Seit vergangenem Jahr gibt es keinen Bootsverleih mehr. Die Fronten zwischen Stadt und Anbieter sind verhärtet.

Die Boote sind inzwischen eingelagert worden.
Die Boote sind inzwischen eingelagert worden.

Die Boote sind inzwischen eingelagert worden.

Boote im Volksgarten habe eine lange Tradition, wie diese Poskarte aus den 1920er Jahren beweist. Bild: Sammlung Kreuzberg

Zimmermann, Bild 1 von 2

Die Boote sind inzwischen eingelagert worden.

Bereits im zweiten Jahr ist Mönchengladbach um eine Freizeitaktivität ärmer. Bötchen fahren auf dem Weiher im Volksgarten gehört nicht mehr dazu. Seit vergangenem Frühjahr gibt es den Bootsverleih nicht mehr. Auch wenn die Kähne bereits in die Jahre gekommen waren und einige nicht mehr vertrauenserweckend aussahen – das Bötchenfahren auf dem See wird von vielen Mönchengladbachern vermisst.

Wohin die Tret- und Ruderboote verschwunden sind, das weiß selbst der ehemalige Betreiber nicht ganz genau. Die Stadt und Mags sagen, dass die Kähne eingelagert worden seien – auch weil es Beschwerden über den schlechten Zustand der Boote gab. Das habe man dem Pächter aber mitgeteilt. Mehrfach sei versucht worden, den ehemaligen Verleiher zu erreichen. Doch vergebens. Bootsbesitzer Jörg Leyers’ Darstellung ist eine ganz andere: Die Stadt habe die Boote von einem Tag auf den anderen vom Wasser genommen, sagt er. Darüber informiert worden sei er nicht. „Ich habe keine Ahnung, wo die Boote jetzt sind.“

Der gebürtige Moerser hat den Bootsverleih Bahlo bereits Anfang der 1990er Jahre gegründet. Das Geschäft mit dem Wasser habe in Leyers’ Familie Tradition. „Ich bin damit aufgewachsen“, erzählt der 59-Jährige. „Das fehlt mir jetzt sehr. Ich schaue verzweifelt nach einer anderen Möglichkeit.“

„Ich habe keine Ahnung, wo die Boote jetzt sind.“

Jörg Leyers, Bootsvermieter

Am liebsten aber würde Leyers seinen Verleih in Gladbach weiterführen. Nur lassen wolle man ihn seiner Meinung nach nicht. Der Stadt wirft er unkooperatives Verhalten vor. Und jetzt wolle die Verwaltung ihn auch noch aus dem Verleih drängen. Ein Interessent habe ihm das Angebot gemacht, den Verleih samt Steg und 16 Booten zu übernehmen. Zahlen wolle der Mann dafür aber nicht. Stattdessen habe er angeboten, die vermeintlichen Schulden Leyers’ bei der Stadt zu begleichen. Nämlich diejenige Summe, die die Stadt dem Bootseigentümer für die Lagerung seiner Boote in Rechnung stellt. Seit März 2016 sind die Boote nun schon nicht mehr auf dem Wasser. „Das war meine Idee, das sind meine Boote, das ist mein Steg“, sagt Leyers. Einem anderen wolle er das Geschäft nicht überlassen. Auch wenn für ihn der Verleih stets mehr Leidenschaft als Geldverdienst gewesen sei. Und genau darin könnte die Ursache für das Zerwürfnis liegen.

Jörg Leyers soll insolvent gewesen sein, heißt es bei der Stadt. Und bei der Mags wird zwar bestätigt, dass es eine Anfrage von jemandem gab, der den Bootsverleih weiterbetreiben wollte. Aber das sei im vergangenen Jahr gewesen. Auch Bezirksvorsteher Hermann-Josef Krichel-Mäurer hat davon gehört. Etliche Male habe er nachgehakt, was denn nun aus dem Bootsverleih werde, welche Freizeitaktivität man alternativ im Volksgarten anbieten könne. Krichel-Mäurer: „Ich hatte im vergangenen Jahr schon vorgeschlagen, dass die Kanuabteilung des SSV Rheydt dort an Sonntagen Schnupperfahren anbieten könne.“

Rentabel sei der Bootsverleih schon lange nicht mehr gewesen, sagt Leyers. Problematisch sei vor allem die Frage der Überwinterung der Boote gewesen. Bis in die 2000er Jahre habe er seine Boote bei der Stadt kostenlos lagern können. Dann habe man ihm diese Möglichkeit gestrichen. Doch die teure Unterbringung bei Privatanbietern habe sich der gebürtige Moerser nicht leisten können.

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