzt gebracht werden, nimmt kontinuierlich von der 1 bis zur 7 ab.

"Ein Kind, das schlecht hört, bekommt Probleme beim Sprechen."

Gabriele Schmitz-Buhl, Ärztin beim Gesundheitsamt

"Es gibt einen Einbruch bei den Untersuchungen im Vorschulalter bei den Vier- und Fünfjährigen", berichtet Stadtärztin Gabriele Schmitz-Buhl. "Einige Eltern denken vielleicht, mein Kind hat keinen Husten und keinen Schnupfen. Es ist gesund. Ich muss nicht mit ihm zum Arzt." Aber gerade Sprach-, Seh-, Hörstörungen oder motorische Probleme müssten rechtzeitig erkannt werden, damit sie keine schwerwiegenden Folgen für die weitere Entwicklung und Gesundheit der Kinder haben, sagt die 45-Jährige.

"Allein eine Störung in einem Bereich kann viele weitere Probleme nach sich ziehen. Nehmen wir das Beispiel Hören. Ein Kind, das schlecht hört, bekommt dadurch womöglich Probleme beim Spracherwerb. Eine nicht rechtzeitig erkannte Sehstörung kann zu einer bleibenden Sehminderung führen. Ein Kind mit einer unbehandelten Sehstörung kann Probleme beim Lesen und Schreiben lernen bekommen."

Jedes Kind hat bis zum 15. Geburtstag Anspruch auf elf Vorsorgeuntersuchungen, die U1 bis U9 im Vorschulalter und die J1 im Alter von 12 bis 14 Jahren.

Bei der U7a zum Beispiel wird untersucht, wie sich das Kind im vergangenen Jahr entwickelt hat. Hat es eine Allergie oder Übergewicht, sieht es auf beiden Augen gleich gut, wie steht es mit Sprachentwicklung, sind alle Impfungen gemacht?

Die Zahlen für 2008 sind noch nicht berechnet. 2007 kamen zwar 98 Prozent aller Kinder zur U1. Danach sank die Zahl kontinuierlich bis zur U9, zu der nur noch 85Prozent der Kinder kamen.

Hinweise zu den Vorsorgeuntersuchungen und zum Thema Kindergesundheit sind im Netz zu finden.

Altersgemäßes Sprechen und ein gutes Sprachverständnis sind wichtige Voraussetzungen für den Start in die Schule und die weiteren schulischen Erfolge. Auch hier gilt: bei Verzögerungen und Störungen der Sprachentwicklung kann das Kind jetzt noch frühzeitig und mit ausreichend Zeit behandelt werden.

Mit kleinen Geschenken, einem Wettbewerb und mit Plakaten nicht nur in deutsscher, sondern auch in russischer und türkischer Sprache, will das Gesundheitsamt die Vorsorge- und Impf-Disziplin bei den Eltern erhöhen. Die Aktion heißt "Ich geh zur U! Und Du?" und ist von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung initiiert worden.

Kinder, die zur U7, U8 und U9 gehen, werden belohnt: mit einem "U-T-Shirt", das sie von den Erzieherinnen in ihrer Kindertagesstätte bekommen. Wenn besonders viele Mädchen und Jungen einer Kindertagesstätte ein T-Shirt haben, können sie mit einem witzigen Foto beim Wettbewerb der Bundeszentrale mitmachen. Die schönsten Bildern werden belohnt.

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